An(ge)dacht

 

Quelle: Gemeindebrief-Magazin  rgb

Suche Frieden und jage ihm nach!

Bei der Jahreslosung 2019 denke ich zuerst an eine Friedenstaube. Aber Friedenstauben jagen oder nachjagen? Die Sache mit dem Jagen irritiert mich. Als würde das mit dem Frieden zusammenpassen.

Dann kommt mir das Bild eines Vogelbeobachters in den Sinn.

Er stellt den Vögeln nach, um sie zu beobachten. Er freut sich an ihnen, hat eine Leidenschaft dafür, vielleicht dokumentiert und fotografiert er sie.  Eine, die ernsthaft Vögel beobachtet, geht ihnen nach – nach draußen. Aber sie weiß auch: Ich kann den Vogel nicht festhalten. Den Wildvogel nicht – und den seltenen Friedensvogel schon gar nicht. Ich kann ihn nicht einsperren und ihn mir zuhause aufs Regal stellen; dann ist er tot. Er passt auch in keinen Vogelkäfig.  

Der Friedensvogel braucht Freiheit, um zu fliegen und um sich zu vermehren. Er schert sich nicht um Grenzen. Nicht um die Grenzen meines Gartens, nicht um die Grenzen unseres Landes, ja noch nicht einmal um Europas Grenzen und auch nicht um die der USA. Der Friedensvogel ist ein Wandervogel. Er zieht über Länder und Kontinente hinweg. Er ist bedroht und abhängig davon, dass wir ihm seinen Lebensraum geben und lassen. Die Menschen müssen sich zusammen dafür einsetzen, dass er sich ansiedeln, heimisch werden und gut leben kann.

Manchmal muss ich mich warm anziehen, um den Friedensvogel zu entdecken und mich geduldig und beharrlich auf die Lauer legen. Ich muss sehen lernen, wahrnehmen lernen – und ich brauche etwas, das mir hilft, die unterschiedlichen Arten zu bestimmen.

Suche Frieden und jage ihm nach! Vielleicht kann die Jahreslosung mir dabei hilfreich sein. Sie erinnert mich 2019 daran, worum es geht: Den Frieden suchen in meinem Alltag. Vor unserer Haustür zuerst und in unserem Stadtteil. Aber auch darüber hinaus.

Die Leidenschaft und die Geduld einer Vogelbeobachterin wünsche ich mir und wünsche ich uns. Ich bin gespannt, was es da 2019 zu entdecken gibt.

Ihre Verena Schlarb, Pfarrerin