Ausgewählte Predigten

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Sie möchten eine Predigt aus einer unserer Kirchen noch einmal in Ruhe nachlesen?

> Eine Auswahl finden Sie nachstehend.
 
Sie haben im Gottesdienst eine besondere Predigt gehört, die nicht in der Auswahl zu finden ist?
 
> Bitte wenden Sie sich ans Pfarramt oder schicken Sie uns eine Mail, um diese anzufordern.
 
 

 Predigt am Sonntag nach Weihnachten 2018 (30. Dezember) 

Quelle: Bamberger Apokalypse Folio 10 verso, Bamberg, Staatsbibliothek, MS A. II. 42. via Wikimedia Commons
 
Die zweite Weihnachtsgeschichte: "Die Notwendigkeit zu Flucht"
 
Pfarrer i.R. Dr. Gerhard Liedke - Heiliggeistkirche
 

Predigt über Matthäus 2,13-238,26-39

 

„Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“ – das erinnert uns jetzt am Ende der Weihnachtszeit noch einmal an den Zauber der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, die die meisten von uns noch von Heiligabend im Ohr und im Herzen haben.
Wir haben aber noch eine zweite Weihnachtsgeschichte – im Matthäusevangelium. Und heute hören wir einen Teil dieser zweiten Weihnachtsgeschichte.
Im Kern sagen beide Weihnachtsgeschichten natürlich dasselbe „Gott ist in tiefster Nacht erschienen“ – aber sie sagen es sehr unterschiedlich. Lukas erzählt vom Stall, von der Krippe, von Maria, von den Hirten und von den Lobgesängen der Engel.
Matthäus erzählt nicht von den Hirten, sondern von den Weisen aus dem Morgenland.
Matthäus erzählt kaum etwas von Maria, sondern vor allem von Josef.
Matthäus erzählt von dem brutalen Herodes und seinem Sohn Archelaos. Zweimal muss die Familie fliehen, kann aber nach Jahren zurückkehren nach Nazareth.
Matthäus kennt keine Engelchöre, die weltweit Frieden verkündigen, eher wird Krieg geführt gegen das neugeborene Kind.
 
 
 

 Ansprache und Predigt am 17. Sonntag nach Trinitatis 2018 (23. September) 

Quelle: Altstadtgemeinde/Foto: H.-J. Wölfer
Festgottesdienst in der Heiliggeistkirche
zur Einführung von Imke und Mirko Diepen
als Pfarrer der Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz
 
Liebe Gemeinde, liebe Altstadtgemeinde,
liebe Gäste, liebe Freunde!
 
Was für ein Glück! Dass wir hier in dieser wunderbaren Kirche Gottesdienst feiern dürfen und mit Ihnen zusammen in der Heidelberger Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz Kirche sein und gestalten können. Wir wünschen uns von Herzen, dass wir Ihnen lebendige geistige Impulse geben können und Ihnen gute Seelsorger sein werden.
...
 
Predigttext: Epheserbrief, 4. Kapitel:
So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld.
Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens:
EIN Leib und EIN Geist, wie ihr auch berufen seid zu EINER Hoffnung eurer Berufung;
EIN Herr, EIN Glaube, EINE Taufe;
EIN Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.
 
 

 

 Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis 2018 (2. September) 

"Das perfekte Justizverbrechen"
Quelle: Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz, Heidelberg, ©Tatort/Das Erste

Quelle: Rudolf von Ems: Weltchronik. Böhmen (Prag), 3. Viertel 14. Jahrhundert. Hochschul- und Landesbibliothek Fulda, Aa 88. Miniatur 201 335v.via Wikimedia Commons
Nabots Steinigung vor dem Weinberg
in der Sommerpredigtreihe "Kriminalgeschichten der Bibel"

 
Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele - Heiliggeistkirche
 
Predigt über 1. Könige 21

 

Tatort Bibel! - Können wir uns das überhaupt leisten angesichts der Ereignisse der Gegenwart? Liegt der Tatort Straße angesichts der Ereignisse der zurückliegenden Woche nicht viel näher? - Ja und nein! Das immer wieder neu Überraschende an der Bibel: Die alten Geschichten sprechen mitten hinein in die Aktualität. Das lässt sich auch dem heutigen Fall abspüren.

Tatort Samaria also. Hauptstadt des Nordreiches Israel, erste Hälfte des 9. Jahrhunderts vor Christus. Fast 3000 Jahre ist es also her, dass sich diese Ereignisse abgespielt haben. Und trotzdem sind sie brandaktuell – im wahrsten Sinne des Wortes.
 

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 Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis 2018 (2. September) 

"Brudermord aus Eifersucht - Kain und Abel"
Quelle: Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz, Heidelberg, ©Tatort/Das Erste

Quelle: UB-HeidICON. https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ib00632000
Biblia, Anton Koberger. Nürnberg 1483
in der Sommerpredigtreihe "Kriminalgeschichten der Bibel"

 
Pfarrer Dr. Martin Treiber - Heiliggeistkirche
 
Predigt über 1. Mose 4,1–16

 

Adam, wo bist du? - So ruft Gott im Paradies.
Er hat den Menschen erschaffen nach seinem Bilde, weil er sich ein Lebewesen gewünscht hatte, mit dem er kommunizieren wollte.
Kommunikation, das ist ja ein Hauptkennzeichen von einer Beziehung, von einer partnerschaftlichen Beziehung.

Adam, wo bist du? - Ob der Mensch hört, hören will?

Er kann hören, er kann antworten, denn Gott gab ihm, gab uns Atem.
 

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 Predigt am 10. Sonntag nach Trinitatis 2018 (5. August) 

"Frauenpower und Mord - Jael tötet Sisera"
Quelle: Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz, Heidelberg, ©Tatort/Das Erste

Quelle: Lausanne, Bibliothèque cantonale et universitaire de Lausanne, U 964, f. 76v – Biblia Porta (https://www.e-codices.ch/en/list/one/bcul/U0964)
in der Sommerpredigtreihe "Kriminalgeschichten der Bibel"

 
Schuldekanin Dr. Beate Großklaus - Heiliggeistkirche
 
Predigt über Richter 4,17-24
 
In der Bibel stehen Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben. Menschen nehmen Gott wahr – manchmal auch mitten in einem Krimi. Meinen Erstkontakt zu diesem Krimi hatte ich direkt nach dem Abitur in einem Intensivkurs Hebräisch in der Pfalz. Ein Pfarrer – ein genialer Hebräisch Lehrer, Rudolph Walter, – erzählte in schillernden Farben von einer Frau, deren Namen ich vorher noch nie gehört hatte: Jael.
Sie ist verheiratet mit Heber. Beide gehören zum Stamm der Keniter. Glauben die überhaupt an Gott? – Dazu wird im Buch Richter nichts erwähnt. Ich nehme Sie gleich mit hinein ins 4. Kapitel zum Tatort: Dann können Sie sich – wie bei jedem gutem Krimi selbst den Kopf machen – nach dem Warum des Tathergangs:
 

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 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2018 (8. Juli) 

Quelle: apg_16 Philippus und der Kämmerer © Ulrich Leive.jpg, http://kulturserver-nds.de/home/leivebibel/apg_016.html
"Die Buddhaisierung des Alltags // Verstehst du auch, was du liest?"

Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele - Heiliggeistkirche

Predigt über Apostelgeschichte 8,26-39 [Philippus und der Kämmerer aus Äthiopien]

Die "Buddhaisierung", des Alltags, wie manche das etwas spöttisch nennen, ist längst unübersehbar. Beim Hausarzt, in der Physiotherapiepraxis, bei Freunden im Wohnzimmerregal - überall stehen kleine Buddhas.
"Kennen sie sich im Buddhismus aus", habe ich meine Physiotherapeutin gefragt. Sie hatte keine Ahnung. Ich frage nach, warum die Buddhastatue da steht. "Sie verbreitet einfach ein gutes Gefühl," sagt sie. "Besser als ein Kreuz aufzuhängen!", fügt sie noch hinzu. Ich weiß nicht, ob das gegen Söder oder gegen mich als Pfarrer gerichtet ist.


Liebe Gemeinde!

Reisezeit ist angesagt. In einigen Bundesländern haben die Sommerferien schon beginnen. In zweieinhalb Wochen beginnen sie auch bei uns. Für viele von uns gilt: Ferienzeit ist Reisezeit!
Reisen ist in. Wer reist, will Abstand gewinnen. Will die Seele baumeln lassen, wie es so schön heißt. Manchen ist es genug, sich tagtäglich träge an den Strand zu legen - Hauptsache, der Schutzfaktor der Sonnenschutzcreme ist ausreichend hoch. Andere fügen der Sammlung erklommener Berggipfel wie in jedem Jahr wieder neue hinzu. Auch an den Gipfelkreuzen ist es längst eng geworden.

Manche definieren den Marktwert ihres Urlaubszieles nach Entfernung in Kilometern zum Heimatort. Hauptsache weit weg. Hauptsache, man hat nachher etwas zu erzählen. Dort gewesen zu sein und ein Selfie als Beleg nach Hause - manchen reicht das schon.

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 Predigt am Sonntag Kantate 2018 (29. April) 

Quelle: Karin Wilke

Abschluss des Reformationsjubiläums in Heidelberg
"500 Jahre Heidelberger Disputation"
Festgottesdienst mit Pfarrerin Prof. Dr. Margot Käßmann
 
Am 26.04.1518 hat Martin Luther mit der Heidelberger Disputation seine neuen reformatorischen Erkenntnisse Vertretern von Kirche und Universität vorgestellt. Mit dem Festgottesdienst am 29.04.2018 fanden in Heidelberg die Feierlichkeiten zum Reformtionsgedenken ihren krönenden Abschluss. Als Botschafterin des Rates der EKD zog Pfarrerin Prof. Dr. Margot Käßmann ein Resümee der Reformationsdekade und gab Bezug nehmend auf die Heidelberger Disputation einen Ausblick auf die weitere Arbeit der Evangelischen Kirche.
Quelle: ekihd

 
“Die Botschaft vom Kreuz ist eine Gotteskraft!”

 

Predigt von Pfarrerin Prof. Dr. Margot Käßmann als PDF-Download

Quelle: Prof. Dr. Margot Käßmann


 

 Predigt am Palmsonntag 2018 (25. März) 

Quelle: Markus Nierth
Im Rahmen des Jahresthemas "500 Jahre Heidelberger Disputation" der Citykirche Heiliggeist hielt Markus Nierth, Theologe, Bürgermeister a.D. und Luther-Preisträger "Das unerschrockene Wort" die Predigt zum Thema "Kreuznachfolge". - Luther entfaltete bei der Heidelberger Disputation seine Kreuzestheologie. - Nierth erlangte im Zusammenhang mit den Konflikten um eine Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz überregionale Bekanntheit und wurde 2017 mit dem Luther-Preis ausgezeichnet.
Quelle: ekihd


34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben behalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinet- und des Evangeliums willen, der wird's behalten.…

Diese Worte fand ich besonders als junger Mensch immer gruselig und weltfremd, denn na klar will ich leben und nicht sterben, wozu bin ich sonst auf dieser Welt? Denn Jesus läuft mit dem Kreuz auf dem Rücken seinem eigenen brutalen Tod entgegen, und ich soll ihm nachfolgen? Wer leidet schon gern freiwillig? Und dieses „sich selbst verleugnen“, „sein Kreuz auf sich nehmen“, das klingt nicht nur gefährlich, sondern auch so lebensunlustig, so miesepeterig-masochistisch, ich sah dabei immer so einen verhärmten Mönch vor mir, der sich selbst peitscht. Ist Glauben nicht gerade deshalb so vielen Menschen fremd, weil er so komisch Welt- und Lebensfremdes fordert?

Ich sagte mir: lieber wäre ich ein Held in der Welt, denn so ein Held ist stark, packt furchtlos und mit aller Kraft eine große Aufgabe an, beschützt Schwächere, befreit Gefangene, besiegt Tyrannen, opfert notfalls sein Leben dafür, und wird deshalb von der Menge der normalen Menschen bewundert, bekommt meist ein Denkmal (mal unter uns Männern, war das nicht auch Ihr Kleinjungen-Traum?) Um zur Gleichberechtigung zurückzukehren: Wer von uns hatte als Kind nicht den Plan, später etwas Wichtiges, Bleibendes zu vollbringen? Dies zeigt doch eine tief angelegte Sehnsucht nach Identität: So will ich gerne sein. Aber die Realität zeigt, dass hinter den meisten, hochgejubelten, märchenhaften Helden auch oft bald nur Elend und allzu menschliches Scheitern in anderen Bereichen zum Vorschein kommt, wenn die mühsam aufgebaute Fassade oder Maske einbricht, wenn ein Pieks den aufgeblasenen Ballon des Ichs platzen lässt.

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 Predigt am Sonntag Lätare 2018 (11. März) 

Quelle: Wegkreuz

 
Predigt
von Prof. Dr. Renate Wind in der Heiliggeistkirche

"Passionspredigt"

 

Predigtlied: EG 85 [O Haupt voll Blut und Wunden - Paul Gerhardt]
 
 
Im Jahr 1843 fuhr der schon im Exil lebende Heinrich Heine nach Deutschland, um seinen Verleger und seine kranke Mutter zu besuchen. Die Schriften des Aufklärers, Satirikers und politischen Dichters waren bereits in Deutschland verboten, dennoch reiste er ebenso wehmütig wie kritisch durch das Land, das er so vergeblich liebte. Am Ende schrieb er als eine Art Reisebericht den Gedichtband „Deutschland ein Wintermärchen“.

Im Kapitel 13 begegnet Heine, der getaufte Jude und Bewunderer der biblischen Tradition, dem gekreuzigten Jesus.

Und als der Morgennebel zerrann,
Da sah ich am Wege ragen,
Im Frührotschein, das Bild des Manns,
Der an das Kreuz geschlagen.

Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal
Dein Anblick, mein armer Vetter,
Der du die Welt erlösen gewollt,
Du Narr, du Menschheitsretter!

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 Predigt am Sonntag Invokavit 2018 (11. Februar) 

Quelle: Evangelische Frauen in Baden


Predigt
von Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez in der Heiliggeistkirche

"Maria, ihm schmeckt's"
 

Gewinnerslam beim 2. Badischen Frauen-Preacher-Slam
am 3. Februar in der Peterskirche

 

Geschneit hat es heute morgen. Ach, habe ich mir gedacht, was wäre es schön gewesen, wenn wir an Weihnachten solch ein Wetter gehabt hätten! Aber mal ehrlich: Lichtjahre entfernt ist doch schon wieder die Erinnerung an den holden Knaben mit lockigem Haar! An Krippenspiel und Weihnachtsoratorium. Was ist nicht alles seit dem passiert:

  • In Italien ändert der Papst das Vaterunser und bekommt dafür Schelte von Margot Käßmann.
  • In der Schweiz hängen Industriebosse einem selbsternannten Genie aus Amerika an den Lippen und versprechen, in Deutschland Arbeitsplätze abzubauen.
  • In Frankreich stirbt Paul Bocuse (ihm schmeckt's nie mehr...)
  • Und in Deutschland brüstet sich eine Christlich-Soziale-Union damit, den Familiennachzug für Flüchtlinge abzuschaffen.

Da erbleicht das Kind in der Krippe. Und weiß, dass seine Passion schon längst begonnen hat.

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 Predigt am 18. Sonntag nach Trinitatis 2017 (15. Oktober)

Quelle: Ottilie Müntzer


Predigt
von Prof. Dr. Renate Wind in der Heiliggeistkirche

im Rahmen Predigtreihe "Frauen der Reformation":

"Ottilie Müntzer"

 

Kaum etwas wissen wir von ihr, gerade einmal, dass sie wohl Ottilie von Gersen hieß, bevor sie 1523 die Frau von Thomas Müntzer wurde, der zu dieser Zeit Pfarrer in Mühlhausen war - und dessen Leben zwei Jahre später gewaltsam endete, nach der Niederlage des von ihm angeführten Bauernheeres in der Schlacht von Frankenhausen.
Nur wenig ist von ihm überliefert, und das Wenige ist lange Zeit von der Sicht der Sieger bestimmt gewesen. Die Verlierer der Geschichte haben selten ein Recht auf eine gerechte Geschichtsschreibung und Gedenkkultur - und die Frauen der Verlierer schon gar nicht.
Ottilie Müntzer verschwand in dem Dunkel, aus dem sie gekommen war, in einer Zeit der Dunkelheit, in die für kurze Zeit das Licht der Reformation gefallen war. Und doch gibt es für sie einen Gedenkort, über die Jahrhunderte erhalten und renoviert in einer Stadt, die sich eine Zeitlang stolz Müntzerstadt nannte.
 

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 Predigt am 17. Sonntag nach Trinitatis 2017 (8. Oktober)

Quelle: Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon


Predigt
von Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele in der Heiliggeistkirche

im Rahmen Predigtreihe "Frauen der Reformation":

"Aufruhr im Himmel" - über Caritas Pirckheimer

 

Liebe Gemeinde!

Aufruhr im Himmel! Aufruhr in der Abteilung „Reformatorisch Gesinnte“. Lautstarkes Stimmengewirr an der großen Tür, über der steht: „Frauen der Reformation“.
Katharina von Bora steht wie ein Baum unter der Tür und versperrt den Durchgang. Hinter ihr ist, wie eine herbeigerufene Unterstützung, Argula von Grumbach zu sehen.

Vor der Tür eine eindrückliche Frau, die mit klarer Stimme um Einlass bittet. Einen Besuch möchte sie machen. Zu Philipp Melanchthon möchte sie geführt werden. „Mein Name ist Caritas Pirckheimer! Philipp und ich – wir kennen uns. Wir teilen denselben Glauben. Fast jedenfalls!“ „Nein!“ faucht ihr die Stimme Katharinas entgegen. Und noch einmal: „Nein! Du gehörst nicht zu uns. Du bist nie evangelisch geworden. Unsere Pfarrer hast du als Beichtväter abgelehnt. Hier kommst du niemals durch!“ „Und ich habe genug von dir gehört, als ich in Nürnberg war!“ Das Echo kam von Argula von Grumbach.

Wer ist diese Frau, der man noch im Himmel zum Vorwurf macht, sie sei niemals evangelisch gewesen?

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 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2017 (11. August) 

Quelle: Liselotte von der Pfalz


Predigt
von Prof. Dr. Renate Wind in der Heiliggeistkirche

"Glaubt mir, der Christen Grund ist bei allen Religionen derselbe"
Liselotte von der Pfalz, protestantische Prinzessin am Hofe Ludwigs XIV.,
und ihre ökumenische "Privatreligion"
 
 

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 Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2017 (23. Juli)

Quelle: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg

 

CityGottesdienst in der Heiliggeistkirche - Citykirche im Gespräch:

Theresia Bauer, MdL und Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst

"Was erwarte ich von einer protestantischen Kirche?"

 

Liebe Gemeinde,
ich freue mich und danke Ihnen, dass ich heute zu Ihnen sprechen darf. Es ist ja noch nicht allzu lange her, dass ich schon einmal hier am Redepult der Heiliggeistkirche stand, nämlich als wir gemeinsam das Reformationsjahr Ende letzten Jahres eröffnet haben.
Und nun haben Sie mich gebeten, darüber zu sprechen, was ich von einer protestantischen Kirche erwarte. Also Wünsche von der Politik - in diesem Fall von mir - an Sie, die protestantische Kirche, zu formulieren.
 
Diese Bitte ist ein Geschenk für eine Politikerin, wissen Sie das?

Sonst ist es nämlich meistens anders herum. Die Politik ist Empfänger von vielerlei Wünschen, was besser werden soll, was sich ändern soll oder was sich bitte auf keinen Fall ändern soll - vorzugsweise alles gleichzeitig. Der Perspektivwechsel heute - das ist ganz etwas Besonderes für mich. Deshalb habe ich mich nicht lange bitten lassen:
Ja, sicher habe ich Wünsche und Erwartungen an eine protestantische Kirche.
Ja sicher, ich setze Hoffnungen in Sie - und keine kleinen.
 

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 Predigt am Sonntag Laetare 2017 (26. März) 

Quelle: privat; Karin Treiber


Pfarrerin Karin Treiber
- Heiliggeistkirche

Antrittsgottesdienst von Karin Treiber
als Pfarrerin im Probedienst in der Altstadtgemeinde

Predigt über Johannes 6,55-65
 

Friede sei mit uns und Gnade von Gott, unserem Vater und unserem Herrn und Bruder Jesus Christus.
Amen

Liebe Gemeinde,

seine Gedanken kreisen immer und immer um den Duft, den Geschmack, die Wärme des dicken Brotstücks. Wie endlos streicht er in Gedanken über die knusprige Kante und genießt die feine Krume.
In seinen Hungerträumen schreibt er Speisekarten, Menüfolgen: in allen Kleinigkeiten erfüllen sie ausgefallenste Wünsche, sind vielfältig in Geschmacksnuancen. Wie würde er die Menükarte verzieren, ausschmücken, ...und dann: welche große Überschrift würde er wählen? Festmahl anlässlich ... des 25. Geburtstages? Vielleicht seines 25. Geburtstages? Wenn er ihn erreichen wird? Nein, oder diese Überschrift: In großer Freude laden wir ein zum Hochzeitsessen von.... ja, ...von wem?
Wer ist er denn noch? Sein Name? Den Klang seines Namens hört er weit weit entfernt. Immer weiter weg rückt er, wird leiser. Er will ihn nicht verlieren. Er will gerufen werden. Aber hier wird sein Name eingetauscht: in eine Zahl. Eine fünfstellige Zahl: „27956“.
Sie ist ihm eingebrannt wie das Gefühl, das alles beherrscht. Es verschlägt ihm die Sprache. Es entfärbt sein Leben. Es verschluckt die Farben in seinem Leben. Dieses Gefühl umfasst ein Wort. Es schlottert an dem Menschen, ragt  in sein Leben hinein. Es wirkt sich ganz auf ihn aus, auf sein Denken, nimmt ihm die Worte, die es nicht fassen können; es hält ihn gefangen, droht seinen Blick zu leeren und macht sein Schweigen nur noch für ihn hörbar laut. Ein Wort , genau genommen sind es sechs Buchstaben, schlottert an ihm: es heißt HUNGER! Hunger!
Hunger: das sind seine körperlichen Schmerzen, Fantasien, große Schwäche.
Hunger: das ist seine Angst. Und dann gehört die Scham dazu; und die Wut, und seine Erniedrigung, und seine Ohnmacht.
Hunger, -  gewaltiger Hunger, bringt einen Menschen an die Grenzen – und darüber hinaus.
Hunger will einen Menschen verschlingen. Macht den Blick leer. Die Sprache ist für solche Grenzerfahrungen zu klein. Wie so oft von Gewalterfahrungen nicht geredet werden kann.

 
 

 Predigt am Sonntag Sexagesimae 2017 (19. Februar) 

Quelle: Karin Wilke


CityGottesdienst
in der Heiliggeistkirche, in Kooperation mit dem Theater der Stadt Heidelberg

"Khôra": Tanztheater der Stadt Heidelberg unter der Leitung von Nanine Linning
 

Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug

 

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“
Im Hebräischen Urtext wird der Zustand vor der Schöpfung als Tohuwabohu bezeichnet, „wüst und leer“, als Chaos oder Khôra, als seiend und gleichzeitig nicht seiend. Der Begriff Khôra kommt aus dem Griechischen, aus Platons Dialog Timaios.

Für die Konstitution der Welt sind für Platon drei Komponenten nötig. Der Demiurg (Gottheit), die Ideen und die Khôra. Viele Philosophen, viele religiöse Schriften haben darüber nachgedacht, was vor der Schöpfung war. Wie sah ein Zwischenzustand aus, war er statisch, schwebend, fließend, sich ständig neu auflösend und dann wieder erscheinend? Platon hat eine fünf Elementen Lehre entwickelt: Feuer, Wasser, Erde, Luft und Äther. Alle fünf Elemente schweben getrennt und gleichzeitig durcheinander, teilweise auch ineinander übergehend durch die Khôra, das Vorseiende. Einem hochphilosophischen Thema haben sich Nanine Linning und ihr Team von Musikern, Licht, Food-, Kostüm- und Bühnendesignern im Tanztheater „Khôra“ gewidmet.

 
 

 Predigt an Heiligabend 2016 (24. Dezember) 

Quelle: Kantorat Heiliggeist


Predigt zum 3. Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach / Lk 2,1-20

Christmette in der Heiliggeistkirche

Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca
 

Weihnachtsoratorium Nr. 24-28

"Lasset uns nun gehen gen Bethlehem"

Liebe Festgemeinde,

so sprechen die Hirten im Weihnachtsoratorium zueinander, nachdem der Engel ihnen die Geburt des Messias verkündet hatte. Bach zitiert hier das heutige Weihnachtsevangelium nach Lukas. Hirten sollen uns an David erinnern. David war selbst Hirte, bevor er zum König aufstieg. Und der Messias wurde als Nachfahre Davids erwartet. Zugleich spielt die Geschichte in der Heimatstadt Davids. Dies ist nicht als historische, sondern als theologische Aussage zu verstehen. Das Weihnachtsevangelium will einen Fingerzeig geben: Hier wird einer in der Stadt Davids geboren, der von David abstammt und damit die messianischen Voraussetzungen besitzt. Bei der wundervollen Musik von Bach ist man versucht, sich eine idyllische Schäferszene vor seinem inneren Auge vorzustellen. Und viele Weihnachtslegenden schildern es auch so. Freilich, auch wenn David erst Hirte dann König war, so waren die Hirten im Weihnachtsevangelium keine königlichen Menschen. Vielmehr müssen wir sie uns als Menschen am Rand vorstellen. Am Rand von Bethlehem. Stinkende Gesellen. Raubeinig und so mutig, dass sie die Herde vor reißenden Tieren wie Wölfen schützten. Und ausgerechnet sie werden vom Engel aufgefordert, vom Lagerfeuer aufzubrechen, die anvertraute Herde ungeschützt in der Finsternis zurücklassend. Freilich nicht aus Verantwortungslosigkeit, sondern weil die alten Verheißungen greifbar sind. In dieser Nacht sendet Gott seinen Tröster und Erlöser, so hörten wir gerade im Oratorium. Es ist die Stunde der Bestimmung. Es gibt kostbare Momente im Leben, die man nicht verstreichen lassen darf. Sie kehren nie wieder. Die Hirten verstehen das und machen sich auf den Weg, weg von der Herde hin zur Verheißung.

 
 

 Predigt am 16. Sonntag nach Trinitatis 2016 (11. September) 

Quelle: Wikimedia Commons

im Rahmen der Sommerpredigtreihe "Personen der Ökumene" in der Heiliggeistkirche:
 

Pfarrerin Dr. Gesine von Kloeden, Landeskirchliche Beauftragte für Mission und Ökumene

über
"Philipp Schaff: Evangelische Katholizität"

Evangelium aus Mt 10, 40-42:
Jesus Christus spricht: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen. Und wer einem dieser Geringsten auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht unbelohnt bleiben.
 
Liebe Gemeinde,
 
nie hätte Schaff selbst sich als Prophet oder Gerechter bezeichnet, aber als er nach Amerika kam, wurde er, das ehemalige uneheliche Flüchtlingskind, dort endlich aufgenommen und fand eine neue Heimat. Aber dies ist nicht der Grund, warum ich uns dieses Evangelium für heute ausgewählt habe. Sondern es birgt einen Eckpfeiler dessen, was Schaff mit Evangelischer Katholizität meint.
 
Um es gleich vorwegzunehmen, wie Evangelische Katholizität funktioniert:
  • Evangelisch sind alle Kirchen auf der ganzen Welt, die sich auf das Evangelium von Jesus Christus beziehen, also auch die katholische Kirche ist evangelisch.
  • Und katholisch sind alle Christinnen und Christen, die daran glauben, dass die Liebe Gottes die ganze (griechisch „katholos“) Welt umfasst und auch bis in den letzten Winkel dieser Erde dringen und im tiefsten Elend wirken kann.
Evangelische Katholizität ist die Botschaft von Jesus Christus in der Welt. Das hat Philip Schaff ausbuchstabiert.
 
 

 Predigt am Johannistag 2016 (24. Juni) 

"Mauerfall - ein symbolischer Akt mit Gegenwartsbedeutung"
 
Quelle: Citykirche Heiliggeist
 
Ökumenischer Festgottesdienst zum Gedenken an
den Fall der Scheidemauer in der Heiliggeistkirche
vor 80 Jahren
 
 
Predigt: Pfarrer Bernd Panizzi, Alt-Katholische Gemeinde
 
Quelle: Altstadtgemeinde/Foto: Gabi Dietz-Wölfer

„Am 20.September 1874, morgens 9 Uhr, wurde bei großartiger Beteiligung der Bevölkerung, der Staats- und Gemeindebehörden der erste alt-katholische Gottesdienst in der Heiliggeistchorkirche gehalten. Schon vor Beginn des Gottesdienstes war die Kirche dicht angefüllt und freudig schallten die Gesänge von der Empore durch den Chor. Geladen zur Feier war der evang. Kirchengemeinderat, der auch gekommen war.“

So berichtet die Heidelberger Stadtchronik von einem wichtigen Ereignis für die alt-katholische Gemeinde Heidelberg und erzählt damit auch von der ökumenischen Verbundenheit der evangelischen mit der alt-katholischen Gemeinde.


Dass es überhaupt eine Trennmauer in der Heiliggeistkirche gab, hatte mit Machtansprüchen von Kurfürsten und der römisch-katholischen Kirche zu tun. Doch das ist eine andere Geschichte.

 
 

 Predigt an Christi Himmelfahrt 2016 (5. Mai) 

Quelle: Citykirche Heiliggeist

"Tanzen hat seine Zeit - CityGottesdienste zum Mittanzen"

Walzergottesdienst in der Heiliggeistkirche

Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca
 
Liebe Walzer-Gemeinde,

Menschen brauchen Nähe. Sie suchen Verbindung. Sie lieben den Taumel. Sie haben körperlichen Kontakt nötig. Sie sehnen sich nach Halt und einem Menschen, bei dem sie sich fallen lassen können. -
Da schuf Gott den Tanz. Und siehe, es war sehr gut!
 

Der Wiener Walzer ist der älteste und traditionsreichste Paartanz. Er lässt sich schnell erlernen und wirkt graziös und majestätisch. Bei Bällen genauso wie bei Brautpaaren, die glückstrahlend ihre Hochzeitsfestlichkeit einläuten. Hinter dem einfach aussehenden Walzer verbirgt sich eine wechselhafte Geschichte.

 
 

 Predigt am Sonntag Judika 2016 (13. März) 

Quelle: Oliver Seel

 

Pfarrer Oliver Seel - Heiliggeistkirche

Gottesdienst mit Vorstellung von Oliver Seel als Pfarrer im Probedienst in der Altstadtgemeinde

Von Christus lernen - Predigt über Hebräerbrief 5,7
 
 
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt.
Amen
 

Von Christus lernen – Liebe Gemeinde,
das ist es doch, was Christinnen und Christen seit 2000 Jahren versuchen!
Oft aber auch auf eher zweifelhaften Wegen.
Vor 1000 oder vor 100 Jahren z.B., als von Christi Gang ans Kreuz ein soldatischer Heldentod gelernt wurde. Opferbereit in die Schlacht und wenn nötig in den Tod.
Oder vor 40-50 Jahren. Die Jesusfreunde unter den Hippies, die von Christus ein sorgenfreies Leben lernten. So leben, wie die Blumen im Felde und wie die Vögel im Himmel. Von Gott versorgt – ganz ohne Stress und ohne Sorgen.
Und auch der Predigttext heute scheint uns etwas von Christus zu lehren. Da können wir erneut etwas von Christus lernen, und zwar solches, was mit Leiden und Kummer zu tun hat.

Die Passionszeit konfrontiert uns in diesen Wochen mit den dunklen Seiten des Lebens. Die Passion Christi und die traurigen Abschnitte der Evangelien sind jetzt im Fokus. Die Verfolgung und das Sterben Jesu.
Und anders als ein antiker Soldatenheld ging Jesus nicht gerne in den Tod. Und anders als es manche seiner Gleichnisse von sorgenfreien Vögeln erscheinen lassen, war Jesus überhaupt nicht frei von Sorge und Kummer.
Denken wir an den Moment im Garten Gethsemane – so kurz vor Jesu Verhaftung. Da war Jesus kein lebensmüder und todestrotzender Held.
Er hatte Angst vor der Kreuzigung und er flehte zu Gott. Er wollte nicht gerne sterben. Ganz im Gegenteil: Er wollte als sorgenerfüllter Mensch unter Menschen und hier auf Erden weiterleben.

 
 

 Predigt am Sonntag Sexagesimae 2016 (31. Januar) 

Quelle: EOK
Landesbischof Prof. Jochen Cornelius-Bundschuh

Landesbischof Dr. Jochen Cornelius Bundschuh - Heiliggeistkirche

Gottesdienst zur Eröffnung des Themenjahres der Citykirche "Die Eine Welt"
 
Predigt über Jesaja 2, 1-5
 
„Das ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem:
Es wird zu der letzten Zeit der Berg, auf dem das Haus des Herrn ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Nationen werden herzulaufen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: „Kommt, lasst uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, damit er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Pfaden! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.“
Und er wird für Recht sorgen zwischen den Nationen und vielen Völkern Recht sprechen. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“
 
Am Ende, liebe Gemeinde,
 
kommt Gottes Gerechtigkeit zu ihrem Ziel: Von Osten und von Westen, von Süden und von Norden ziehen die Menschen herbei, um Gottes Wort zu hören. Das Recht setzt sich durch und es herrscht Frieden unter den Völkern – und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Die Vision des Propheten nimmt uns hinein in eine doppelte Bewegung: Gottes Gerechtigkeit erfüllt die eine Welt und zieht zugleich die Völker zu sich. Was am Ende für alle sichtbar sein wird, wird heute schon im Glauben Wirklichkeit. Deshalb: „Auf, kommt herbei, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“
 
 

 Predigt am Epiphaniastag 2016 (6. Januar) 

Quelle: By OTFW, Berlin (Self-photographed) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons


Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche

Predigt zu Hermann Stöhr  / Röm 12,9.14.17-21

"Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!"

 


Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an.

Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht.
Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«
Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«
Lasse dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.


Liebe Schwestern und Brüder,

Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!

Stettin, Februar 1939. Ein Marinezahlmeister aus dem 1. Weltkrieg hat die Einberufung zur Reserveübung erhalten. Es sind zwar noch Friedenszeiten, aber die Vorbereitungen auf den 2. Weltkrieg haben begonnen. Der Reserveoffizier sitzt an seinem Schreibtisch und schreibt einen Brief an das Wehrbezirkskommando. Er verweigert darin den Dienst mit der Waffe. Auch den zugehörigen Eid lehnt er ab. Aus Gewissensgründen. Er beruft sich dabei auf die Bergpredigt Jesu, auf das Gebot der Feindesliebe (Mt 5,21-26, 38-48).

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Predigt am 19. Sonntag nach Trinitatis 2015 (11. Oktober)

Quelle: Denise Reuter

Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche

"Let it be" - Pop-Gottesdienst mit Beatlessongs zum Mitsingen


Beatleslieder als Kirchenlieder! - Warum nicht?

 

Die Lieder der Beatles sind oft genug spirituelle Lieder. Sie drehen sich um Liebe, Frieden, Leid oder soziale Fragen. Manche haben auch Anspielungen auf die Bibel. Das allein ist Grund genug, sich mit den Texten einmal im Gottesdienst näher auseinander zu setzen.
Und die Melodien? So manche klagen heute, dass die Kirchenlieder ihnen musikalisch fremd sind. Martin Luther dagegen hat volkstümliche Melodien in den Gottesdienst eingeführt. Dieses Weg möchten wir weitergehen. Die Beatles-Lieder sind bekannt und lassen sich (meist) gut singen. Der Gottesdienst ist ein musikalisches Experiment. Wir möchten ausprobieren, ob Lieder, die gut und gern gesungen werden, nicht ihren Platz im heutigem Gottesdienst finden können.

"Let it be" ist ein Gottesdienst für jene, die gern Beatleslieder singen oder Gottesdienst einmal musikalisch anders erleben möchten. Alle Lieder im Gottesdienst sind von den Beatles und können mitgesungen werden.

Das Motto ist "Let it be", über dieses Beatles-Lied wird auch gepredigt werden.

hier die Predigt als Download

 

ZDF-Fernsehgottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis 2015 (2. August)

Quelle: ZDF-Fernsehgottesdienst
"Am Grund aller Fragen"
Quelle: Altstadtgemeinde/Foto: Dr. Manfred Schneider
 
Gottesdienst zum "Physik-Fenster" von Prof. Johannes Schreiter in der Heiliggeistkirche im Gedenken an den 70. Jahrestag des Abwurfs der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki
 
Quelle: ZDF-Mediathek: Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez und Masako Tsuno
  • der vollständige Gottesdienst (Predigt, Lesungen, Texte, Lieder, Gebete, Mitwirkende) zum Nachlesen:
    Ablauf und Textbuch
Quelle: rundfunk.evangelisch.de
 

Predigt am 6. Sonntag nach Trinitatis 2015 (12. Juli)

Quelle: http://www.replix.de, © Columbia Pictures Industries, Inc.
 
Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche
 
Der biblische Kanon / Joh 1,1

 

"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort."
 
Im Anfang war das göttliche Wort. - Aber welches Wort?
 
Das Jahresthema der Citykirche ist „Bild und Bibel“. In den Sommerferien gibt es eine große Predigtreihe dazu. Im Herbst eine Vaterunser-Ausstellung mit abstrakten Bildern des Heidelberger Künstlers Siegfried Angermüller. Es wird einen Theatergottesdienst und eine Theateraufführung geben. Vieles rund um das Bild.

Doch wie sieht es eigentlich mit der Bibel aus? Stutzig hat mich ein Gespräch mit einem argentinischen Befreiungstheologen vor einigen Tagen gemacht. Er erzählte mir, dass in Argentinien der Romanbestseller „Sakrileg“ für viel Verwirrung sorgt. Auch in Argentinien?, dachte ich erstaunt.
Im Roman „Sakrileg“ von Dan Brown und entsprechend in der Verfilmung „Da Vinci Code“ wird behauptet: Es hätte eine große Vertuschungsaktion gegeben. Kaiser Konstantin hätte in einem Konzil manche Bücher aus der Bibel verbannt. Der Grund sei gewesen, weil sie ketzerische Meinungen vertreten hätten.
 

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Predigt am Sonntag Exaudi 2015 (17. Mai)

Quelle: Kath. Stadtkirche Heidelberg


Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez - Heiliggeistkirche

Bittgottesdienst für die Einheit der Kirche

 
 
Liebe Gemeinde,

während wir hier in der Heiliggeistkirche Gottesdienst feiern, findet auf dem Universitätsplatz der zentrale Gottesdienst der katholischen Gemeinden zur Gründung der Stadtkirche statt. Damit findet die Umstrukturierung der katholischen Gemeinden einen vorläufigen Höhe- und Endpunkt. Heidelberg ist dabei eventuell Vorreiter für andere Städte in Baden oder ganz Deutschland. Nötig waren diese Umstrukturierungen hauptsächlich durch die schmaler werdende Personaldecke, mit der die katholische Kirche deutlich stärker zu kämpfen hat als die evangelische. Aber natürlich spielen auch die kleiner werdenden Gemeinden, die zu großen Kirchen und Gebäude, die geringer werdenden Finanzmittel eine Rolle. Und da sehen wir uns ja evangelischerseits vor die gleichen Herausforderungen gestellt.

Ich bin sehr gespannt, wie diese Stadtkirche funktionieren wird. Ob sie tatsächlich zu einer Entlastung der wenigen Priester führen wird. Und die Gemeinschaft der Katholiken untereinander stärken.

Es kann uns nicht egal sein, wie sich die Zukunft der Katholischen Kirche gestaltet. Nicht nur, weil wir heute den Bittgottesdienst für die Einheit der Kirche feiern. Sondern auch deshalb, weil wir mit den Katholiken in einem Boot sitzen.
 
 

 

Predigt am Sonntag Okuli 2015 (8. März)

Quelle: Vincenzo Petracca
Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca - Heiliggeistkirche
 
Liedpredigt „Warum sollt ich mich denn grämen?“ (EG 370)

Predigttext Joh 10,11: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
 

Warum sollt ich mich denn grämen?
Hab ich doch Christus noch,/ wer will mir den nehmen?
Wer will mir den Himmel rauben,
den mir schon Gottes Sohn/ beigelegt im Glauben?

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Deutschland, fünf Jahre nach Ende des 30jährigen Krieges. Ein Dichter, der das Grauen miterlebt hat, veröffentlicht ein Vertrauenslied. Es ist Paul Gerhardt, einer der bedeutendsten Dichter von Kirchenliedern. Als Theologie-Student in Wittenberg hatte er 1631 den Einzug der schwedischen Truppen nach Deutschland erlebt. Dann folgten grausame Schreckensjahre. Soldaten verwüsteten das Land. Dörfer wurden gebrandschatzt. Eine nie geahnte Hungersnot kam über das Land, weil die Felder nicht mehr bestellt werden konnten. Der schwarze Tod, die Pest, grassierte. Um Ostern 1637 waren die Schweden vor seiner Heimatstadt erschienen. Sie forderten die ungeheuere Summe von 3000 Gulden als Lösegeld. Andernfalls sollte die Stadt niedergebrannt werden. Die verzweifelten Bürger gingen auf die Forderung ein und brachten unter gewaltigen Opfern die Summe auf. Aber die Schweden dachten nicht daran, ihre Zusage zu halten. Kaum hatten sie das Lösegeld, brannten sie die Stadt vollkommen nieder. Auch die Kirche wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Paul Gerhardt verlor dabei seinen gesamten ererbten Besitz: das Elternhaus, die Landwirtschaft und das Gasthaus. Im November starb dann sein Bruder an Pest. Diese Erfahrungen wirkten prägend auf den Lieddichter.
Unter den Eindrücken der Kriegsereignisse und ihrer Folgen verfasste er später das Lied „Warum sollt ich mich denn grämen?“

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Predigt am Letzten Sonntag nach Epiphanias 2015 (25. Januar)

Quelle: ekihd
Predigt von Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca im Gottesdienst in der Heiliggeistkirche
anlässlich seiner Einführung auf die Pfarrstelle II der Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz
mit Scherpunkt Citykirchenarbeit

Predigt über Mk 4,26-29

 

Jesus sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Liebe Schwestern und Brüder,

was für eine seltsame Geschichte! Jesus erzählt, das Reich Gottes ist wie ein Bauer, der nach der Aussaat anscheinend lange dem Müßiggang frönt. Wir hörten das Gleichnis vorhin als Lesung bei der Einführung.

Ist das eine Anleitung für den neuen Pfarrer zum Faulenzen?
Oder: Wird uns mit dem Gleichnis kirchlicher Winterschlaf verordnet? Die sozialen Bedingungen in der Stadt haben sich geändert. Mit radikalen Auswirkungen für die Stadtgemeinden. Und mit „Stadt“ meine ich nicht nur die Altstadt, sondern genauso den Boxberg oder andere Stadtteile. Es ist deutlich schwieriger als früher, Kirche in der Stadt zu sein. Wie selbstverständlich sich einstmals das Gemeinwesen um die kirchliche Mitte gruppierte, kann man allein an der Größe von Heiliggeist am Marktplatz ablesen. Diese Selbstverständlichkeit gibt es aber längst nicht mehr in der Stadtgesellschaft. Wie damit umgehen? Man kann sich rückwärts gewandt in das eigene kirchlich Schneckenhaus zurückziehen. Bei manchen gepaart mit dem Jammern nach der guten alten Zeit. Oder man kann sich auf knapp 2000 Jahre Christentum ausruhen. Und in den Winterschlaf verfallen, um aufzuwachen, wenn in Europa wieder ein Frühling des Glaubens anbrechen sollte. Ist das Gleichnis im Sinne von kirchlicher Erstarrung, Stillstand oder Faulenzertum gemeint?

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Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachen 2014/2015 (4. Januar)

Quelle: Jean-François Millet: Flucht nach Ägypten

 

Predigt von Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca
in der Heiliggeistkirche

Predigt über Mt 2,13-15

Bild: Flucht nach Ägypten, Jean-François Millet

Mt 2,13-15: Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.
Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

Liebe Schwestern und Brüder!

„Natürlich, kommen Sie herein, nur herein!“ - Eine mutige, in jener Situation gefährliche Einladung.
Es war in einem südfranzösischen Bergdorf, im Winter 1940. Der eisige Wind wirbelte den Schnee durch die Straßen. Es klopfte. Magda Trocmé öffnete die Tür des Pfarrhauses. Sie sah eine Gestalt, die mehr einem Schneemann mit großen, schwarzen Augen als einer Frau glich. Das ausgemergelte Gesicht zitterte vor Kälte oder Angst. Die Fremde war eine deutsche Jüdin, die vor den Nazis auf der Flucht war.
„Ich bin in großer Gefahr. Darf ich hereinkommen?“, fragte die Fremde unsicher.
Magda antwortete: „Natürlich, kommen Sie herein, nur herein!“

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Predigt am 14. Sonntag nach Trinitatis 2014 (21. September)

Quelle: Vincenzo Petracca
 
Predigt von Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca

anlässlich seiner Vorstellung für die Pfarrstelle II der Altstadtgemeinde

Predigt über 1 Thess 5,13b-24

 

13b Haltet Frieden untereinander!
14 Wir ermahnen euch, Geschwister: Weist die zurecht, die ein unordentliches Leben führen, ermutigt die Ängstlichen, nehmt euch der Schwachen an, seid geduldig mit allen!
15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun.
16 Freut euch zu jeder Zeit!
17 Betet ohne Unterlass!
18 Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört.
19 Löscht den Geist nicht aus!
20 Verachtet prophetisches Reden nicht!
21 Prüft alles, und behaltet das Gute!
22 Meidet das Böse in jeder Gestalt!
23 Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt.
24 Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun. Amen.

 

Löscht den Geist nicht aus!
Was für ein Satz – an einem Ort, an dem seit 800 Jahren eine dem Heiligen Geist gewidmete Kirche steht!

Löscht den Geist nicht aus!
Ich habe mich gefragt, was könnte die Heiliggeistkirche zu diesem Satz des Apostel Paulus erzählen? Welches Licht wirft dieser Kirchenraum auf den heutigen Predigttext?

Lassen Sie uns mit dem Predigttext auf Entdeckungsreise in dieser Kirche gehen….

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Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis 2014 (10. August)

Quelle: Altstadtgemeinde

"Lebt als Kinder des Lichts!" -

Predigt von Schuldekanin Dr. Beate Großklaus

mit anschließender Eröffnung des Ausstellung zum
Westfenster in der Heiliggeistkirche:

Das Offenbarungsfenster von H.G. von Stockhausen

 

Liebe Gemeinde,

Lebt als Kinder des Lichts! -
Mit Lichtliedern haben wir bisher diesen Raum gefüllt.

Jetzt kommt die Farbe dazu! -
Die Kirchenfenster erzählen eine ganz eigene Geschichte mit ihren Farben und Formen. Wenn Sie hier schon öfters waren, haben Sie vielleicht hier in der Kirche ein Lieblingsfenster. Eins, das Sie besonders gut verstehen – und vielleicht auch eins, mit dem Sie so gar nichts anfangen können. Möglicherweise ist eins von den vielen Fenstern Ihnen bis heute noch nicht aufgefallen.

Ich habe sehr lange gebraucht, um das Fenster im Westen zu entdecken. Hab mir meine eigene Geschichte und Wahrnehmung dazu gereimt. Wer hat dieses Fenster gemacht? - Und was wollte er damit erzählen?

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Tischabendmahl am Gründonnerstag 2014 (17. April)

Quelle: Altstadtgemeinde

 

Tischabendmahlsfeier in der Providenzkirche:

"An einem Tisch mit Jesus Christus"

Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez

 

Als ganz unterschiedliche Menschen sind wir hier am Abend des Gründonnerstages in unserer Kirche zusammengekommen:
Die einen noch abgehetzt von einem anstrengenden Arbeitstag.
Andere, denen der Tag viel zu langsam verging, weil er ohne Höhepunkte blieb.
Manche, die selber glücklich sind und doch in der Karwoche das Leid der Welt an sich herankommen lassen möchten.
Andere, die selber unter den Lasten ihres Kreuzes stöhnen.

Versammelt sind wir an diesem Tisch. Wie einst die Jüngerinnen und Jünger Jesu mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten. Keine Heilige, sondern Menschen mit ihren Gebrochenheiten und ihrem Versagen, mit ihrer Hoffnung und ihrer Sehnsucht.

Miteinander sitzen wir an einem Tisch, nicht weil wir uns dazu verabredet haben, sondern weil wir von ihm dazu eingeladen sind. So wie Jesus sich immer wieder zu Menschen an den Tisch gesetzt hat, weil er ihnen nahe sein wollte. Von einigen von ihnen werden wir im Laufe des Gottesdienstes hören.

Als Eingeladene, als Willkommene wollen wir miteinander den letzten Abend Jesu bedenken und als Gäste an seinem Tisch seine Gaben teilen, Brot und Wein. Ich wünsche uns dazu die Bereitschaft, mit leeren Händen vor ihn zu treten, um sie sich von ihm füllen zu lassen.

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Predigt am Palmsonntag 2014 (13. April)

Predigt von Pfarrer Matthias Schärr über Hebräer 12, 1-3

Liebe Gemeinde,

am Palmsonntag gedenkt man der Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Wir haben es in der Lesung am Altar gehört. Es ist die erste Station des letzten Weges Jesu, den wir in der kommenden Karwoche bedenken. Jesus lässt die Händler im Tempel seinen Unmut spüren, - die Salbung in Bethanien – das letztes Abendmahl – die Gefangennahme in Gethsemane– das Verhör vor Kaiphas – das Verhör vor Pilatus – Kreuzigung – Kreuzabnahme und Grablegung sind die weiteren Stationen.
Gerade die letzten Stationen sind Teil der sog. Kreuzwegstationen, die es in vielen Gegenden gibt. Auch bei uns sind sie an Wegrändern oder in Kirchen zu finden.

Auch musikalisch gedenken wir in diesen Tagen des Leidensweges Christi, wie in den Passionen von Bach. Mit Kreuzwegstationen und musikalischen Werken vergegenwärtig und verinnerlichen wir uns diesen Weg. Seit alters her ist diese Geschichte Kernpunkt christlicher Theologie und Glaubens.
Sie ist auch Teil des Glaubensbekenntnisses, das wir eben gemeinsam gesprochen haben:
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am 3. Tage auferstanden von den Toten

Besonders der letzte Satz ist wichtig. Von der ganzen Geschichte wüssten wir nichts, wäre nicht mit der Auferstehung am 3. Tag, die wir dann kommenden Ostersonntag feiern, der Geschichte eine neue unerwartete und hoffnungsvolle Wendung gegeben worden.

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Predigt am Sonntag Reminiscere 2014 (16. März)

Predigt von Oliver Tag zu seiner Einführung als Prädikant im Kirchenbezirk Heidelberg

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Hebräerbrief, Kapitel 11, die Verse 8 bis 10.

8 Durch den Glauben wurde "Abraham" gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.
9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.
10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.

Lebendiger Gott, segne unser Reden und unser Hören. Amen.

Liebe Gemeinde!

1) Verhör in Karlsruhe

Schon eine halbe Ewigkeit dauerte das Verhör. Er saß im Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei in Karlsruhe. Sein Gegenüber hatte ihn viele Stunden lang mit Fragen gequält.

Sein Gefühl sagte ihm, das Netz um ihn zog sich zu.
Was hatte er getan? Er pflegte schon seit vielen Jahren die Freundschaft mit der jüdischen Gemeinde in Heidelberg. Er besuchte sie zur Pessachfeier und an anderen jüdischen Feiertagen in der Synagoge. An christlichen Festtagen, zu Weihnachten, zu Ostern, hatte er Vertreter der jüdischen Gemeinde zu den Gottesdiensten in die Heiliggeistkirche eingeladen.
Im November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten angezündet, die jüdische Gemeinde war heimatlos geworden, Juden wurden immer offener schikaniert und verfolgt. Nun half er seinen Freunden verstärkt, beriet sie und unterstützte sie auch finanziell. Mit Geschick und Vorsicht verhalf er vielen, vermutlich Hunderten von Juden, zur Ausreise. Das alles stand unter Strafe. Es konnte Verhaftung, Konzentrationslager und Tod für ihn bedeuten.

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Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten 2013/14 (5. Januar)

Predigt von Prädikant i.A. Oliver Tag in der "Abendkirche in Providenz"

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
 

Unser Text für die heutige Predigt steht im Buch Prediger im 31. Kapitel, die Verse 1 bis 8. Ich lese aus einer Übersetzung von Jörg Zink:

Es hat alles seine Zeit
Und alles Tun unter dem Himmel hat seine Stunde.
Geborenwerden hat seine Zeit
Sterben hat seine Zeit,
Pflanzen hat seine Zeit
Und Ausreißen hat seine Zeit,
Töten und Heilen,
Einreißen und Bauen.
Weinen hat seine Zeit
Und Lachen hat seine Zeit,
Klagen und Tanzen,
Steine wegwerfen und Steine sammeln,

Umarmen und Getrenntsein,
Suchen und Verlieren,
Behalten und Wegwerfen,
Zerreißen und Nähen.
Schweigen hat seine Zeit
Und Reden hat seine Zeit,
Lieben und Hassen,
Streit und Frieden.

Liebe Gemeinde,

es gibt Texte in der Bibel, die uns über die Jahre unseres Lebens zu ganz besonderen Schätzen werden. Für viele von uns gehört der Psalm 23 dazu „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“. Bestimmt auch die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 20 „Es begab sich aber zu der Zeit“. Noch keine zwei Wochen ist es her, dass wir sie im Gottesdienst an Heiligabend hörten. Inzwischen ist das Neue Jahr angebrochen, und im heutigen Gottesdienst begegnet uns ein weiterer Schatz der Bibel, der mir besonders kostbar ist: Das alttestamentliche Gedicht Alles hat seine Zeit. Freilich liegt das nicht nur an der schlichten Schönheit seiner Verse. Sondern auch an der Eindringlichkeit, mit der hier vom Wesentlichen des Lebens gesprochen wird.

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Predigt am 23. Sonntag nach Trinitatis 2013 (3. November)

Was verleiht dem Wort Gewicht? - Predigt zu Mt 5, 33-37

Examenspredigt von Lehrvikarin Bettina Kommoss

Gnade sei mit euch und Friede von dem der da ist, und der da war und der da kommt.

Liebe Gemeinde,

„Am Anfang war das Wort“, sagt Johannes.
Das Wort ward Mensch „und sie legten es in eine Krippe“, sagt Lukas.
Die Seinen nahmen das Wort nicht auf, sagt Johannes.
Das Wort ist wie ein neugeborenes Kind, sagt Lukas.
Es braucht Wärme. Dafür wird es in Windeln „ein-gewickelt“. Dann kann es sich „entwickeln“. Und das Wort wurde 12 Jahre alt und hörte den Worten der Gelehrten zu. Es machte sich die Lehren der Alten zu eigen. Es hörte von heiligen Texten der Hebräer aus der Tora. Die Tora ist das Buch, in dem Geschichten, Gesichte und Gedichte versammelt sind, die vom Leben mit Gott, in Gott und gegen Gott erzählen. So lebte der erwachsene Rabbi sich ein in die Tora, er lebte mit der Tora. Und die, die ihm glaubten, wagten den Satz: Dieser da, der Mann aus Nazareth, der lebt nicht nur in und mit der Tora - er i s t die Tora. Er gibt nicht nur Anweisung, er i s t die Weisung. Denn Tora heißt „Wegweisung“.

Alle diese wundersamen Geschichten kreisen um den größten Schatz Gottes und des Menschen: Das Wort. Die biblischen Worte für heute stehen im Evangelium nach Matthäus im 5. Kapitel in der Bergpredigt:

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Predigt am Sonntag Judika 2013 (17. März)

„Warum musste Christus leiden? - Zur 37. Frage des Heidelberger Katechismus“

Predigt von Landesbischof Dr. Ulrich Fischer zum 450-jährigen Katechismus-Jubiläum

 

Was verstehst du unter dem Wort »gelitten«?

Jesus Christus hat an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, besonders aber an dessen Ende, den Zorn Gottes über die Sünde des ganzen Menschen-geschlechts getragen. Mit seinem Leiden als dem einmaligen Sühnopfer hat er unseren Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöst und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erworben.

Liebe Gemeinde,

im Jubiläumsjahr des Heidelberger Katechismus haben Sie Menschen eingeladen, sich in Predigten mit dem Heidelberger Katechismus zu befassen. Für den heutigen Sonntag war der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland als Prediger vorgesehen. Da er aber ausgerechnet heute in Berlin die EKD beim Jubiläum „40 Jahre Kirchengemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa“ vertreten muss, bin ich für ihn eingesprungen.

Gerade rechtzeitig zur Vorbereitung auf meine Predigt erhielt ich vor wenigen Tagen das kleine Büchlein „Heidelberger Glauben - 450 Jahre nach Erscheinen des Heidelberger Katechismus“. Es ist ein lesenswertes Buch - entstanden aufgrund einer Fragebogenaktion, bei der gefragt wurde: „Was glauben eigentlich die Heidelberger?“

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Predigt am Sonntag Laetare 2013 (10. März)

„Von des Menschen Elend - Von des Menschen Erlösung - Von der Dankbarkeit“

Predigt von Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug zum 450-jährigen Katechismus-Jubiläum im Gottesdienst in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Theater - "Dance Company Nanine Linning"

Liebe Gemeinde,

der Heidelberger Katechismus, der weltweit in vielen Kirchen Orientierung für Glaubensfragen gibt, feiert in diesem Jahr sein 450-jähriges Jubiläum.
In Zusammenarbeit zwischen Politik und Kirche sind im Jahr 1563 in Heidelberg 129 Fragen und Antworten zu Glaubensfragen entstanden.

Immer wieder haben sich Menschen in den 2000 Jahren der Geschichte des Christentums Gedanken gemacht über biblische Texte und deren Inhalte. Leichte Kost ist keine Religion, auch das Christentum nicht. Der nahe und doch immer wieder ferne Gott ist eine Provokation, eine Herausforderung an Intellekt und Herz:

Wo ist Gott, wenn wir ihn brauchen, warum lässt er Schreckliches zu, bei Menschen und in der Natur? – Wie kann man sich die Auferstehung vorstellen? – Wie kann jemand gleichzeitig Mensch und Gott sein? – Was bedeutet die Himmelfahrt, wo und was ist der Himmel eigentlich? – Sind religiöse Menschen bessere Menschen? – Sind die Texte der Bibel Wort für Wort Gottes Wort oder bedürfen sie der Auslegung und jeweiligen Übertragung in die Zeit?

Alles Fragen, die uns nicht nur heute bewegen, sondern die seit Jahrtausenden Gesprächs- und Konfliktstoff geben. Es ist das große Verdienst der Katechismen, seien es die von Martin Luther oder die des Heidelberger Katechismus, dass sie versucht haben, einige Fragen zu beantworten.

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Predigt am Sonntag Okuli 2013 (3. März)

Quelle: ZDF-Fernsehgottesdienst
„Ganz bei Trost" - zur ersten Frage des Heidelberger Katechismus

Predigt - mit Zwischenrufen - im ZDF-Fernsehgottesdienst aus der Heiliggeistkirche im Rahmen des 450-jährigen Katechismus-Jubiläums

 

Quelle: Michael Landgraf
Also, bitte entschuldigt! Kaum ist man mal 450 Jahre weg …

Gestatten: Zacharias Ursinus, einst Pfarrer hier in Heidelberg!

Was hat sich die Zeit doch verändert! Eine Pfarrerin oder ihr Konfirmandinnen und Konfirmanden hier vorne? Damals undenkbar! Und überhaupt! Was macht denn das Kruzefix und das Gestrüpp auf dem Tisch des Herrn? Allein die BIBEL sollte hier liegen, und sonst nichts! Und singen – das konnten wir auch ohne Orgel! Ihr Konfirmanden hättet sicher nicht vom Schönsein und Trinken geredet, sondern wie jeder hierzulande, alle 129 Fragen und Antworten aus meinem Heidelberger Katechismus auswendig gelernt!

Kurfürst Friedrichs III. hatte mich beauftragt, ihn zu verfassen, damit die Leute in Fragen des Glaubens Orientierung haben. Am Anfang steht die wichtigste Frage der Menschen meiner Zeit:
„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“
Ihr müsst wissen – Leid und Tod war unsere täglichen Begleiter. Und die Antwort?
„Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus eigen bin…“

Mein Katechismus sollte aber auch Glaubensstreit beenden. „Was ist das Abendmahl und wer darf dazu kommen?“ Wegen solcher Fragen hatten sich Leute geprügelt, auch hier in der Heiliggeistkirche! So leidenschaftlich hat man damals geglaubt!

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Predigt am Sonntag Reminiscere 2013 (24. Februar)

„Über Missverständnisse, die Welten trennen“

Predigt von Schauspieler, Sänger und Dipl.-Theol. Julian Sengelmann zum 450-jährigen Katechismus-Jubiläum

Joh 8,21-30

Liebe Gemeinde,

neulich hab ich einen sehr lustigen Film gesehen, der auf den interessanten Titel „Spanglish“ hört. „Spanglish“ ist ein Kunstwort, das sich aus Spanisch und Englisch zusammensetzt und der Film ist schön und lustig und ergreifend und vor allem... wahnsinnig verwirrend. Ich versuch Ihnen kurz zu beschreiben, worum es geht. Die Geschichte erzählt von zwei Familien, die nicht unterschiedlicher sein könnten: auf der einen Seite die Familie Clasky, bestehend aus einem sanftmütigen, hoch erfolgreichen und wohlhabenden Sternekoch, dessen größte Angst ist, dass die New York Times ihn zum besten Koch des Landes ausruft und er so keine Zeit mehr für seine Familie hat. Ein nobler Mann. Zu seiner Familie gehören auch seine Frau Deborah: eine völlig neurotische, sportbesessene und dem Geld sehr zugetane Person, die versucht es allen und sich selbst Recht zu machen und damit eine unerträgliche Nervensäge ist. Deborahs Mutter, also die Oma der Familie, eine ehemals bekannte Sängerin, die vergangenem Ruhm nachtrauert und definitiv viel zu viel trinkt und zu guter Letzt zwei liebenswerte, leider in der Schule furchtbar unbeliebte Kinder. Schon diese Konstellation ist ziemlich verwirrend!

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Predigt am Reformationstag (31. Oktober) 2012

Reformation 1517 – Reformation 2012

Predigt von Superintendent Hans Hentschel

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Liebe Gemeinde,

Angst!
Das scheint mir ein wichtiges reformatorisches Stichwort zu sein obwohl an Tagen wie diesem der Mut protestantisch gefeiert wird. Der Mut zum Leben und zum Sterben. Der Mut zum Sein.
Angst ist ein Thema unserer Zeit und nicht nur - aber auch - vor dem Hintergrund des Reformationstages gesehen, ist sie zum Überwinden da. Das Menschenbild der Reformation ist das der couragiert für den Glauben und für die Welt eintretenden Frauen und Männer. Reformation steht für ein mutiges Weltbild.
Dabei ist weder Glaubens- noch Zivilcourage eine Frage der Konfession. Aber die Zeiten, zu denen das Reformationsfest ‚die feste Burg‘ des konfessionell unterscheidenden Glaubens besang, sind ohnehin Vergangenheit – hoffe ich jedenfalls!

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Predigt am 9. So nach Trinitatis 2012 (5. August)

Anfänge haben es in sich. Oder rückwärts in die Zukunft.

Predigt von Lehrvikarin Bettina Kommoss

Anfang!
Die Rucksäcke sind gepackt, der Proviant griffbereit verstaut, die Fahrkarten in der Tasche. Die Reise geht los. Die Stimmung ist gut. Ob Süden oder Norden, ob ans Meer oder in die Berge, Reisen ist schön. Aufbruch zu neuen Orten. In andere Sprachen. In die Fremde, die lockt.

Anfang?
... das wenige, das noch blieb - am Leib. Nur weg hier. Die Dunkelheit verbirgt ihn vor den Grenzern, die überall lauern können. Dann das Boot, das einen herausbringt, heraus aus der Heimat, die im Bürgerkrieg versinkt. Die Grenze erreicht er noch vor Morgengrauen. Heraus aus dem Elend, das schon Freunde das Leben kostete. Fürs Erste geschafft. Nur raus aus dem Land. Vielleicht, ist hier eine Arbeit zu finden, Zukunft, Hoffnung.

Anfang
Einen Anfang wagen, sagt sie, das schaffe sie nicht. Auf keinen Fall rede ich mit ihm, sagt meine Freundin. Sie und ihr Kollege raufen sich nur mit Mühe zusammen. Wäre es nicht besser, wenn du? Nein! Solltest du nicht vielleicht? Niemals. Ein vermasseltes Projekt im Job. Beide reden nur noch um den heißen Brei.

Anfänge. Gewollt und ungewollt. Anfänge, ersehnt und befürchtet.

Jeremia war jung, als er berufen wurde: „Und des HERRN Wort geschah zu mir.“

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Predigt am Karfreitag 2012

Predigt von Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug

Liebe Gemeinde,

mein ältester Sohn Martin ist ein junger Mann mit Down-Syndrom. Er geht sehr gern zur Kirche, er liebt die Musik und die festliche Atmosphäre der Gottesdienste, und ganz besonders andächtig ist er beim Abendmahl, das ihn ganz besonders berührt. Aber an Karfreitag streikt er. „Mama, das kann ich nicht, das ist mir zu traurig“. Jesus am Kreuz, das nimmt ihn richtig körperlich mit. Er kann es nicht verstehen, dass dieser Jesus, der doch ein guter Mann war, der der Sohn Gottes ist, so schmerzvoll am Kreuz hängen muss. Nein, Karfreitag ist für ihn kein Gottesdiensttag.

Sicher, Martin hat ein schlichtes Gemüt, und doch denke ich, dass er etwas spürt, was viele Menschen bewegt, spirituell und intellektuell.

Früher war in der evangelischen Kirche Karfreitag der höchste Feiertag. Ostern und Weihnachten nicht.

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Predigt im Morgengottesdienst am 21.03.2012 (Bachs Geburtstag)

Predigt von Pfarrer Dr. Martin-Christian Mautner

Hochgeehrter Herr Hofkompositeur,
geschätzter Herr Kantor und Director musices,
lieber Johann Sebastian,

zu Deinem heutigen 327. Geburtstag gratulieren wir Dir auf das Herzlichste und wünschen Dir alles erdenklich Gute und Gottes reichen Segen.

Es ist uns eine große Ehre Dir anlässlich Deines Wiegenfestes die Aufwartung machen zu dürfen – und damit wohl unter den ersten zu sein in Anbetracht der frühen Stunde.

Viele haben sich aufgemacht, um Deiner in einem Gottesdienst zu gedenken – aber eben nicht eigentlich Deiner, sondern Gottes, der uns geschaffen, erlöst und bis hierher geleitet hat.

Ich bin sicher: Das ist ganz in Deinem Sinne!

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Predigt am Sonntag Okuli 2012 (11. März)

Predigt von Pfarrerin Dr. Heike Springhart

Liebe Gemeinde,

11. März 2011, 23.09 Uhr: Hiroko, eine japanische Theologiestudentin, die bei uns im Theologischen Studienhaus wohnt, schreibt auf ihrer facebook-Pinnwand: Ich bin zufälligerweise nach Japan zurückgeflogen und habe das Erdbeben miterlebt. Glücklicherweise geht es mir und meiner Familie gut. Möge der liebe Gott gnädig sein und uns schützen.

Erst war es nur eine kurze Eilmeldung im Internet: Erdbeben in Japan! Kurz darauf sahen wir fassungslos die Bilder – in Sekundenschnelle um den Erdball gesendet.
Erst bebte die Erde und ließ Häuser wie Kartenhäuschen zusammenfallen.
Dann kam die Flutwelle, der Tsunami. Wassermassen, die in wenigen Minuten alles wegreißen, was Menschen über Jahre aufgebaut haben.
Wo Häuser bis an jenem Freitag vor einem Jahr Menschen ein Zuhause boten, ist jetzt öde Wüste. Öd und leer. Zerstört von der Wucht des Tsunamis. Ausradiert. Weggespült. Schon das: kaum zu fassen.
Und direkt nach der Flut auch das: Warten auf den GAU. Die Angst vor der Kernschmelze und Reaktorkatastrophen in den Atomkraftwerken ging um. Zur sichtbaren Zerstörung kam die unsichtbare Gefahr der Radioaktivität. 400fach erhöht.
Heute wissen wir: der GAU hatte sich sofort ereignet, die Atombehörden hatten es verschwiegen.
Fast 20 000 Menschen haben durch die Katastrophe, die sich heute vor einem Jahr ereignete, ihr Leben verloren, mehr als 3000 gelten als vermisst – eine unvorstellbare Zahl an Opfern.

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Predigt am Sonntag Invokavit 2012 (26. Februar)

Predigt von Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez

Liebe Gemeinde,

„Hunger auf Verzicht – Fasten liegt wieder voll im Trend – Statt Fleisch liegt jetzt Fisch auf dem Teller“. Das war der Titel des Konstanzer Südkuriers am Aschermittwoch. „Wow“, habe ich gedacht, „das zeugt doch von einem schier unglaublichen Willen zum Verzicht.“ Dazu das Bild des völlig überfischten Speisefisches Scholle. So hatte doch der Aschermittwoch gleich seine amüsante Seite und ich nicht mehr ganz so ein schlechtes Gewissen, weil ich mir bis dato noch nicht wirklich ernsthafte Gedanken gemacht hatte, worauf ich eigentlich in dieser Fastenzeit verzichten möchte. Denn Fisch statt Fleisch, das ist für mich als Vegetarierin nicht wirklich die Herausforderung, nach der ich suche.

Sieben Wochen ohne Facebook! – das ist für den Einen und die Andere eine echte Herausforderung, die sie annehmen möchten. Weil sie spüren, dass da irgendetwas in Schieflage geraten ist. Und weil das ständige Kommunizieren im Netz eben auch seine zeitfressenden und bewegungsfeindlichen Seiten hat.

"Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz" – das ist das offizielle Motto in diesem Jahr der EKD-Aktion „Sieben Wochen ohne“. Und ich fürchte, ich werde mindestens diese Sieben Wochen brauchen, um dahinter zu kommen, was falscher Ehrgeiz eigentlich ist. Wo ist mein tatsächlicher Ehrgeiz gefragt, meine ganze Leidenschaft und all mein Engagement? Und wo überschreite ich Grenzen, die mir selber zuliebe und der Sache wegen besser gewahrt blieben?
Das ist ja in der Tat immer wieder nicht so ganz einfach zu beurteilen.

Aber ist das tatsächlich eine Frage für die Fastenzeit?

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Predigt am Ostersonntag 2011

Predigt von Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez

Aus Matthäus 28:
1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.
4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.
5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat;
7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.
9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder.
10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht genau, wie viele Osterpredigten ich schon gehalten habe. 16 oder 17 sind es auf jeden Fall. Keinen Überblick darüber habe ich, wie oft ich schon die Ostergeschichte gelesen oder in der Schule erzählt habe.

Eines aber weiß ich ziemlich gewiss: ich habe einem Satz in der Ostererzählung, wie sie uns Matthäus überliefert, noch nie besondere Beachtung geschenkt. Das aber hat sich in diesem Jahr gewaltig geändert. Es ist der zweite Satz im 28. Kapitel: „Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben.“

Wie kann man einen solchen Satz einfach so ignorieren, frage ich mich heute staunend?

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Predigt am Sonntag Reminiszere 2011 (20. März)

Predigt von Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez

Predigttext (Matthäus 12,38-42):
Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordet ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.
Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. DIe Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören: Und siehe, hier ist mehr als Salomo.

Liebe Gemeinde,

kürzlich hat eine Gottesdienstbesucherin geschrieben, dass sie es schön findet, wenn eine Predigt einen aktuellen Bezug zu unserer Lebenswirklichkeit herstellt.
Als ich am Anfang dieser Woche den Predigttext für den heutigen Sonntag gelesen habe, den wir gerade als Lesung gehört haben, da hat mich die Aktualität dieses Textes fast aus den Socken gehauen: „Wir möchten gerne ein Zeichen sehen!“

Na, habe ich mir gedacht, jetzt haben wir es aber, unser Zeichen!

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