Die Gremien der Bezirksgemeinde

Der Name Ältestenkreis für das Leitungsgremium einer evangelischen Gemeinde sorgt manchmal für falsche Vorstellungen über das Alter seiner Mitglieder. Das Mindestalter für die Wahl in den Ältestenkreis beträgt 18 Jahre, außerdem vorausgesetzt ist die Taufe, nicht aber die Konfirmation. Rätselhafter als solche Formalien sind aber wohl die Aufgaben dieses Leitungsgremiums und warum seine Befugnisse in Großstadt- und ländlichen Gemeinden so unterschiedlich sind. Das soll an dieser Stelle kurz erläutert werden.

In den Pfarrgemeinden findet vor Ort kirchliches Leben in Gottesdienst und Sakrament, Unterricht, Seelsorge und Diakonie statt. So formuliert es die Grundordnung, also die Verfassung unserer Landeskirche. Ursprünglich war eine Pfarrgemeinde mit einer Pfarrstelle gleichzusetzen, mittlerweile gibt es aber auch sog. Gruppenpfarrämter: diese haben (wie in Rohrbach) mehrere Pfarrstellen, aber einen Ältestenkreis, der die Pfarrgemeinde leitet. Die Leitungsaufgabe, die das Gemeindeleben am stärksten betrifft, allerdings nur selten auszuüben ist, ist die Mitwirkung des Ältestenkreises bei der Pfarrstellenbesetzung. Daneben hat er über die Zahl und Art der Gottesdienste zu entscheiden und in Fragen der kirchlichen Lebensordnung, wie etwa über die Zulassung zur Konfirmation. Älteste wirken auch, z.B. bei der Evangeliumslesung, in den Gottesdiensten mit, diese Aufgabe ist aber natürlich nicht ihnen vorbehalten.

All das sind Funktionen, die innerhalb der Gemeinde wahrgenommen werden, und es stellt sich die Frage, ob der Ältestenkreis auch über Verträge mit anderen Personen und Organisationen entscheidet und z.B. Arbeits- oder Mietverträge abschließt. Die Antwort lautet ja, wenn die Pfarrgemeinde rechtlich selbstständig ist. Im Falle der rechtlich unselbstständigen Melanchthongemeinde Rohrbach etwa lautet die Antwort nein.

In den ländlichen Gegenden unserer Landeskirche sind Pfarrgemeinden meist rechtlich selbstständig, und der Ältestenkreis fungiert zugleich als Kirchengemeinderat, so heißt das Gremium, das die Gemeinde im Rechtsverkehr vertritt, also z.B. Verträge abschließt. Der Kirchengemeinderat beschließt zudem den Haushalt und hat demnach sicherzustellen, dass das Gehalt, das sich aus einem abgeschlossenen Arbeitsvertrag ergibt, auch gezahlt werden kann.

Daneben gibt es die Situation, dass mehrere ländliche Pfarrgemeinden zu einer Kirchengemeinde zusammengeschlossen sind und nur gemeinsam rechtlich selbstständig agieren. In diesen Fällen wird der Kirchengemeinderat aus Abgeordneten aller beteiligten Ältestenkreise gebildet.

Solche Zusammenschlüsse bestehen auch in den badischen Großstädten. Dort gibt es jeweils nur eine Kirchengemeinde, aber etliche (in Heidelberg derzeit 17) Pfarrgemeinden. Als Kirchengemeinderat fungierte bis 2013 die sog. Stadtsynode, in die ebenfalls alle Ältestenkreise Abgeordnete entsendet haben. Mit ihren 60 Mitgliedern und nur vier bis fünf jährlichen Sitzungen war die Heidelberger Stadtsynode für das Tagesgeschäft der Vertretung im Rechtsverkehr jedoch stark auf ihre häufiger tagenden Ausschüsse angewiesen, die damit zur eigentlichen Schaltzentrale der Kirchengemeinde wurden.

Diese faktische Aufgabenverschiebung erfuhr im Herbst 2012 Legitimation durch die Landessynode: Gleichzeitig mit der viel beachteten Amtszeitbegrenzung des Landesbischofs hat sie beschlossen, in den badischen Großstädten das Tagesgeschäft einer Kirchengemeinde ab 2014 dem Stadtkirchenrat zu übertragen. Das ist ein Gremium, das von der Stadtsynode gewählt wird, für das aber eine Begrenzung auf zwölf gewählte Mitglieder festgeschrieben wurde. Der Arbeitsfähigkeit des Gremiums sollte der Vorrang gegeben werden vor der Beteiligung aller Ältestenkreise. Es ist daher künftig nicht mehr sichergestellt, dass aus jeder Pfarrgemeinde ein Ältester oder eine Älteste am Tagesgeschäft der Kirchengemeinde mitwirken kann.