"Auf´s Maul geschaut" - Ein virtueller Rundgang

Quelle: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg
(1) Alles hat seine Zeit

Das Zerteilen und Verfeinern von Zeit ist dem Begriff selbst eingeschrieben. Der indogermanische Wortstamm bedeutet auch "etwas zerteilen" und "zerreißen". Von einem Zettelblock können Sie sich Textfragmente der Autorin Ellen Wesemüller zum Thema "Zeit" abreißen und mitnehmen.

(3) Der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen

Martin Luther definierte Arbeit nicht mehr als Plackerei, sondern als gottgewollten Lebenszweck. Lesen Sie die Wortverbindungen, die "arbeit" enthalten und Bedeutungsvielfalt und -wandel des Begriffs vermitteln. Zugleich können Sie das berühmte Gleichnis Jesu von den Arbeitern im Weinberg anhören.

Quelle: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg
(5) Zu Staub werden

Wir sind aus viereinhalbMilliarden Jahre altem Sternenstaub gemacht und werden wieder zu Staub. Staub kann man auch hören. Hören Sie den Sprechtext auf einer Schallplatte, in dem Spoken-Word-Artist Timo Brunke den "Staub" klangvoll durch Sprache, Literatur, Kultur treibt.

Quelle: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg
(7) In deiner Hand

Der Mensch begreift die Welt und hat sie sprachlich in seiner Hand. Die Weltaneignung erfolgt heute auch über Tipp- und Wischbewegungen. In Zusamenarbeit mit dem Dichter Stephan Krass entstand ein "Handorakel", das Sie sich durch Wischen über die Bildschirme erschließen können.

Quelle: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg
(2) Buch mit sieben Siegeln

Die Wendung meint im übertragenen Sinn, dass ein Sachverhalt nicht zu verstehen ist. Das Wort "Buch" leitet sich von der Buchenrinde her, in die die Germanen kurze Mitteilungen ritzten. Die Siegel in den Buchenstämmen sind Stichworte, zu denen der Dichter Stephan Karss Hörtexte rund um das Thema Buch und Schrift geschrieben hat. Sie können sich, um gut zu hören, auch vor die Stämme hocken. 

Quelle: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg
(4) Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei

In der Frühgeschichte des Wortes "Mensch" steht dieses allein und geschlechtsneutral. Bis ins neuhochdeutsche hinein entfaltet sich eine Vielzahl von männlich und weiblich geprägten Ausdrücken. Nele Brönner (Zeichnung) und Neli Wagner (Text) haben ein poetisches Schaubild zum Wortfeld "Mensch" erstellt. Folgen Sie einzelnen begrifflichen Verzweigungen und Verbindungen!

Quelle: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg
(6) Aufs Maul geschaut

Die Wendung aus Luthers Sendbrief vom Dolmetschen (1530) bedeutet, dass man genau beobachtet, wie Menschen Sprache verwenden und was sie sagen. Acht Klangkörper, angeordnet wie ein Kammerchor, geben acht Wendungen Martin Luthers wieder, die nach verschiedenen Aspekten in ihre Laute zerlegt wurden. Folgen Sie dem "Dirigenten" am Bildschirm.

Quelle: Karin Wilke, Evangelische Kirche in Heidelberg
(8) Unser täglich Brot

... gib uns heute", lautet die vierte Bitte des Vaterunser. Wie gibt und verteilt man Brot angemessen? Die Wortgeschichte von "Brot" hat mit "Brei" und "Brauen", mit Gärung und Bewegeung zu tun. Die Dichterin Nora Gomringer zerteilt und bewegt das Wort für Sie in ihrem Poetryfilm.