Fluchtstation Heidelberg

Der Alltag im Patrick-Henry-Village

 Quelle: Udo Lahm

Quelle: Udo Lahm

Fotoausstellung mit Bildern von Udo Lahm in der Providenzkirche

Die Citykirche zeigte vom 7. Oktober bis 15. November 2015 die Fotoausstellung "Fluchtstation Heidelberg - Der Alltag im Patrick-Henry-Village" in der Providenzkirche

Artikel in der RNZ über die Ausstellung am 6.10.2015 von Holger Buchwald

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Udo Lahm fing das Leben der Menschen in Patrick Henry Village mit seiner Kamera ein – Ausstellung in der Providenzkirche
 
Eine Gruppe junger Männer hinter einem Zaun – zum Nichtstun verdammt. Zwei Frauen, die ein Baby in einem Tuch wiegen. Ein Iraker auf seinem Bett, sein rechter Unterarm ist amputiert. Es sind solche anrührenden Alltagssituationen von Flüchtlingen, die Udo Lahm in Patrick Henry Village (PHV) mit seiner Kamera eingefangen hat. Ab heute sind 24 dieser Fotografien in der Providenzkirche zu sehen. Titel der Ausstellung: „Fluchtstation Heidelberg“. Lahm hat sich bewusst für die Schwarz-Weiß-Fotografie entschieden, weil sie den „Blick auf die Personen lenkt“. Der 57-Jährige schätzt dieses Element der journalistischen Reportage – ein Überbleibsel aus der Zeit, als er bei der Aachener Zeitung und der Berliner Morgenpost arbeitete.
 Quelle: Udo Lahm

Quelle: Udo Lahm

Und auch wenn der Wahl-Heidelberger sich längst als Personalberater und Coach selbstständig gemacht hat, schlüpft er nach wie vor gerne in die Rolle des Bildjournalisten. „Was wir hier erleben, ist etwas Historisches“, sagt Lahm. Als „neugieriger Mensch mit journalistischen Ambitionen“, sei es für ihn eine Art Verpflichtung gewesen, die Situation der Flüchtlinge fotografisch zu dokumentieren. „Es ist wichtig zu zeigen, dass sich hinter der Masse an Flüchtlingen lauter Einzelschicksale verbergen, die alle unsere Hilfe benötigen“, ist Lahm überzeugt.
Ein Vater und ein Junge haben im ehemaligen Casino der US-Siedlung eine Decke ausgebreitet, auf der sie essen. Ein Flüchtling schneidet einem anderen die Haare. Nur zwei mal zwei Stunden hatte Lahm Zeit, um solche Fotos zu machen. Als er sah, wie schutzlos die Menschen in PHV leben, teilweise zu Hunderten in einem Raum zusammengepfercht, ganz ohne Privatsphäre, sei das für ihn auch sehr belastend gewesen. Ganz unterschiedlich hätten die Flüchtlinge auf die Frage reagiert, ob er sie fotografieren dürfe. „Manche haben mich eher geduldet. Andere wollten fotografiert werden, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sie Hilfe brauchen.“
Pfarrer Vincenzo Petracca von der Citykirche war von der Idee einer Ausstellung begeistert. Nun sind die Fotos im Format 40 mal 60 Zentimeter bis zum 15. November in der Providenzkirche, Karl Ludwig-Straße 8, zu sehen.

Bericht von der Öffentlichen Vernissage am 6. Oktober von Karin Wilke

Bilder, die Fragen aufwerfen
Bei der Vernissage zur Foto-Ausstellung „Fluchtstation Heidelberg“ mit Bildern des Heidelberger Fotojournalisten Udo Lahm kamen viele Fragen auf, auf die es wenige Antworten gab. Organisiert hat diese Ausstellung mit bisher noch nie gezeigten Aufnahmen vom Alltag im Erstaufnahmelager Patrick-Henry-Village Citypfarrer Vincenzo Petracca. „Wer sind diese Menschen, woher kommen sie, warum verlassen sie ihre Heimat, ihre Familien und Freunde, ihre Arbeit?“, fragte er sich gemeinsam mit Marlene Schwöbel-Hug, Dekanin der Evangelischen Kirche in Heidelberg, beim ersten Betrachten der Bilder. „Niemand“, so sind die beiden sich sicher, „tut so etwas ohne einen triftigen Grund!“
 
Quelle: Karin Wilke
Der Fotograf Udo Lahm im Gespräch mit Citypfarrer Vincenzo Petracca
Viele dieser Fragen gingen auch dem Fotografen Udo Lahm durch den Kopf, als er im vergangenen Sommer an zwei Tagen für jeweils zwei Stunden Gelegenheit hatte, mit Flüchtlingen im Erstaufnahmelager Patrick Henry Village zu sprechen und sie mit ihrer Genehmigung auch zu fotografieren. Das Elend und die Enge um ihn herum, das stumme Leid in den Augen der Menschen und ihre Fragen nach der Zukunft haben ihn sehr berührt und belastet, so der Fotojournalist. „Und trotzdem habe ich diese Bilder gemacht, weil ich zeigen will, dass Flüchtlinge nicht eine anonyme Masse sind, sondern einzelne Menschen mit ganz persönlichen Schicksalen, Ängsten, Hoffnungen und Bedürfnissen.“ Zeitzeuge sein und andere Menschen an diesen Zeitzeugnissen teilhaben lassen, das ist sein Motiv, das treibt ihn an.

 Quelle: Udo Lahm

Quelle: Udo Lahm

"Schauen Sie die Bilder an und den Menschen in die Augen – und Sie werden die vielen Fragen erkennen, die diese Bilder aufwerfen!“, forderte Lahm das zahlreich erschienene Vernissage-Publikum auf. Und tatsächlich, die Schwarz-Weiß-Fotografien, die den Blick auf das Wesentliche lenken, gehen unter die Haut. Da ist der kleine Junge, der ins Nichts schaut und in dessen großen Augen sich die existenzielle Frage: „Was wird aus mir?“ widerspiegelt. Oder die Mütter mit ihren Kindern, die vor einer verschlossenen Tür auf ärztliche Hilfe warten. Ihre Augen fragen: „Versteht man uns und wird uns geholfen werden?“
Eigentlich habe er nicht gedacht, mit seinen Bildern unmittelbar helfen zu können, räumte Udo Lahm in seiner Ansprache an die Gäste ein. Aber nun seien bereits einige Menschen auf ihn zugekommen die helfen wollen, weil sie von den Bildern persönlich berührt werden. Diese Reaktion zeigt, dass es ihm gelungen ist, mit seiner Kamera die Augen und Herzen der Betrachter für das Gegenüber, den Einzelnen zu öffnen.

„Es ist gut, dass wir hinter den Massen die Einzelnen sehen und uns bemühen, unseren Teil für Integration zu tun“, resümierte Dekanin Schwöbel-Hug den Abend. „Für mich ist es dabei selbstverständlich, dass wir uns als Christen nicht verführen lassen, in eine Angstsituation hineinzuschliddern. Ein Zusammenleben von anderen Kulturen ist dann keine Bedrohung, wenn wir uns unserer eigenen Kultur, unseres eigenen Glaubens sicher sind. Wenn wir offen sind für neue Herausforderungen, wenn wir Herz zeigen und dabei den Verstand nicht ausschalten.“
 
Erklärung der Leitenden Geistlichen in Deutschland zur Flüchtlingsfrage (als PDF):
 
 
Ehrenamtliches Engagement
Menschen, die sich in Heidelberg ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren möchten, können ihr Hilfeangebot an die folgende E-Mail Adresse richten: phv-ehrenamt[at]caritas-diakonie-hd@de

 
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