Gebäude

Architektur und Ausstattung der Heiliggeistkirche

Film über die Heiliggeistkirche (3:40 min)

Architektur

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Die Heiliggeistkirche ist mit dem Schloss und der Alten Brücke eines der drei Wahrzeichen Heidelbergs.
Der kometenhafte politische Aufstieg der Kurpfalz im 14. Jahrhundert erforderte einen  repräsentativen Kirchenbau für die Residenzstadt, so dass König Ruprecht den Vorgängerbau durch die heutige Heiliggeistkirche ersetzen ließ. Die Kirche diente als königliche und kurfürstliche Grablege und als Stiftskirche der neu gegründeten Universität.
Quelle: Dr. Manfred Schneider
 
Die Grundsteinlegung fand 1398 statt. Der Hallenumgangschor wurde vor 1410 fertiggestellt, so dass Ruprecht dort bereits bestattet wurde. Das Langhaus wurde 1441 vollendet. Der Ausbau des Turmes begann erst 1508.
 
Quelle: Dr. Manfred Schneider
Die Heiliggeistkirche ist ein singuläres Bauwerk von hohem künsterlichem Rang und kombiniert einen Hallenumgangschor mit zwölf Fenstern mit einer dreischiffigen Emporenhalle von gleicher Höhe in Verbindung mit einem Westturm.
Kennzeichnend ist der Kontrast zwischen der Dunkelheit des Langhauses und der Lichtdurchflutung des Chores. Die Nordempore liegt höher als die Südempore, und die Seitenschiffe sind untypischerweise breiter als das Mittelschiff. Letzteres liegt daran, dass die hellen Emporen über den Seitenschiffen von Anfang an als Ort der Universitätsbibliothek vorgesehen waren.
Der Umriss des gewaltigen, Chor und Langhaus zusammenfassenden Bauwerks wird nur auf der Nordseite von einer zweigeschossigen Sakristei mit Fürstenloge unterbochen. Die Heiliggeistkirche ist der bedeutendste Kirchenbau der Spätgotik zwischen Frankfurt a.M. und Straßburg. 

Kirchenfenster

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Detail Stockhausen-Fenster
Die mittelalterlichen Fenster der Heiliggeistkirche gingen beim Brand der Kirche im pfälzischen Erbfolgekrieg 1693 zu Bruch. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die bunten Fenster im Chorraum und im Südschiff eingebaut. Die Fenster im Nordschiff gingen in den letzen Kriegstagen 1945 bei der Sprengung der Alten Brücke durch die Druckwelle zu Bruch.
 
1965 erhielt die Westempore ein Glasfenster von Hans Gottfried von Stockhausen. Es stellt das Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln aus der Offenbarung des Johannes dar.
Im Nordschiff wurden um die Jahrtausendwende  Fenster von Hella Santarossa eingebaut, die über das Wirken des göttlichen Geistes handeln: "... und der Geist Gottes ... über den Wassern" (Fenster 1), "Gottes Geist über dem Chaos"(Fenster 2), "Gott sprach: es werde Licht" (Fenster 3), "Der Weltkreis ist vom Geiste Gottes" (Fenster 4) und "Der Baum der Erkenntnis" (Fenster 5).
Quelle: Foto: Dr. Manfred Schneider
Detail Schreiter-Fenster
 
Das bekannteste Kirchenfenster der Heiliggeistkirche ist das „Physikfenster“ von Johannes Schreiter (1984) im Südschiff.
Das Physikfenster ist in Rot gehalten, der Farbe des Heiligen Geistes, dem die Kirche gewidmet ist.
Es handelt von der Größe und Nichtigkeit des menschlichen Geistes. Im Fenster ist eine Formel von Albert Einstein und das Datum des Atombombenabwurfes auf Hiroshima zu lesen.
Das Physikfenster löste 1984 einen deutschlandweit beachteten Fensterstreit aus.

Gemälde

Quelle: Dr. Manfred Schneider
In einer Deckenwölbung des Mittelschiffs sieht man das Gemälde „Engelskonzert“.

Es ist eine Malerei, die um 1440 entstanden ist. Acht Engel mit verschiedenen Musikinstrumenten sind dargestellt.
 
Ein Instrument stammt indes nicht aus dem Mittelalter. Während einer Restaurierung in den 1950er Jahren fügte der Heidelberger Maler Harry MacLean bei einem Engel ein Fagott als Erinnerung an die Gegenwart hinzu (Bild: Engel oben links). Engel sind auch heute unter uns, musizieren und behüten uns, so seine Botschaft.

 In dem Triumphbogen zwischen Langhaus und Chor sieht man die Malerei „Drei Männer im Feuerofen“.

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Das Gemälde von Harry MacLean stammt aus den 1950er Jahren.
Die drei Männer im Feuerofen ist eine Erzählung aus dem Alten Testament in der Bibel.
Ein König wirft die drei Männer in einen Feuerofen, doch das Feuer versengt noch nicht einmal ihre Kleidung. Die Männer werden unverletzt aus dem Ofen befreit. Daraufhin kommt der König zum Glauben an Gott.
Sie finden die Erzählung im Danielbuch, Kapitel 3.

Altar und Taufstein

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Detail Altar
Altar und Taufstein stammen vom Künstler Edzard Hobbing. Der Altar ist aus dem Jahr 1949, der Taufstein dagegen erst von 1967.
Die schwere Sandsteinaltarplatte wird von vier knienden Engeln getragen.
Den Taufstein schmücken drei Szenen aus dem Neuen Testament: Pfingsten, die Kindersegnung und die Taufe Jesu.

Orgel

Quelle: Dr. Manfred Schneider
Die große Chororgel ist die 13. Orgel, die die Heiliggeistkirche mit Pfeiffenklängen erfüllt. Es handelt sich um eine große Steinmeyer/Lenter-Orgel.
Auf den verschiedenen Heiliggeistorgeln haben berühmte Musiker gespielt, unter ihnen das Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart, Mendelsohn Bartholdy, Max Reger und Albert Schweitzer.
 
Orgelbeschreibung (PDF):

Glocken

Selbst Gott braucht die Werbung. Er hat Glocken. (Aurelien Scholl)
Die mittelalterlichen Glocken aus dem Jahr 1515 wurden beim Brand der Heiliggeistkirche durch französische Truppen im Jahr 1693 zerstört. Die Hitze war so gewaltig, dass die Chronisten von einer flüssigen Schmelze der herabfallenden Glocken berichten.
Quelle: Dr. Manfred Schneider
Glockenturm mit 4 Glocken (r.), die 5. Glocke ist im Dachreiter (l.)
1705 wurde der Kirchturm wieder erbaut. 1712  erklang die erste neue Bronzeglocke. Die Scheideglocke galt als verschollen, bis sie 1999 nach 60 Jahren zufällig im Keller der Bergheimer Luthergemeinde gefunden wurde. Sie hängt heute auf dem Dachreiter über dem Kirchenschiff.
Im Turm erklingt ein barockes vierstimmiges Glockengeläute aus einem Guss. Die große Christusglocke hat einen Durchmesser von 144 cm und eine Höhe 108 cm (cis1). Die Inschrift lautet: "Carl Philipp lebe, glücklich die Pfalz regiere bis Gott (doch aber spät) ihn in eine bessere Welt entführe (1738)". Die anderen Bronzeglocken heißen Maria (118,5/91/e1), Dreifaltigkeit (93/73,5/a1) und Immaculata (71/57/cis2).
Im Jahr 1962 ereignete sich ein Unfall, als der Klöppel der kleinen Glocke abgerissen und abgestürzt war. Im Jahr drauf drohte sogar der Absturz einer Glocke, so dass diese vorübergehend stillgelegt werden musste.
 
Im Turm der Heiliggeistkirche sind Wanderfalken angesiedelt.

 
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