Predigten zum Heidelberger Katechismus

 

Gottesdienst zum Abschied von Oberkirchenrat Vicktor in Heidelberg am 7. Juli 2013

Text: Johannes 6,66-69

Liebe Gemeinde,
„Und sie wandten sich von Jesus ab und gingen nicht mehr mit.“ Es war ihnen genauso wie Petrus klar: Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist der Heilige Gottes. Dieses Bekenntnis konnten sie alle mitsprechen, aber es hat sie nicht mehr so bewegt, dass sie sich weiter mit Jesus auf den Weg machten.

Nicht mit dem Petrusbekenntnis, liebe Schwestern und Brüder, haben wir uns gestern und heute Vormittag beschäftigt, sondern mit der Bekenntnisschrift des Heidelberger Katechismus. Wir haben viel gelernt, viel dazugelernt, viel Neues erfahren. Vom Bibeltext her müssen wir uns nicht nur der Frage stellen: Haben wir verstanden, was wir da bekennen?, sondern auch: Wie wird das Bekenntnis lebendig in unserer Gegenwart?

Welche Bekenntnisse leisten was für uns, wie helfen sie uns im Glauben?

A Wollt ihr auch weggehen? Jesu Frage an uns persönlich.

Für jede Einzeln und jeden Einzelnen von uns kann zur persönlichen Identitätsvergewisserung als Christenmensch ein einfacher kurzer Satz genügend und entscheidend sein. Die Menge des Textes und die Länge des Bekenntnistextes bringt´s nicht. Das Petrusbekenntnis ist wesentlich kürzer als der Heidelberger Katechismus. Martin Luther hat´s noch kürzer gemacht als Petrus. In der Anfechtung seiner Glaubensgewissheit hat Martin Luther, Sie wissen das, irgendwo hingeschrieben: „Ich bin getauft.“ Und ich mag mir, ohne dass es überliefert ist, gar nicht vorstellen, wie oft er diesen Satz auch ausgesprochen, was heißt ausgesprochen, in entsprechender Lautstärke „Ich bin getauft“ ausgerufen haben wird. Ich bin getauft. Halten wir einen Moment inne. Luther war´s – wir  sind´s alle: Alle sind wir getauft. Wann haben wir solch einen einfachen Satz in der Anfechtung, des Zweifels oder der Skepsis schon jemals – wenigstens leise – vor uns hin gesagt: Was soll´s – ich bin doch getauft. Ich bin getauft. Solch ein Satz ist die sehr persönliche – ja gewissermaßen die private Dimension eines Bekenntnisaktes. Der Text ist ein kurzer Satz, der Bekenntnisakt ein Ausruf. Wer so bekennt, spricht für sich allein. Also ein Bekennen nach innen.

Ich bin getauft. Das ist ein Nachfolgesatz des Petrusbekenntnisses nach dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi. Petrus sagt: Wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist. Ich bin getauft, sagt, weil wir auf deinen Namen getauft sind, glauben wir, dass du der Heilige Gottes bist und Worte des ewigen Lebens hast. Nun, Petrus hatte die Gelegenheit, mit dem, an den er glaubte, persönlich zu reden. Solch eine Form des direkten Dialogs als Bekenntnisakt haben wir nicht. Ich stelle mir vor, es ist heute noch möglich als Gebet. Ein Bekenntnisgespräch mit seinem Herrn. Davon machen mehr Menschen Gebrauch als wir ahnen.

B Wollt ihr auch weggehen? Jesus fragt heute.

Das Petrusbekenntnis aus dem Johannesevangelium führt bereits über die Grenzen des nur nach innen auf sich selbst gerichteten Bekennens hinaus. „Wo sollen wir hingehen?“, fragen sie Jesus. Ihre Orientierung fehlt, wenn der Bezugspunkt ihres Lebens, ihrer Welterklärung, ihrer Existenz wegbricht. Die Frage: Herr, wohin sollen wir gehen?, kann wie selten eine Formulierung aus der Bibel problemlos den historischen Graben der Zeit des Petrus zur Gegenwart mit einem Sprung überwinden. Allein die Frage ist bis heute aktuell. Wo geht die Reise hin, wenn ich nach dem Sinn des

Lebens frage? Ja, liebe Gemeinde, auch aufgrund solcher Fragen sind im Laufe der Kirchengeschichte und der Geschichte einzelner Christenmenschen mit ihrem Glauben kirchliche Bekenntnisse entstanden als Antwort und Orientierungshilfe. Und wie viele Fragen man da stellen kann und dann Antworten auf die alle braucht, zeigt uns der Heidelberger Katechismus.

C Wollt ihr auch weggehen? Jesu Frage an unseren Freimut.

In unserer medialen Welt gibt es auch die kleinen Antworten. In einer optisch an Zeichen und Symbolen orientierten Gesellschaft, sind nicht zufällig die nonverbalen Bekenntnisse entstanden: zum Beispiel unser Logokreuz. Es sagt: Ich gehöre zur Kirche; ich gehöre zur Evangelischen Landeskirche in Baden. Oder der Fisch, meistens auf den Autos angebracht. Er sagt: Ich teile euch mit, dass ich ein Christenmensch bin. Ich glaube an Jesus Christus, das sage ich ganz offen. Beides sind Bekenntnisakte ohne Worte, ohne Text, aber mit enormer Außenwirkung. Ich habe mir abgewöhnt, über den Fisch am Auto zu lächeln. Über das Logokreuz tue ich es ja auch nicht. Wer so nonverbal bekennt, der sagt, ich steh zu dem, was ich da zum Ausdruck bringe. Ich will nicht weggehen. Es besteht die Möglichkeit für die, die mein Zeichen sehen, mich darauf anzusprechen. Bitte schön, die Einladung gilt. Die Frage bleibt offen: Sind wir genügend darauf vorbereitet? Wenn das wortlose Bekenntnis in ein Bekenntnisgespräch übergeht. Sprachfähig zu sein im Glauben, eines unserer vielgenanntesten Ziele der letzten Jahre. Zu Recht. Es zeigt sich selbst bei nonverbalen Bekenntnissen wird am Ende die Sprachfähigkeit im Glauben, das Erklären des eigenen Bekennens gegenüber anderen notwendig. Die multireligiöse Landschaft nötigt uns dazu.

Anfang der 90-er Jahre wurde eine Kombination von personalen und kurzverbalen Bekenntnisformen entwickelt. Die katholischen Diözesen in Bayern zeigten im Werbefernsehen einen Kurzspot mit Lothar Matthäus, dem großen Fußballstar damals. Lothar Matthäus erschien auf dem Bildschirm. Kein Insert, jeder wusste, wer dieser Kopf ist, so prominent und solch eine öffentliche Person war er. Ich hatte damals mitgestoppt: Der Spot dauerte sechs Sekunden. Teil eins: Matthäus schaut einem mit großen Augen aus dem Bildschirm ins Wohnzimmer hinein. Teil zwei: Matthäus sagt: Ich bin katholisch. Teil drei: Matthäus sagt: Das bleibe ich auch. Teil vier: Matthäus schaut mit einem Blick, der sagt: Macht mir´s nach. Unzählbar viele Eintritte in die katholische Kirche folgten. Diese Form des Bekenntnisses über die Medien wurde wieder aufgegeben. Ich kenne die Gründe nicht. Ich habe es nicht verfolgt, aber ich erwähne es, weil wir Lust kriegen sollten zur kreativen missionarischen Arbeit. Lust, um mit unserem Bekenntnis die Menschen für Jesus zu motivieren, nicht wegzugehen.

D Wollt ihr auch weggehen? Jesu Frage an uns Intellektuelle.

Was sagen die Intellektuellen und wie haben sie ihr Bekenntnis gelebt? Natürlich fällt uns allen Albert Schweizer ein. Sie formulierten meistens Texte ähnlich kompliziert wie die Bekenntnistexte der Kirchen. Ich meine nicht modernisierte Texte, wie wir sie vom Kirchentag kennen. Nein, es geht um Texte aus echter Distanz. Sie erzeugen durchaus das Gefühl der empathischen, sympathischen Zuwendung zu Kirche und Religion. Ihre Bekenntnisse müssen wir anhören, ihre Bekenntnisse vielleicht können uns helfen in dieser säkularen Gesellschaft. Albert Einstein wollte ein Bekenntnis ablegen als er folgendes formulierte: „Das tiefste und erhabenste Gefühl dessen wir fähig sind, ist das Erlebnis des Mystischen. Aus ihm keimt alle wahre Wissenschaft. Wem dieses Gefühl fremd ist, wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, der ist bereits tot. Das Wissen darum, dass das Unerforschliche wirklich existiert und dass es sich als höchste Wahrheit und strahlendste Schönheit offenbart wovon wir nur eine dumpfe Ahnung haben können – dieses Wissen und diese Ahnung sind der Kern aller wahren Religiosität.“ Wie gesagt, ein nicht zu vernachlässigender Versuch.

Die Landeskirche – wir haben den Versuch gemacht, sich dem zeitgenössischem Denken mit unserem Glaubensanliegen zu öffnen und Verständnis, ja regelrecht zu erheischen, das, was wir bekennen und bekennen wollen. Das war der erste Abschnitt unserer sogenannten Leitsätze. Dort heißt es unter anderem: Gott liebt die Menschen, ob sie es glauben oder nicht. – Gott hat die Welt geschaffen und gesagt, was gut ist. – Gott ist größer als unser Wissen. Zu allen Zeiten hält er Geheimnisse bereit, die die menschliche Vernunft übersteigen.

E Wollt ihr auch weggehen? Jesu Frage an uns in der Tradition Beheimateten.

Die Leitsätze am Sonntagmorgen regelmäßig in der Liturgie an der Stelle des Apostolikums lesen? Kann man sich das vorstellen? Schwierig, weil wahrscheinlich der Konsens zu klein ist mit allen Schwestern und Brüdern der Gegenwart und schon gar mit der Wolke der Zeugen. Aber, liebe Gemeinde, der umgekehrte Weg wäre vielleicht gangbar. Nämlich die alten   ihrer   Entstehungszeit   geschuldeten   Formulierungen verwenden und sich regelmäßig in einem anstrengend fröhlichen inneren Dialog damit auseinanderzusetzen. Auch durch solch einen Vorgang bekommt ein Glaubensbekenntnis, ein Bekenntnistext Gegenwartsnähe. Zwei Beispiele noch aus dem klassischen apostolischen Glaubensbekenntnis, das wir heute gleich nach der Predigt sprechen werden:

- Was geht mir durch den Kopf, wenn ich spreche: „geboren von der Jungfrau Maria“? Bin ich froh, dass Exegeten nachweisen können, das heiße ja geboren von der jungen Frau Maria? Oder lege ich Wert darauf zu bekennen, die Entstehung eines Menschenkindes im Mutterleib ist für Gott ein kleines; er braucht keine Zeugung durch den Mann, oder!? Interessante Fragen, die ich dem alten Text stellen darf und er wird unversehens zum gegenwärtigen Bekennen, weil ich auf meine eigenen Fragen Antworten zu finden versuche. Oder!?

- Noch zum Apostolikum. Ursprünglich hieß es im dritten Artikel – ich habe es als Konfirmand noch so gelernt  -: „Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben.“ Aber Gott ist nicht nur ein Gott für die Seele, geht mir während des Sprechens durch den Kopf. Er ist auch Gott für den Leib, für den Körper. Ein Schöpfer, der selbst Fleisch wurde und damit körperlich. Es ist nicht aus Versehen, dass die Kirche im Neuen Testament „als Leib Christi“ angesehen wird und nicht als Seele Christi. Und dass die christliche Gemeinde und der Körper eines jeden Christen als „Tempel des Heiligen Geistes“ bezeichnet werden. Und nach der Auferstehung erwarten wir ebenfalls mit der Bibel auch keine Gemeinschaft der Seelen oder der Geister, sondern neue Menschen mit zwar anderen, mit verklärtem, aber mit dem Auferstehungsleib.

Ihr seht, Schwestern und Brüder, die alten Bekenntnistexte ins Gespräch ziehen, Fragen stellen, kreativ, frei und offen nach Antworten suchen; sich die Gedanken, die einem kommen beim Bekenntnissprechen nicht als Unkonzentriertheit verbieten, so kommt ein Bekenntnis auch mir in der Gegenwart näher. Und: Wir brauchen heute umso griffiger Formulierungen, um uns sprachfähig zu machen im Konzert der Religionen. Denn im Gegenüber zu diesen können wir ja selbst ins Fragen kommen. So wie die, die Jesus verlassen und in deren Namen Petrus sagt: „Wohin sollen wir gehen?“ Wir haben uns vorgenommen, im Zuge der Reformationsdekade und des Jubiläums des Heidelberger Katechismus eine neue gegenwartsverträgliche Form, umformulierte, gebündelte Art von Glaubenssätzen und Bekenntnisakten  –  ich  nehme  einmal  an  schriftlich,  verbal, nonverbal, im Bild, im Dialog, im Internet als sogenannte Testimonials – man braucht ja nicht nur Fußballer zu nehmen – alles zusammen neue Glaubensbekenntnisformulierungen und Bekenntnisakte, die jeden Namen tragen dürfen bloß nicht „Katechismus“.

Seit Jahren ringen wir gegen den Zeitgeist der Gleichgültigkeit gegenüber unserem Glauben und unserer Kirche. Lassen wir uns doch ernsthaft durch die Worte des „Stuttgarter Schuldbekenntnisses“ aber jetzt in die Zukunft gewandt anstecken: „Wir wollen mutiger bekennen, treuer beten, fröhlicher glauben und bekennender lieben.“

Amen.

Oberkirchenrat Vicktor

 

"Was verstehst du unter der Gemeinschaft der Heiligen?"

Predigt des Landesbischofs zum Festgottesdienst "450 Jahre Heidelberger Katechismus" am 12. Mai 2013

Liebe Festgemeinde,
in unseren Landen ist es ungewöhnlich, sich in einer Predigt an Worten des Heidelberger Katechismus zu orientieren. Heute - am 450. Geburtstag dieses Katechismus - erwarten Sie dies zu Recht. Und diese Erwartung will ich nicht enttäuschen.In seinem 2. Teil, der überschrieben ist „Von des Menschen Erlösung“, handelt der „Heidelberger“- der Struktur des Glaubensbekenntnisses folgend - zuerst von Gott, dem Vater, dann von Gott, dem Sohn, ehe er sich in den Fragen 53-64 den Fragen von Gott, dem Heiligen Geist zuwendet. In diesem Abschnitt finden wir zunächst die Frage 54, in der vom Glauben an die allgemeine christliche Kirche gesagt wird: Ich glaube, „dass der Sohn Gottes aus dem ganzen menschlichen Geschlecht sich eine auserwählte Gemeinde…versammelt, schützt und erhält und dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde.“Darauf folgt dann jene 55. Frage, die wir vorhin mit ihrer Antwort zusammen gelesen haben.

Was verstehst du unter der Gemeinschaft der Heiligen?“ Wenn ich diese Frage heute an Sie stellen würde, bekäme ich unterschiedlichste Antworten. Vor allem aber wäre manches ratlose Kopfschütteln die Folge. „Gemeinschaft der Heiligen“ - für sehr viele selbst der ganz Kirchentreuen gleicht diese Formulierung unseres Glaubensbekenntnisses einem Buch mit sieben Siegeln. „Gemeinschaft der Heiligen“, das klingt geheimnisvoll und rätselhaft. Der „Heidelberger“ erklärt das damit Gemeinte durch zwei Antworten. Zum Ersten versteht er unter der „Gemeinschaft der Heiligen“, „dass alle und jede Gläubigen als Glieder an dem Herrn Christus und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben.“

Diese Antwort aufnehmend beginne ich mit dem Ausräumen eines Missverständnisses. Die „Gemeinschaft der Heiligen“ist kein exklusiver Club besonders hervorragender Menschen, die in ihrem Lebenswandel eine besondere Heiligkeit unter Beweis gestellt haben. Zur Gemeinschaft der Heiligen gehören alle, deren Leben durch die Gemeinschaft mit ihrem Herrn Jesus Christus geheiligt wird. Am kommenden Sonntag werden wir das Pfingstfest feiern. Erinnern Sie sich: Am ersten Pfingstfest der Kirche wurde der Heilige Geist über alles Volk ausgegossen, nicht etwa nur über die Jünger Jesu. Pfingsten als Geburtstag der Kirche war die Geburtsstunde der „Gemeinschaft der Heiligen“. Seitdiesem ersten Pfingstfest werden Menschen hineingenommen in die Gemeinschaft mit Gott. In der Taufe wird ihnen Gottes Geist verliehen. In der Taufe sagt Gott zu einem Menschenkind:„In dir will ich Wohnung nehmen. Mit meinem Heiligen Geist will ich in dir wohnen, in deinem Herzen. Mein Heiliger Geist will in dir wirken durch vertrauenden Glauben, durch Taten der Liebe, durch lebendige Hoffnung“. In der Taufe wird deutlich, dass wir dazu bestimmt sind, Wohnung Gottes zu werden, Wohnung seines Heiligen Geistes. Gott will unter uns, er will in uns wohnen. Der Heilige Geist ist Ausdruck der Sehnsucht Gottes nach uns Menschen. Gott will allen Menschen seinen Geist schenken, er will in uns Menschen wohnen. Das ist seine größte Gabe an uns, der beste Schatz.
Und wenn Gott mit seinem Geist in uns einzieht, dann öffnet er zugleich seine Wohnungstür für andere Menschen. Und so ist die Kirche nichts anderes als eine Wohngemeinschaft Gottes, eine Wohngemeinschaft des Heiligens Geistes. Dies meint der Heidelberger Katechismus, wenn er seiner Antwort auf die 55. Frage als biblische Belegstellen Worte aus dem 12. Kapitel des 1. Korintherbriefes hinzufügt, die das Gesagte kommentieren und vertiefen: „Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft.“ Da es nun im Hause Gottes viele Wohnungen gibt, Gott in unzähligen Menschen Wohnung nimmt, ist die von Gott„aus dem ganzen menschlichen Geschlecht… auserwählte Gemeinde“ größer, weiter als die sichtbare Kirche.

Zur „Gemeinschaft der Heiligen“ gehören nicht nur wir mit unserem kleinen Herzen.
Gehört nicht nur unsere Heimat gebende und doch auch beengende Ortsgemeinde.
Gehören nicht nur unser Kirchenbezirk und unsere Landeskirche.
Zur „Gemeinschaft der Heiligen“ gehören nicht nur die Evangelische in Deutschland und die Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa,
gehören nicht nur die vielen kleinen Kirchen in unserem Lande, nicht nur die römische Weltkirche und der Ökumenische Rat der Kirche.
Nein: Wie Gott unendlich viel größer ist als unser Herz, als die Wohnung die wir ihm bieten, so ist auch die von Gott erwählte Kirche, die „Gemeinschaft der Heiligen“ unendlich viel größer als das, was wir als sichtbare Kirche wahrnehmen. Und sicher werden wir uns am Jüngsten Tag wundern, wer alles dazu gehört, vielleicht auch manche, die sich nur unbewusst als Christen verstanden haben. Darum gilt beim Nachdenken über die „Gemeinschaft der Heiligen“ die Warnung eines neuen Kirchenliedes „Zieh den Kreis nicht zu klein“. Von der „Gemeinschaft der Heiligen“ können wir gar nicht groß genug denken.
Genau deshalb haben die Väter der badischen Landeskirche im Jahr 1821 diesen großen Satz gewagt „Solchermaßen in sich selbst einig und mit allen Christen in der Welt befreundet“. Sie wussten um die „Gemeinschaft der Heiligen“, die weltumfassend und zugleich die Welt übergreifend ist. Deshalb ist es so wichtig, dass wir den 450. Geburtstag des „Heidelbergers“ auch mit Freunden aus der ganzen Weltzusammen feiern; dass wir ihre Lieder heute in diesem Gottesdienst singen, ihre Gebete mitsprechen, ihren Glauben teilen.

Um uns dieser universalen „Gemeinschaft der Heiligen“ zu vergewissern, ist es so wichtig, dass es weltverbindende Treffen der Christenheit gibt wie den Kirchentag, den wir in der vorletzten Woche in Hamburg erlebten, oder wie die Gebetswoche für die Einheit der Christen, in deren Verlauf ich am kommenden Donnerstag gemeinsam mit demFreiburger Erzbischof und mit der ACK Gottesdienst in Pforzheim feiern werde.
Die „Gemeinschaft der Heiligen“ übersteigt unsere provinziellen Horizonte, jeden Sonntag neu, wenn wir - wie nachher - beim Abendmahl in die Gemeinschaft des Lobgesangs Gottes auch all jene mit einbeziehen, die uns im Glauben vorangegangen sind.
„Zieh den Kreis nicht zu klein“, wenn du nach der „Gemeinschaft der Heiligen“ gefragt wirst und wenn du dich im Glaubensbekenntnis zu ihr bekennst.

Und damit komme ich zur zweiten Antwort des „Heidelbergers“ auf die Frage „Was verstehst du unter der Gemeinschaft der Heiligen?“ Die zweite Antwort lautet: Ich verstehe darunter, „dass ein jeder seine Gaben zu Nutz und Heil der andern Glieder willig und mit Freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.“ Als weitere biblische Belegstelle für diese Aussage verweist der „Heidelberger auf den 21. Vers des schon zitierten Kapitels aus dem 1. Korintherbrief „Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder auch das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht.“ Was so selbstverständlich ist, wenn wir auf das komplizierte Zusammenwirkender Glieder eines Leibes schauen, ist doch gar nicht so selbstverständlich in unserem Glaubensleben. Zu Recht hat uns die Reformation die Erkenntnis vermittelt, dass wir im Glauben direkten Zugang zu Gott gewinnen und dass es zur Gewissheit des Heils keiner Vermittlung durch ein kirchliches Amt bedarf. Aber aus dieser urevangelischen Glaubensgewissheit ist oft das Missverständnis erwachsen, jeder und jede würde auf einer Insel des Glaubens für sich allein leben. „Nein“, sagt da der „Heidelberger“ entschieden. Er befreit uns mit seinem „Nein“ aus dem Irrtum eines bloß individualistischen Christseins. Niemand lebt seinen Glauben für sich allein. Christlicher Glaube hat zwar seine Wurzel in unserem Herz, dort wo Gott in uns wohnt. Aber er kann nicht gelebt werden, ohne die Wohnungstüren zu anderen zu öffnen. Christlicher Glaube lebt vom Teilhaben und Teilgeben. Oder um es mit einem anderen Wort aus dem 12. Kapitel des 1. Korintherbriefes zu sagen: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.“

Genau deshalb beten wir in unseren Gottesdiensten für Schwestern und Brüder in der „Gemeinschaft der Heiligen“, machen in der Fürbitte ihre Anliegen zu unseren Anliegen.
Deshalb haben wir uns in unserer Landeskirche als biblisch fundiertes Leitbild für den Weg in die Zukunft das Bild vom „Leib Christi“ gegeben.
Deshalb engagieren wir uns bei Brot für die Welt oder beim evangelischen Entwicklungsdienst.
Deshalb leben wir hier im Südwesten gemeinsam mit unseren Partnerkirchen „Evangelische Mission in Solidarität“.
Deshalb ist das Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung keine Nebensache oder gar eine Kür, auf die christlicher Glaube verzichten könnte.
Nein, unser Glaubedarf nicht bei sich selbst bleiben. Er muss sich entfalten, indem wir uns unserer Verpflichtung bewusst werden, unsere Gaben „zu Nutz und Heil der andern Glieder willig und mit Freuden anzulegen“.In wem Gott mit seinem Heiligen Geist Wohnung genommen hat, kann eigentlich gar nicht anders, als mitzuhelfen, dass auch in den vielen anderen Wohnungen im Hause Gottes das Heil Gottes erfahren werden kann.
So weist uns der Heidelberger Katechismus mit seinen beiden Antworten auf die Frage „Was verstehst du unter der „Gemeinschaft der Heiligen?“ zurück auf uns selbst, auf unser Getauftsein, auf die Gabe und den Schatz des Heiligen Geistes, die uns geschenkt sind. Und er weist uns zugleich hinaus in die Welt und erinnert uns an die Verantwortung, die wir für sie haben. Ganz bei uns selbst und ganz der Welt zugewandt leben wir in der „Gemeinschaft der Heiligen“.
Vielleicht würde es sich doch lohnen, sich in Predigten öfter vom Heidelberger Katechismus leiten zu lassen. Amen.

Landesbischof Dr. Ulrich Fischer
 

ARD Fernsehgottesdienst am 9. Mai 2013 zu Christi Himmelfahrt: "Der Himmel geht über allen auf!"

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus

Liebe Gemeinde hier in der Kirche und an den Bildschirmen.
 
Himmelfahrt, geöffneter Himmel. Schön klingt das. Ein Blick ins Paradies ist möglich. Der Himmel ist nicht mehr verschlossen.
 
Viele Assoziationen fallen mir ein beim Wort Himmelfahrt. Himmelfahrt - ist das über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein - oder sind die, die Himmelfahrt feiern, mit „Hans guck in die Luft“ aus dem „Struwwelpeter“ zu vergleichen? Himmelfahrt-, Familien- oder Vatertag. Himmelfahrt ist ein schöner Feiertag. Frische Luft, helle Farben sind damit verbunden. Es riecht nach Frühling. Als ich in Norddeutschland Pfarrerin war, sind wir an diesem Feiertag mit vielen Jugendlichen, Älteren und Familien rausgeradelt zu einem Freizeitlager an der Ostsee, haben dort den Gottesdienst gefeiert mit Posaunenchor und Gospelchor und dann einen Familien- und Freundestag genossen, mit Spielen, Grillen, Klönen. Himmelfahrt scheint etwas mit unterwegs sein zu tun zu haben. Das macht sich ja auch bei den Vatertagstraditionen bemerkbar.
 
Himmelfahrt ist schön. Es ist ein freier Tag mitten in der Woche, ein Brückentag folgt und somit für viele ein langes Wochenende. In ganz weltlichem Sinn ergattern wir hier ein kleines Stückchen paradiesische Zustände. Himmel auf Erden.
 
Vielleicht ist in all dem schon etwas zu spüren von der christlichen Botschaft des Festes Christi Himmelfahrt. Zumindest seine Auswirkungen und theologischen Inhalte können mit diesen himmlischen Zuständen in Zusammenhang gebracht werden. Christen sind keine „Hans guck in die Luft“, sie sind bodenständig verortet in der Welt und können gleichzeitig den geöffneten Himmel auf Erden sehen. An Christi Himmelfahrt werden aus Himmelsguckern Menschen, die ihre Aufgaben, ihre Verantwortung, die schönen Seiten der Erde sehen, ohne den Blick auf Christus zu verlieren.
„Was nützt uns die Himmelfahrt?“, die Frage des Heidelberger Katechismus kann damit sehr positiv beantwortet werden. Sie bringt uns einen freien Tag zum Aufbrechen, zum Grillen, zum Wandern, für Gottesdienste unter freiem Himmel, einen Tag, an dem wir es miteinander gut haben können. Es ist ein Tag unter geöffnetem Himmel.
 
Und was nützt uns der Heidelberger Katechismus?
Als er vor 450 Jahren in Heidelberg veröffentlicht wurde, hatte dieses kleine Büchlein mit seinen 129 Fragen und Antworten einen großen Nutzen, für Kirche und  Politik. Der damalige Kurfürst hatte diesen Katechismus in Auftrag gegeben. Warum eigentlich? Lassen Sie uns ein wenig in die Geschichte eintauchen. Es war kurz nach der Einführung der Reformation in der Kurpfalz. In der Heiliggeistkirche und vielen anderen Kirchen gab es eine große Uneinigkeit über Glaubensfragen. Sollte man sich Martin Luther und seinem Gedankengut anschließen oder vielleicht doch eher dem von Johannes Calvin?
In dieser Kirche hier, gab es zwei Pfarrer, die sich vor dem Altar, so wird es berichtet, wegen unterschiedlicher Ansichten zum Abendmahl während eines Gottesdienstes prügelten. Das ging dann doch allen Wohlmeinenden zu weit. Abhilfe musste her. Was für einen Eindruck machen Christen, die sich in der Kirche prügeln! Ganz pragmatisch bat nach diesem Vorfall der Kurfürst, Friedrich III, einen Theologieprofessor, eine kurze Glaubensunterweisung zu verfassen, die für alle protestantischen Christen in der Kurpfalz gelten sollte. Alle wichtigen Themen des Glaubens sollten behandelt werden, und zwar im Frage- und Antwortstil. Zacharias Ursinus, so hieß der Theologe, setze sich also hin und überlegte, wie er die Inhalte des verständlich und kurz zusammenfassen konnte. Wenn man also fragt: “Was nützt uns der Katechismus?“, kann man ganz deutlich im Blick auf die Entstehung des Katechismus antworten, er sollte Ordnung herstellen und zwar gleichzeitig in Glaubensdingen und in politischen Fragen.
 
Zurück von 1563 zu 2013. Was nützt dieses kleine Büchlein uns heute? So ganz leicht ist er weder zu lesen noch auswendig zu lernen. Aber bis heute ist er Grundlage christlicher Ordnung in vielen Kirchen der Welt, in Korea ebenso wie in den Niederlanden, in den USA, in Ungarn, Indonesien oder natürlich in den reformierten Kirchen in Deutschland.
 
Was nützt uns der Katechismus? Er traut sich zu fragen: Was nützt der Glaube? Die Auferstehung, der Heilige Geist, die Himmelfahrt?
Wir sind es heute sehr gewohnt, nach dem Nutzen der Dinge zu fragen: Was bringts denn, wenn ich freundlich bin, wenn ich Christ bin, wenn ich in einen Verein eintrete, wenn ich mich in der Politik, in Umweltfragen engagiere.
Was nützt also die Himmelfahrt? Vielleicht mögen Sie mit der Musik, die Sie jetzt in der Kantate hören für sich einmal kurz darüber nachdenken.
 
Die Erfahrung der Jünger Jesu bei der Himmelfahrt war zunächst einmal geprägt von Verlassenheit. An Himmelfahrt hatte Jesus sie nach Karfreitag zum zweiten Mal verlassen. Abgehoben, weg. Aber, so die biblische Geschichte, der Jesus, der sie an Himmelfahrt verlässt, lässt sie nicht im Leid und in der Trauer wie an Karfreitag. Er verlässt sie als der Auferstandene. Nach seiner Auferstehung hat er ihnen gezeigt: Egal was passiert, ich bin bei Euch. Außerdem geht er nicht wortlos, sondern er verabschiedet sich mit einem Auftrag an die Jünger. Und das schenkt Sinn. Nicht tatenlos sollen sie in den Himmel gucken, in Trauer vergehen, die Vergangenheit verherrlichen. Nein, sie sollen das weiter tragen und weiter erzählen, was sie in den Jahren mit ihm erlebt haben. Sie sollen den christlichen Glauben lehren, zum Handeln ermutigen,  taufen. Und gleichzeitig verspricht er, dass er bei seiner Gemeinde bleibt, bis ans Ende der Welt. Er will, dass sich die, die ihm nachfolgen, einsetzen, ganz irdisch, ganz konkret, für die Mitmenschen, für Frieden, für die Erhaltung der Schöpfung, für Gerechtigkeit. Und er verspricht dazu den Himmel auf Erden: Er selbst, Jesus, wird bei ihnen bleiben,  ihnen Kraft geben und sie begleiten.
 
Wie kann das gehen, dass einer bleibt, der doch fort gegangen ist? Christus ist, das bekennen wir in unserem Glauben, wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzt nicht mehr auf der Erde, aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und seinem Geist weicht er niemals von uns, antwortet der Heidelberger Katechismus auf alle diese Fragen.
Wie versteh ich das heute? Als Mensch Jesus ist er nicht mehr sichtbar. Aber in seiner Gottheit begleitet er uns. Als Mensch könnte er sich nur jeweils einer kleinen Gruppe von Menschen zuwenden. Als Gott aber hat er ein offenes Ohr für alle Menschen. Jesus ist durch die Himmelfahrt, etwas salopp gesagt, „unser Mann bei Gott“. Er hat als Mensch Menschliches erlebt, Freude und Glück, Trauer und Enttäuschung, Angst und Hoffnung, Hunger und Durst. Er steht für uns ein. Die Widersprüchlichkeit, die Unsicherheit menschlicher Natur bringt er vor Gott und bittet um Gnade. Der Heidelberger Katechismus sagt: er ist bei uns in seiner Gottheit, Majestät und Gnade. Gott sieht uns gnädig an. Gnädig - was heißt das eigentlich?  Recht ist und muss unparteiisch sein. Gnade ergreift Partei. Durch Jesus als unseren Mann bei Gott gilt uns der gnädige Blick Gottes. Himmel ist also dort, wo gnädig mit Menschen umgegangen wird, wo Zartheit und Friede, Versöhnung und Liebe einen ganz wichtigen Platz einnehmen. Dann wird die Erde himmlischer. Der Himmel kommt auf die Erde.
 
Klingt kompliziert, könnte sich aber einfach auflösen, wenn wir wie in der englischen Sprache eine Unterscheidung zwischen „heaven“ und „sky“ hätten. Bei der Himmelfahrt reden wir nicht vom sky, sondern vom heaven, dem Ort, an dem Gott ist, auch mitten unter uns, auf der Erde. Himmel, das sind himmlische Verhältnisse, wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein offnes Tor in einer Mauer, ein netter Brief nach langem Schweigen, ein „Ich-mag-dich-trotzdem-Kuss“. So schildert ein Gesangbuchvers den Himmel. Den Himmel kann man ins Leben erzählen, mit Bildern, mit Musik, mit strahlenden Gesichtern, mit Mut und Freude. Der Himmel auf Erden breitet sich aus, wenn Gott bei uns ist. Der Himmel ist der Ort Gottes in der Welt, wo Friede sich einen Weg bahnt in unsere Herzen. Durch die Dunkelheit von Hass und Misstrauen, von Angst und Verlassenheit erreichen die Strahlen des Himmels die Erde, sie bringen Licht. Und die Menschen, die auf Gott vertrauen, können neu anfangen zu leben, wie im Himmel.
 
Amen.
 
Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug

Gottesdienst am 17. März 2013 in der Heiliggeistkirche Heidelberg: Warum musste Christus leiden? (Frage 37 HK)

Liebe Gemeinde,

Im Jubiläumsjahr des Heidelberger Katechismus haben Sie Menschen eingeladen, sich in Predigten mit dem Heidelberger Katechismus zu befassen. Für den heutigen Sonntag war der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland als Prediger vorgesehen. Da er aber ausgerechnet heute in Berlin die EKD beim Jubiläum „40 Jahre Kirchengemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa“ vertreten muss, bin ich für ihn eingesprungen.

Gerade rechtzeitig zur Vorbereitung auf meine Predigt erhielt ich vor wenigen Tagen das kleine Büchlein „Heidelberger Glauben - 450 Jahre nach Erscheinen des Heidelberger Katechismus“. Es ist ein lesenswertes Buch - entstanden aufgrund einer Fragebogenaktion, bei der gefragt wurde: „Was glauben eigentlich die Heidelberger?“ Bezogen auf das Glaubenszeugnis des Heidelberger Katechismus zeitigt dieses Büchlein für mich zwei interessante Ergebnisse:

Einerseits lässt es erkennen, dass die vom Heidelberger Katechismus gegebenen Antworten auf Glaubensfragen eigenartig fremd daherkommen, zumal sie in einer Sprache verfasst sind, die heute nicht gerade leicht verständlich ist - Sie haben dies alle selbst eben bei der Lesung der Antwort auf die 37. Frage gemerkt.
Andrerseits zeigt das Buch, dass die Glaubensfragen des Heidelberger Katechismus höchst aktuell sind. So haben sich viele Heidelberger mit der Frage beschäftigt, was Schuld in ihrem Leben bedeutet. Und sie haben beschrieben, dass Schuld etwas zu tun hat mit der Zerstörung menschlicher Beziehungen, mit Selbstbezogenheit und Selbstverfehlung. Mit diesen Antworten sind sie nahe dran am Sündenverständnis der Bibel, das in der Reformation, so auch im Heidelberger Katechismus, wieder entdeckt wurde.

Wenn wir heute Morgen in einen Dialog mit der 37. Frage des Heidelberger Katechismus eintreten, dann werden wir auch diese zwiespältige Erfahrung machen, die in jenem Heidelberg-Büchlein dokumentiert ist. Auf die Frage „Was geschieht von Gott her, damit Leben Heil wird?“ haben in diesem Buch etliche das Heilshandeln Gottes als liebevolle Zuwendung und Annahme, als Erneuerung der Beziehung zu Gott durch seine Vergebung beschrieben, als Schutz vor Unheil, Hilfe und Trost in der Not. Was aber dem Heidelberger Katechismus so zentral wichtig ist, dass nämlich alles Heil für uns geschehen ist durch das Leiden Christi - das wird nur von ganz wenigen Heidelbergern so gesehen.

Und damit treten wir direkt ein ins Gespräch mit dem Heidelberger Katechismus und nähern uns seiner Antwort auf die Frage nach dem Heil bringenden Wert des Leidens Christi. Seine Antwort auf die Frage „Was verstehst du unter dem Wörtlein gelitten?“ mutet schon recht fremdartig an, und zwar nicht nur wegen ihrer sprachlichen Form. Ich will sogleich ehrlich gestehen, dass mir diese Antwort auch inhaltlich größte Probleme bereitet: Muss ich wirklich glauben, dass der leidende Christus „den Zorn Gottes wider die Sünde des ganzen menschlichen Geschlechts getragen hat“? Muss ich Jesu Tod am Kreuz von Golgatha wirklich als das „Sühnopfer“ verstehen, mit dem „er unsern Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöste“?

Um die Antwort des Heidelberger Katechismus verstehen zu können, müssen wir kurz zurückschauen in die Bibel und in die Geschichte der Kirche. Im alten Israel gab es ein bedeutsames Ritual, das Ritual des Sündenbocks: Am großen Versöhnungstag wurde ein Bock herbeigebracht. Ein Priester stemmte seine beiden Hände auf den Kopf des Bockes und bekannte über ihm alle Sünden des Volkes. Anstelle des schuldig gewordenen Volkes wurde dann der Bock - beladen mit der Sünde des Volkes - in die Wüste geschickt. Damit war die Sünde des Volkes weggeschafft. Später wurde dieses Ritual im Tempel von Jerusalem vollzogen. Der Hohepriester brachte dort Gott Tieropfer, Sündenböcke dar und erlangte so für das Volk Erlösung von aller Schuld. An diese Tradition des großen Versöhnungstages knüpft das Neue Testament an, wenn es den Tod Jesu deutet. Später wurde in der Alten Kirche diese Deutung zur Sühnopferlehre weiter entwickelt, nach der Gottes Zorn über die Sünden der Menschen durch das Opfer Christi am Kreuz gestillt werden müsse.

Jene große jüdische und christliche Kult- und Lehrtradition ist es, die hinter der Antwort des Heidelberger Katechismus steht. Diese in juristischen Kategorien der Satisfaktion denkende Heilslehre, diese Sühnopferlehre aber ist mir seit jeher höchst suspekt. Braucht Gott wirklich ein Menschenopfer, um versöhnt zu werden? Welche andere Möglichkeiten habe ich, das Leiden Christi in seiner Heilsbedeutung zu verstehen, ohne den Riss klein zu reden, der zwischen Gott und uns durch unsere Sünde entstanden ist? Mit diesen Fragen stelle ich zugleich Fragen an die Antwort des Heidelberger Katechismus. Und mit diesen Fragen teile ich gewiss meine Skepsis mit vielen von Ihnen, auch mit vielen, die sich auf das Projekt „Was glauben die Heidelberger?“ eingelassen haben. Das Wort vom Kreuz ist in der Tat eine Gotteskraft allen, die an Jesus Christus glauben. Aber wie kann ich dies Wort anders verstehen, als es mir der Heidelberger Katechismus anbietet zu verstehen?

Ich versuche eine Antwort, indem ich sage: Im Leiden Jesu wird nicht einem grimmigen Gott ein blutiges Opfer dargebracht, um ihm Genugtuung zu verschaffen. Jesus gibt sich freiwillig, aufopfernd dem Leiden hin. Er trägt alle Schuld, alles Leid der Welt hinauf aufs Kreuz. Und indem er dies stellvertretend für uns Menschen tut, tut er es uns zugute. Indem er sich verwunden lässt, öffnet er uns die Augen für unsere Wunden und hilft sie zu heilen. Nicht wir entledigen uns am Kreuz von Golgatha unserer Schuld, indem wir Jesus als Sündenbock gebrauchen. Sondern indem er auch unsere Schuld mit ans Kreuz trägt, werden wir befreit, unsere Schuld anzunehmen. Wir erkennen, dass wir in unserer Sünde jeder seinen, jede ihren eignen Weg geht: in unseren Familien, in unseren Ehen, in unseren Gemeinde, in unserer Kirche, in unserem Staat, im Miteinander der Weltfamilie. Wohin wir schauen: In unserer Selbstbezogenheit geht jeder seinen, geht jede ihren eigenen Weg. Dies ist unsere Sünde. Und diese Sünde erkennen wir im Blick auf den leidenden Christus, der gerade nicht seinen eigenen Weg geht, sondern einen Leidensweg, der anderen zugute kommt.

So hat Jesus Christus mit seinem Leiden und mit seinem Tod am Kreuz einen neuen Bund zwischen Gott und Mensch gestiftet. Er hat Heilvolles für uns getan. Er hat uns den Zugang zum heiligen Gott geöffnet. Am Kreuz hat er seine Arme so ausgestreckt, als wolle er eine Brücke zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und uns Menschen schlagen. Endgültige Erlösung ist angesagt. So kann ich mit den Worten des Heidelberger Katechismus glauben, dass ich durch das Leiden Christi erlöst bin von ewiger Verdammnis und ewiges Leben erworben habe.

Ja, das Leiden Christi wirkt Erlösung von unserer Sünde. Schütteln wir nicht zu früh den Kopf über diesen Gedanken. Wir kennen doch unser ständiges Bemühen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wir kennen doch unsere Versuche, uns selbst und unser Leben selbst zu inszenieren. Wir kennen doch unsere Gottvergessenheit und Selbstbezogenheit. Wir wissen doch, wie wir ständig um uns selbst kreisen. Wir wissen doch um unsere Sünde der kurzatmigen Selbstverwirklichung auf Kosten anderer. Wir wissen doch, wie sehr wir durch Schuld und Sünde getrennt werden können von anderen. Wie oft machen wir andere Menschen zu Opfern unseres Durchsetzungswillens oder zu Sündenböcken für unsere Verfehlungen. Wie oft opfern wir andere auf dem Altar unseres Ehrgeizes oder opfern gar unser eigenes Ich für angeblich höhere Zwecke. Auch produzieren wir durch menschliches Fehlverhalten ständig Opfer, sei es im Straßenverkehr, sei es durch den von uns verursachten Klimawandel oder durch unverantwortliches Konsumverhalten. 

Sage niemand, dass wir die Sünde überwunden hätten. Und wenn wir genau in uns hinein horchen, dann wissen wir genau, wie sehr uns diese Sünde immer wieder neu von Gott trennt. Wir kennen das Gefühl, mit uns selbst eben nicht im Reinen zu sein. Uns unrein und schmutzig zu fühlen. Und manchmal ekeln wir uns dann vor uns selbst, weil wir spüren, dass wir nicht so leben, wie es uns und den anderen Menschen gut tun würde. Und wie schmerzhaft es dann ist, wieder zu uns selbst zu finden, zu eigener Schuld zu stehen und mit dieser Schuld vor Gott zu treten. 

Wie kommen wir heraus aus der Knochenmühle der Sünde? Wie können wir mit Gott ins Reine kommen? Wie können wir mit unserer Unfertigkeit, mit unserer Schuld zurechtkommen angesichts der Heiligkeit Gottes? Opfertiere, Sündenböcke haben wir nicht mehr - wie im alten Israel - auf die wir unsere Unreinheit und Schuld übertragen könnten! Wie gut tut es dann zu wissen: Im Leiden Christi leidet Gott selbst mit uns. Gott selbst hat alle Schuld und Sünde, alle Unheiligkeit und Unreinheit ans Kreuz von Golgatha getragen. In dem Gekreuzigten hat sich Gott selbst zum Opfer gemacht. Und so wurde das Kreuz zum Ort der Gegenwart des himmlischen Gottes auf der Erde. Zur Brücke zwischen Himmel und Erde. Zum Ort, an dem alles aus der Welt geschafft ist, was uns sündige Menschen vom heiligen Gott trennt. Der Weg zu Gott ist offen - ein für allemal. Gott wird nie mehr Nein sagen zu uns, seit er Ja gesagt hat zu Jesus, dem Leidenden und Gekreuzigten. Alles Entscheidende ist getan. „Es ist vollbracht!“

Natürlich werden wir weiterhin erleben, dass wir zurückfallen in alte Denk- und Verhaltensmuster. Aber wir sind befreit aus dem Teufelskreis kaputt machender Selbstinszenierung. Wir brauchen uns nur gefallen zu lassen, was Gott für uns am Kreuz von Golgatha getan hat. Gott hat am Kreuz von Golgatha auch unsere Sünden weggenommen. Befreit von der Macht der Sünde können wir leben.

Nun ist der Riss zwischen Gott und uns Menschen geheilt. Gott selbst geht in Jesus Christus den Weg hinunter zu uns. Der leidende Gott, das ist der Gott, der mit uns leidet, unsere Schuld mitträgt, die uns zu schwer ist. So versöhnt Gott sich mit uns, versöhnt er die sündige Welt mit ihm. Und nun wissen wir: Für uns ist das geschehen, was Christus erlitten hat. Für uns! Zu unserm Heil! Zu unserer Erlösung! Im tiefsten Dunkel des Leidens begegnet uns Gott. Nun können wir jubelnd mit Paulus rufen: Nichts mehr kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist. Amen.

Landesbischof Dr. Ulrich Fischer

 

Ansprache Daniel in der Löwengrube 2013

„Erschöpfter Papst-erschöpfter Glaube“ unter diesem Motto stand eine Talkshow am Donnerstagabend. Ist etwas Wahres daran? Ist unser christlicher Glaube erschöpft, ausgeschöpft? Woher kommt die Erschöpfung, die sich in unserer Gesellschaft, aber auch in unserer Kirche breit macht? Schon Schüler sind erschöpft, können nicht mehr abschalten, nicht zur Ruhe kommen. Das ist ein Problem unserer Zeit, von dem die Kirche nicht ausgeschlossen ist.

Die Fastenzeit, die mit dem heutigen Sonntag in unseren evangelischen Kirchen beginnt, wäre eine Möglichkeit, einmal darüber nachzudenken, was Glaube ist, wie er sich auswirkt und wogegen er sich wehren muss. Die Geschichte von Daniel in der Löwengrube, die inzwischen mehr als 2500 Jahre alt ist, nimmt diese für uns heute hoch aktuelle Thematik auf.
 
Invocavit, Das ist Latein und heißt übersetzt „er hat Gott angerufen“.
 
In der Geschichte, die in Babylon, dem heutigen Irak spielt, geht es um Daniel. Daniel ist ein Mann aus dem jüdischen Volk. Er und viele seiner Bekannten, Verwandten und Freunde waren aus ihrer Heimat Israel von den Soldaten des Königs Nebukadnezar nach verlorenem Krieg ins Exil nach Babylonien verschleppt worden. Viele Jahre müssen sie als Fremde, als Vertriebene in fremdem Land mit fremder Kultur, anderer Sprache, anderen Sitten und Gebräuchen, einer anderen Herrschaftsstruktur leben. Daniel ist klug, gescheit, und er ist ein frommer Jude. Von allen Königen, die während seiner Zeit in Babylon herrschen, wird er sehr geschätzt, als Traumdeuter, als Ratgeber, als Mensch, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Natürlich zieht diese Würdigung eines Ausländers, eines Fremden Neider auf den Plan. Unter dem König Darius, der Daniel viele Freiheiten in seiner Religionsausübung lässt, wird von diesen Neidern am Hof des Königs eine Intrige gesponnen. Die Schleimer am Hof überreden den König, der nicht frei ist von Eitelkeiten, (aber wer ist das schon?) ein Gesetz zu erlassen, dass für 30 Tage nur gestattet war, sich an Darius als Ansprechpartner für Bitten und Gebete zu wenden. Darius fühlte sich dadurch wohl geschmeichelt und stimmte zu. Jeder, der das Gesetz übertrat, musste den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Ein Gesetz der Meder und Perser durfte niemals außer Kraft gesetzt werden, selbst der König hatte sich daran zu halten. Die Feinde Daniels wussten sehr wohl, dass Daniel sich an dieses Gebot, nur Darius anzubeten, nicht halten würde. Er betete regelmäßig zu Gott, zu seinem Gott, dem Gott Israels. Dabei wurde er erwischt und so musste Darius ihn in die Löwengrube werfen, ob er wollte oder nicht. Erst dann durchschaute der König die Intrige, der er auf den Leim gegangen war.
 
Der Glaube der Fremden war den Babyloniern suspekt. Sie konnten nicht verstehen, dass sich die Israeliten nicht mit Sprache, Essensgewohnheiten, Religion dem Land des Exils anpassten. Fremde, Menschen, die anders aussehen, anders sprechen, eine andere Religion haben, hatten es schon immer schwer in der Menschheitsgeschichte. Das ist heute nicht anders als vor 2500 Jahren. Jahrtausende hindurch wurde das Judentum angegriffen. Heute erfahren wir als Christen sogar in unserem Land, was es heißt, wegen seiner Religion ständig negativ in den Medien und im Ansehen von vielen Gruppen in der Gesellschaft zu stehen. Sehr viel haben wir als Kirchen und als Einzelne falsch gemacht, das ist richtig, aber inzwischen wird Christentum ganz grundsätzlich verurteilt. Die Botschaft wird nicht mehr unterschieden von den Menschen, die sie vertreten. Allerdings hielten die Juden im Exil zusammen, zumindest nach außen. Sie wussten sehr genau, dass sie verloren waren, wenn sie in der Öffentlichkeit gegeneinander kämpften oder sich schlecht machten. Das können wir heute vielleicht aus den biblischen Geschichten lernen. Nur gemeinsam sind wir stark und können unseren Glauben leben und werbend weiter geben.
 
Darius musste Daniel den Löwen vorwerfen. Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich Darius seiner eigenen Eitelkeit schämt. Es ist ihm schlimm, dass der, den er eigentlich sehr geschätzt hat, nun unter seinem Ego leiden muss. Darius weiß, wie sehr Daniel seinem Gott vertraut und hofft, so seine Aussage, dass dieser Gott ihn nun auch beschützen wird. Die Geschichte endet so, dass die Löwen Daniel tatsächlich ungeschoren lassen. Gott ist mit dem, der sich ihm anvertraut, auch in schwierigsten Zeiten. Das soll deutlich werden.
 
Biblische Geschichten sind Menschheitsgeschichten. Sie zeigen, wie Menschen sich verhalten, was Missgunst und Neid für tödliche Fäden spinnen können. Sie zeigen, wie sehr Menschen Schmeicheleien unterworfen sind, wie schwer es Menschen haben, die gegen den Strom schwimmen. Und sie wollen immer wieder dafür werben, sich durch alles schlimm Menschliche nicht kaputt machen zu lassen, sich nicht vom Glauben an einen begleitenden Gott abbringen zu lassen. Selbst wenn sich die Umgebung aufführt wie ein brüllender Löwe, will Gott Kraft geben, sich gegen dieses Gebrüll und die Angriffslust aufzulehnen. Daniel ging in die Löwengrube und vertraute darauf, dass Gottes Wille geschah. Er wusste nicht, ob er ihn beschützen würde oder ob die Löwen ihn fressen würden. Der Ausgang war für ihn ungewiss. Sicher fürchtete er sich auch. Und doch stand er zu dem, was sein Leben ausmachte, zu seinem Gott und zu seinem Glauben. Sicherlich, das brachte ihm Verachtung ein, Angriffe, Intrigen, aber er bekam auch Respekt. Darius jedenfalls wurde sehr nachdenklich.
 
Was hat das alles mit dem Heidelberger Katechismus zu tun? Einiges: Die Einteilung des Heidelberger Katechismus mit seinen 129 Fragen und Antworten ist mit drei Überschriften versehen: Vom Elend, von der Erlösung, von der Dankbarkeit. Diese drei Überschriften sind in der Geschichte von Daniel in der Löwengrube erkennbar. Das Elend der Intrige und der Strafe, die Erlösung von dem Tod durch die Löwen, die Dankbarkeit gegenüber Gott, der Daniel nicht allein ließ. Außerdem bekommt auch die Frage 1 in dieser Geschichte große Bedeutung. Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Daniel konnte darauf antworten, dass er wusste, dass er im Leben und im Sterben zu Gott gehörte.
 
Ja, wir haben heute mit den Löwen der Missgunst, der Anklage, der Angriffe, der Erschöpfung und der Hetze zu tun, aber auch wir können darauf vertrauen, dass Gott uns nicht allein lässt. Darüber neu nachzudenken, darauf letzten Endes zu vertrauen, das ist eine Gelegenheit in der Fastenzeit. Durch härteste Wüstenzeiten musste Jesus gehen, an dessen Leidensweg wir uns in der Passionszeit erinnern. Aber an Ostern sah er das Licht der Auferstehung, der warmen Sonne.
 
Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug
 

Gottesdienst am 10. März mit der Tanzcompanie des Heidelberger Theaters

Liebe Gemeinde,
 
Der Heidelberger Katechismus, der weltweit in vielen Kirchen Orientierung für Glaubensfragen gibt, feiert in diesem Jahr sein 450-jähriges Jubiläum. In Zusammenarbeit zwischen Politik und Kirche sind im Jahr 1563 in Heidelberg 129 Fragen und Antworten zu Glaubensfragen entstanden. Immer wieder haben sich Menschen in den 2000 Jahren der Geschichte des Christentums Gedanken gemacht über biblische Texte und deren Inhalte. Leichte Kost ist keine Religion, auch das Christentum nicht. Der nahe und doch immer wieder ferne Gott ist eine Provokation, eine Herausforderung an Intellekt und Herz. Wo ist Gott, wenn wir ihn brauchen, warum lässt er Schreckliches zu, bei Menschen und in der Natur? Wie kann man sich die Auferstehung vorstellen? Wie kann jemand gleichzeitig Mensch und Gott sein? Was bedeutet die Himmelfahrt, wo und was ist der Himmel eigentlich? Sind religiöse Menschen bessere Menschen? Sind die Texte der Bibel Wort für Wort Gottes Wort oder bedürfen sie der Auslegung und jeweiligen Übertragung in die Zeit? Alles Fragen, die uns nicht nur heute bewegen, sondern die seit Jahrtausenden Gesprächs- und Konfliktstoff geben.
 
Es ist das große Verdienst der Katechismen, seien es die von Martin Luther oder die des Heidelberger Katechismus, dass sie versucht haben, einige Fragen zu beantworten. Luther tat es im Kleinen Katechismus kurz und knackig, in einer Sprache, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene damals verständlich war. Ursinus schrieb im Heidelberger Katechismus sehr viel ausführlicher und auch in einer sehr viel anspruchsvolleren Sprache. Beide aber wollten Glauben und Glaubensinhalte verständlicher machen, auslegen, erklären.
 
Der Heidelberger Katechismus ist in drei unterschiedlich lange Stücke aufgeteilt:
  • Von des Menschen Elend
  • Von des Menschen Erlösung
  • Von der Dankbarkeit
Es ist eindeutig von der Frage 1 bis zur Frage 129, dass sich der Heidelberger Katechismus an Menschen wendet, „deren Trost im Leben und im Sterben“ Jesus Christus ist. Die Fragen und Antworten sind keine Einführung in den Glauben, sondern Hilfen für den Glaubenden. Dabei ist sehr wohl zu bedenken, dass wir manche Fragen und mehr noch manche Antworten heute anders formulieren würden als vor 450 Jahren. Glaube muss Antworten für die jeweilige Zeit geben.
 
Interessant finde ich bis heute diese Dreiereinteilung Elend, Erlösung, Dankbarkeit. 
Elend, Erlösung und Dankbarkeit sind Gefühle, die man ganz unterschiedlich ausdrücken kann, in Worten, in Mimik, in Musik, im Tanz.
Wir sind sehr dankbar dafür, dass sich die Heidelberger Tanzcompanie des Theaters bereit erklärt hat, diesen Gottesdienst mit zu gestalten und uns einen Eindruck zu geben von dem, was wir heute unter Elend verstehen, wie wir uns bei dem Wort Erlösung fühlen und wieso aus Erlösung von Elend Dankbarkeit folgt.
 
Bei Elend bin ich als Mensch ganz in mich zusammengesunken. Elend trifft mich, durch Krankheit, Tod, Enttäuschung, Verlust, Verzweiflung, Zerrissenheit. Elend bricht den aufrechten Gang. Im Elend bin ich gekrümmt, schaue nach unten, bin gefangen und konzentriert in meinem Schmerz. Einsamkeit und Verlassenheit erlauben nicht den Blick nach außen.
 
Erlösung kann ich nur empfinden, wenn ich Trauer und Schmerz durchlebt habe, wenn ich sie zugelassen habe, mit ihnen gekämpft habe. Erlösung ist das Akzeptieren einer Handlung von außen. Erlösen kann sich der religiöse Mensch nie allein. Erlösung kommt von außen, von Gott. Fesseln der Verkrümmung, der Angst, der Einsamkeit und der Verlassenheit werden gelöst. Ganz unterschiedlich mag diese Erlösung erfahren werden, durch einen Menschen, durch Musik, durch Tanz, durch das Erwachen aus Dunkelheit und den wieder offenen Blick für Farben. Wie auch immer Erlösung erfahren oder erlebt wird, das Ergebnis ist, dass der aufrechte Gang wieder eingeübt werden kann, dass die Verkrümmung in und auf mich selbst gelöst wird. Der Blick wird wieder weit. Andere und anderes kommt wieder in den Blick. Ein wunderbares Bild zu diesen Erfahrungen bietet die biblische Geschichte von Jona und dem Wahl. Jona war ein Mensch, der in Dunkelheit und Enge gefangen war, der nur noch unüberwindbare Wände vor sich sah, die auch bei Berührung keinen Halt gaben, sondern nachgaben. Jona sitzt, auf sich selbst und sein Elend bezogen, allein in Dunkelheit. Erst durch die Musik, in diesem Fall, wird er wieder ausgespuckt in die Welt hinein, in ein Leben mit Gott und mit anderen Menschen. Erst durch die Musik konnte er wieder Farben sehen, festen Grund unter den Füßen bekommen, aufrecht gehen und stehen.
 
Die Konsequenz aus der Erlösung, aus der Öffnung für andere und anderes ist für religiöse Menschen Dankbarkeit. Wenn mich Gott aus dem Elend erlöst, dann bin ich ihm dankbar. Der Blick, der im Elend auf den Boden gerichtet war, in der Erlösung wieder auf Augenhöhe mit anderen sein konnte, wird in der Dankbarkeit nach oben gerichtet. Warum eigentlich nach oben? Vielleicht weil wir uns Gott als eine Größe vorstellen, deren Macht eben über unser Denken und Verstehen hinausgeht. Zu Größe schaut man auf. Dankbarkeit ist Singen, ist Tanzen, ist Geben. Dankbarkeit macht menschlich. Ein dankbarer Mensch weiß, dass er nicht alles allein unter Kontrolle hat, dass er als Egoist nicht leben kann und will. Dankbarkeit ist Schwerelosigkeit, Hüpfen, es ist aber auch dass andere mit an die Hand genommen werden. Dankbarkeit öffnet sich für Gott und Mensch. Ein dankbarer Mensch kann Größe sehen, akzeptieren, schätzen. Auch hier kann auf einen sehr eindrücklichen und hilfreichen Text der Bibel hingewiesen werden. Im Psalm 103 heißt es: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.
 
Dankbarkeit heißt Wertschätzung. Dadurch, dass ich als wichtig und wertvoll von Gott angesehen werde, kann ich auch andere wertschätzen und ihnen Wertschätzung geben.
 
Elend, Erlösung, Dankbarkeit. In Bildern gesprochen bewegen wir uns in diesen Schritten von der Hölle, auf festen Boden, in den Himmel hinein. Und das alles auf der Erde, in unserem je eigenen Leben und Handeln, in der Wahrnehmung der Welt und unserer Mitmenschen.
 
Wenn diese Bilder lebendig in uns bleiben, dann hat der Heidelberger Katechismus mit seiner Einteilung auch heute noch Auswirkungen auf unser Verhältnis zu Gott, Mensch und Natur.
 
In der Tanzchoreographie haben wir eine heutige Interpretation dazu gesehen. In Bildern konnte jeder für sich erspüren, wo Elend, wo Erlösung und wo Dankbarkeit zu erkennen war. Ein neuer Weg zur Vermittlung von Glaubensinhalten, -fragen und –erkenntnissen wurde heute durch Sie eröffnet. Danke.
Amen
 
Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug
 
 

Kleines Buch - große Wirkung: Der Heidelberger Katechismus hat 450. Geburtstag

"Der Heidelberger" - ein bekannter Unbekannter

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“
Mit dieser Frage nach einem letzten und unverbrüchlichen Halt in unserer Existenz beginnt der Heidelberger Katechismus.  
Der „Heidelberger“, wie das kleine Büchlein auch kurz genannt wird, hat seit seiner Entstehung im Jahr 1563 eine dreifache Bedeutung im Leben christlicher Gemeinden. Einmal ist er von Anfang an eigenständiges Lehr- und Lernbuch für den Religionsunterricht; weiter dient der Katechismus bis in die Gegenwart hinein als Grundlage von Predigten in christlichen Gottesdiensten, besonders in den Niederlanden und in den USA. Schließlich fanden und finden viele Christinnen und Christen Trost, Orientierung und Stärkung im Glauben bei der persönlichen Lektüre des Buches. 
Der Heidelberger Katechismus wird in der ganzen Welt gelesen; die Vielzahl seiner Übersetzungen, von Afrikaans bis Vietnamesisch, spiegelt die wahrhaft globale Bedeutung dieser grundlegenden protestantischen Bekenntnisschrift.  Wer beispielsweise unter youtube das Stichwort "Heidelberg catechism" eingibt, stößt unter anderem auf eine glaubensstarke Verbindung von Bekenntnis und amerikanischer Rap-Musik.
Darüber hinaus haben sich christliche Kirchen in Form oder Inhalt immer wieder am Heidelberger Katechismus orientiert, wenn es darum ging, in der jeweiligen Gegenwart öffentlich Stellung zu beziehen. Das wirkmächtigste theologische Stellungnahme gegen den Nationalsozialismus, die Barmer Theologische Erklärung von 1934, war ebenso vom Heidelberger Katechismus beeinflusst wie die sogenannte Erklärung von Belhar (Südafrika), die sich 1986 gegen das Apartheidregime wandte.   
Dabei ist der Katechismus aus dem Jahre 1563 heute nicht mehr allzu bekannt, nicht einmal am Ort seiner Entstehung. Eine Anekdote aus dem Heidelberger Stadtrat mag dies verdeutlichen. Prof. Frieder Hepp, der Direktor des Kurpfälzischen Museums, stellte vor dem Stadtparlament die Konzeption der großen historischen Ausstellung zum Heidelberger Katechismus vor. In der Sitzung meldete sich nun ein Stadtrat zu Wort, und meinte, er könne ein militaristisch angehauchtes Ausstellungsprojekt unmöglich unterstützen. Auf die verblüffte Nachfrage, woher er denn die Verbindung zwischen Militarismus dem 450 jährigen Jubiläum des Heidelberger Katechismus sehe, stellte sich heraus: Der Mann hatte das Wort "Katechismus" ("Lehre, Unterricht") mit dem Wort "Katapult" („kriegstaugliche Wurfmaschine“) verwechselt.
  
Reformierte Frömmigkeit zwischen Staatskunst und Kirchenleitung. Wie entstand der Heidelberger Katechismus?
Nun ist der Heidelberger Katechismus nicht nur von einem Namen her auf das Engste mit der Stadt am Neckar verbunden. Er hat vielfältige Wurzeln in der Heidelberger Stadtgeschichte;  hierbei spielen der Kurfürst Friedrich III ("Der Fromme") (1515-1576) und der aus Breslau stammende Theologe Zacharias Ursinus (1534-1546) eine herausragende Rolle.
Kurfürst Friedrich III. war ursprünglich im katholischen Glauben aufgewachsen und erzogen worden. Durch seine Ehefrau Maria von Brandenburg-Kulmbach, eine lutherische Protestantin, wesentlich geprägt, fühlte sich Friedrich zunehmend dem neuen reformatorischen Glaubensverständnis verbunden.
Als der "Fromme Fritz", wie der Kurfürst volkstümlich bezeichnet wurde, im Jahre 1559 die Regentschaft in der Kurpfalz übernahm, waren die kirchlichen Verhältnisse reichlich ungeordnet. Die bisweilen mit grotesker Verbissenheit geführten Heidelberger Streitigkeiten bieten dabei ein lokales Beispiel für die enormen konfessionellen und politischen Verwerfungen, die im 16. und 17. Jahrhundert in der Folge der Reformation Europa erschütterten.   
Friedrichs Vorgänger, der legendäre, lutherisch gesinnte Kurfürst Ottheinrich (1502-1559), hatte es nicht vermocht, die theologischen und kirchenpolitischen Streitigkeiten in seinem Herrschaftsgebiet zu befrieden. Ottheinrich und nach ihm Friedrich III. wurden vor allem auch mit innerprotestantischen Spannungen zwischen den Anhängern Martin Luthers und den Gefolgsleuten des Schweizer Reformators Johannes Calvin konfrontiert. Besonders drastisch entlud sich die gravierendste theologische Differenz zwischen Lutheranern und Calvinisten, nämlich der Lehrunterschied in der Frage der Präsenz Jesu Christi im Abendmahl.  Es kam zu Handgreiflichkeiten zwischen zwei Pfarrern während eines Gottesdienstes in der Heiliggeistkirche, die anschließend auf dem Marktplatz fortgesetzt wurden. Friedrich entließ die beiden uneinsichtigen Streithähne.
Friedrich war aber theologisch keineswegs meinungsscheu. Eine von ihm selbst organisierte akademische Disputation im Jahre 1560 überzeugte den Kurfürsten vom Recht der Abendmahlsauffassung Calvins, wonach Jesus Christus in Brot und Wein symbolisch, aber nicht (geheimnisvoll) leiblich präsent sei.
Die Wendung des Kurfürsten zum Glaubensverständnis Calvins hatte Folgen. In Heidelberg übernahmen mehr und mehr reformierte Theologen, Juristen und Verwaltungsfachleuten aus ganz Europa wichtige Ämter in Kirche, Universität und Politik. Für die Entstehung des Heidelberger Katechismus maßgebend war dabei Zacharias Ursinus, der nach Heidelberg gerufen worden war, um an einer Universitätsreform mitzuwirken. Ihn beauftragte Friedrich mit der Erarbeitung klarer Lehrgrundlagen für Kirchen und Schulen. Eine solche Zusammenfassung der christlichen Lehrgrundlagen erschien ihm als Grundlage eines friedvollen Gemeinwesen für unabdingbar.
Der Universitätstheologe Ursinus schuf auftragsgemäß zunächst zwei Katechismen. Ein größerer war für ältere Schüler und Studierende der Theologie gedacht, der kleinere sollte in pädagogisch angemessener Weise Kinder und Jugendliche in die grundlegenden Lehren des Christentums einführen. Eine Kommission verband schließlich die beiden Katechismen zu einem Werk, das am 19. Januar 1563 feierlich veröffentlich wurde. Staatliche Obrigkeit und kirchliche Leitungsgremien hatten eng zusammen gearbeitet. Der Kurfürst selbst hatte ein Vorwort geschrieben und sich möglicherweise auch um die Zuordnung von Bibeltexten zu den Antworten des Katechismus gekümmert. 
Noch im selben Jahr wurde der Heidelberger Katechismus in einer neuen Kirchenordnung abgedruckt, die der Kurfürst in Auftrag gegeben hatte. Damit war das kleine Büchlein endgültig zur Bekenntnisgrundlage in der Kurpfalz geworden.
 
"Warum bist Du ein Christ genannt?" - Aufbau und Anliegen des Heidelberger Katechismus
Wie alle Katechismen will der Heidelberger Katechismus auf die Frage antworten: Was muss ein Mensch eigentlich unbedingt wissen, wenn er sich als Christ oder Christin bezeichnet? Die 129 Fragen und Antworten sind dabei auf drei große Abschnitte verteilt.  Sie handeln „Von des Menschen Elend“, „Von des Menschen Erlösung“ und „Von der Dankbarkeit“. Grundaussagen über Gott, den Menschen und Jesus Christus stehen neben Passagen über die Kirche und die christliche Ethik.
Innerhalb dieser drei Abschnitte werden nun fünf Themen behandelt, die schon Martin Luther in seinen Katechismusentwürfen zum Kernbestand des Glaubens zählte. Diese sogenannten fünf „Hauptstücke des Glaubens“ und die im „Heidelberger“ zugeordneten Fragen und Antworten sind:
 
1.   das Apostolische Glaubensbekenntnis (Heidelberger Katechismus Frage 23-64)
2.   die Taufe (Heidelberger Katechismus Frage 69-74)
3.   das Abendmahl (Heidelberger Katechismus Frage 75-82)
4.   die Zehn Gebote (Heidelberger Katechismus Frage 92-115)
5.   das Vaterunser   (Heidelberger Katechismus Frage 116-129)
 
Die theologischen Grundlinien des "Heidelbergers" werden in diesem Gefüge immer wieder in unterschiedlichen Sinnzusammenhängen durchgespielt.   Danach sind Menschen Geschöpfe Gottes, existieren aber auch mit einem vielfältig verdunkelten und zutiefst durch die Sünde geprägten Leben. Dieses Leben ist aber nicht nur erlösungsbedürftig, sondern um Jesu Christi willen auch der Erlösung fähig. Menschen können dies im Glauben erkennen und als Trost des Glaubens dankbar empfangen. So wächst aus der Dankbarkeit mitten in der Welt die Freiheit und Kraft zum guten Handeln und auch die Hoffnung angesichts des Todes.
 
"Mit freiem Gewissen" zwischen Zuspruch und Widerspruch. Der Heidelberger Katechismus in der Gegenwart.
Die Sprache des Heidelberger Katechismus erscheint (gerade im Gegensatz zu Luthers Katechismen) oft lehrhaft und steif, häufig auch anstößig und hart. Dies gilt natürlich zunächst für die Antwort zur berühmten Frage 80, in der das katholische Verständnis der Eucharistie als "vermaledeite Abgötterei" bezeichnet wird. Diese schroffe Bewertung ist im Gefüge des Katechismus theologisch durchaus folgerichtig und mehr als eine bloße Hasstirade. In heutiger ökumenischer Perspektive aber ist eine in Wort und Sinn andere Sprache vonnöten, um bestehende Unterschiede zwischen den Konfessionen angemessen zu formulieren und an deren notwendiger Überwindung zu arbeiten.
Der Katechismus spricht gleich zu Beginn lange über die menschliche Sünde. Sicher läuft dies manchen heute oft lautstark propagierten Patentrezepten zur allseitigen menschlichen Selbstvervollkommnung entgegen.  Die vielfältigen Brüche und Abgründe im menschlichen Miteinander und im Verhältnis des Menschen zu sich selbst sind aber auch in der Gegenwart nicht weniger geworden. Eine Ausgabe der Tagesschau ist als Beleg hierfür überzeugend genug. Der Blick auf "des Menschen Elend", das bis weit in unser Verhältnis zu Gott hineinreicht, ist darum keine verkniffene Schwarzmalerei. Er gehört zu einer realistischen Weltsicht und einer klugen Selbsteinschätzung unbedingt dazu. 
Der Heidelberger Katechismus gründet andererseits seine Hoffnungssätze immer neu auf der Person und dem Handeln Jesu Christi. Für eine christliche Gemeinde der Gegenwart ist es ebenso anspruchsvoll wie facettenreich, in und mit dieser Botschaft auch in einer religiös pluralen Situation glaubensgewiss und zugleich tolerant zu leben. Glaube ist aber nicht mit tatenlosem Stillstand zu verwechseln. "Der Heidelberger" freut sich denn auch an der Möglichkeit getrösteter Lebenserneuerung (Frage 86). Er kennt die reale Chance, mit "Freude, Lust und Liebe in allen guten Werke zu leben." (Frage 90).
Das sind auch befreiende Perspektiven um als einzelner Christenmensch "mit freiem Gewissen " (Frage 32) die eigene Lebenszeit inmitten aller Schönheiten, Widrigkeiten und Brüche des menschlichen Daseins zu gestalten.
 
Schuldekan Dr. Ulrich Löffler
 
Karin Wilke
Pressereferentin EkiHD
Quelle: Karin Wilke