Repertoire und Kritiken

Johann Sebastian Bach, Kantaten 36 und Kantaten 10, Magnificat (BWV 243), 1.12.2018

Quelle: RNZ Simon Scherer

 
 
J. Brahms, Liebeslieder und doppelchörige Motetten von F. Mendelssohn-Bartholdy, 28.4.2018
 
 
 
Chorfest: Händel, Messiah, 30.6.2017
Rhein-Neckar-Zeitung
(3.7.2017):

 

Quelle: RNZ
 
 
Chorfest: Händel, Messiah zum Mitsingen, 1.7.2017
Rhein-Neckar-Zeitung (3.7.2017):
 
 
Quelle: RNZ Labrenz
 
 
Hübner-Gedächtnikonzert, 11. März 2017
Rhein-Neckar-Zeitung
(14.3.2017):
 
 

Quelle: Simon Scherer
A. Dvorák, Requiem, 12. November 2016
Rhein-Neckar-Zeitung
(17.11.16):
 
Quelle: RNZ Simon Scherer
 
 

J.S. Bach, Weihnachtsoratotium, 26. Dezember 2015,
Rhein-Neckar-Zeitung (28.12.15):

Feines Konzert in Heiliggeist
Michael Braatz-Tempel leitete Bachs Weihnachtsoratorium
(von Rainer Köhl)

Proppenvoll war die Heidelberger Heiliggeistkirche am zweiten Weihnachtsfeiertag: kein Wunder, wenn Bachs Weihnachtsoratorium aufgeführt wird. Mit den Kantaten 1 bis 3 war hier die Kantorei der Friedenskirche Handschuhsheim zu Gast.

Locker-leicht und animiert ertönte der Eingangschor Jauchzet, frohlocket und auch des Weiteren gefiel der von Michael Braatz-Tempel geleitet Chor durch rhythmischen Schwung in den großen Chören, durch geschmeidig durcheilten Koloraturenjubel in dem Ehre sei Gott in der Höhe. Ausgesprochen lieblichen, innigen Charakter erhielten die Choräle, vor allem dadurch, dass hierbei der Kinderchor, die Kurrende mitsangen und dadurch einen sehr reinen, engelhaften Chararakter erzeugten.

Der Tenor Johannes Kaleschke sang die Evangelistenpartie und machte schönste klangliche Lukullik aus dem Bericht: Überaus genüsslich und wohlklingend malte er jede Phrase aus, ließ die Worte und Töne gleichsam auf der Zunge zergehen.

Wunderbar feine Nuancen entwickelte er dabei. Und die Tenorarie war gleichfalls vom Feinsten, so wie sie aus der Kehle des Sängers strömten: In fabelhafter Technik und federleicht durchpulste er die Koloraturenketten in Frohe Hirten, eilt.

Lena Sutor-Wernich sang die Altarien mit lyrisch wolkigem Timbre, sanft und gleichzeitig weich getönt, schönste Voraussetzung für das Schlafe, mein Liebster. Feine Subtilität und sanfte Hingabe legte sie in die Arie Schließe, mein Herze.

Katharina Sellschopp-Meister sang die Sopranpartie, gab dem Rezitativ des Engels schönsten Verkündigungscharakter und gestaltete darüber hinaus das Duett mit dem Bass in bester Geschmeidigkeit. Matthias Horn sang die Bassarien mit würzigem Organ, von einer schmiegsam strahlenden Solo-Trompete begleitet in Großer Herr, o starker König.

Sehr viel Farbe brachte ebenso die Kammerphilharmonie Mannheim in die Aufführung ein, schmiegsame Tönungen und schönste Beredsamkeit. Im schäfchenweich zarten Pastorale-Idyll der Sinfonia ebenso wie in den arienbegleitenden Soli.

G.F. Händel, Dettinger Te Deum, und J.S. Bach, Kantate 29, 12. Juni 2015,
Rhein-Neckar-Zeitung (15.06.15):

Euphorisch  ins  Jubiläumsjahr 

Kantorei der Friedenskirche  feiert 1250  Jahre Handschuhsheim
Musikalische Eröffnung der Festwoche

(von Simon Scherer)

 

Wenn in diesen Tagen Handschuhsheim auf sein 1250-jähriges Bestehen zurückschaut und der Blick auf  das Wahrzeichen dieses Stadtteils Heidelbergs fällt, ragt hinter der Tiefburg eine weitere Sehenswürdigkeit empor: Seit über 100 Jahren schallt in der Friedenskirche aber nicht nur zu Gottesdienstzeiten Musik den Kirchturm empor, da sich in ihren Hallen verschiedenste Chöre zusammenfinden, deren derzeitiger Leiter Michael Braatz-Tempel vor zwei Jahren sogar zum Bezirkskantor berufen wurde. So durfte auch zum Einstieg in die Jubiläumswoche ein Konzert der Kantorei nicht fehlen, die mit der Kammerphilharmonie Mannheim wieder ihren altbewährten Partner an der Seite hatte.
 
Nachdem in der einleitenden Sinfonia von Bachs „Wir danken dir, Gott, wir danken dir“ Orgel (Beate Rux-Voss) und Orchester schließlich dasselbe Tempo gefunden hatten, schickte der Chor seine erste Klangwoge über die Gemeinde. Gut ausbalanciert und mit angenehm temperierter Stimmfärbung schmiegten sich die Sänger zielsicher an den interpretatorischen Leitfaden an, den Michael Braatz-Tempel mit klar strukturiertem Dirigat vorgab. Neben einem souveränen Konzertmeister offenbarte Sebastian Hübner, Stamm-Tenor der Friedenskirche, schon in kleinen Auftakten eine Wärme im Klang, die jeden Ton mit unglaublichem Zartgefühl ausmalte. Bei einem Sprung in die obere Oktave wurde so manches Herz weich, große Anteilnahme an seinen klar artikulierten Worten folgte. Nicht weniger Aussagekraft besaß der Bass von Matthias Horn. Bei Cordula Stepp war es allein die leicht hauchige Note, die den Genuss ihres schier endlos auf- und abschwingenden Soprans schmälerte. Der ausgereifte Glanz ihrer Stimme wusste jede Atempause perfekt zu verstecken. Mit sorgsamer Stimmführung und formschön gebildeten Worten ließ Lena Sutor-Wernich ihren Alt erschallen, der etwas mehr Resonanzraum hätte vertragen können.
 
Stolze Marschrhythmen der Trompeten läuteten Händels „Dettinger Te Deum“ ein,  komponiert  anlässlich  des Sieges der englischen Armee in der Schlacht bei Dettingen am Main. Von solch impulsiver Euphorie wurden die Vokalisten nicht weniger ergriffen. Zugleich hatte Braatz-Tempel jede Stimmgruppe zu einem fein geschliffenen Klangbild hintrainiert, und keiner der Männer stach da aus dem Gebilde heraus. Ebenso präsent servierten sie im Rhythmischen jede Punktierung mit federnder Schärfe, bevor in entscheidenden Momenten auch der dynamische Regler großzügig nach oben aufdreht wurde. Neben den in ein sehnsuchtsvolles Gewand gekleideten Sopranarien brillierte hier nochmals Matthias Horn, dessen tragische Crescendi bis tief ins Innere bewegten.
 

Beeindruckt haben die Solisten ebenso im Trio, wo sie ihre sonst sehr unterschiedlichen Stimmideale wie aus einem Mund emporströmen ließen. Nach sonst meist zügiger Abphrasierung kostete der Mann am Pult die letzten Augenblicke umso feierlicher aus. Die Festwoche kann also beginnen.



F. Schubert, Messe Es-Dur und Sinfonie h-Moll, 11. Oktober 2014,

Rhein-Neckar-Zeitung (14.10.14):

Entwicklungen im Spätwerk 
Kantorei der Friedenskirche und Kammerphilharmonie Mannheim mit Schuberts Es-Dur-Messe
(von Simon Scherer)

Als die Geigen wie aus dem Nichts der in Urtiefen hinabgestiegenen Bässe ihren Weg nach oben bahnten, schwang aus ihrer nervös-dringlichen Glut dann doch Dramatik über, bevor Michael Braatz-Tempel die Kammerphilharmonie Mannheim wieder zum kompakten Klangpaket zusammenschnürte, das er zügigen Schrittes im mäßigen Gang weiterziehen ließ. Für Schuberts „Unvollendete" setzte er  keineswegs auf scharfe Kontraste oder ausufernde Leidenschaft, sondern beließ die lieblich umschmeichelnden Motive von Klarinette, Oboe und Cello stets in wohltemperierter Ausgewogenheit, die nie zu persönlich an einen herantrat. Die für jene Gattung eher ungewöhnliche Kirchenakustik unterstütze den Dirigenten hervorragend dabei, eine sehr flächendeckende, allumfassende Stimmungsebene zu schaffen, bei der jede Pause bereits als Überleitung zur nächsten Phrase diente.

Schon diese h-Moll-Sinfonie gehört zu Schuberts Spätwerk, doch welch starke Gefühle und Massivität hatte sich Braatz-Tempel für die Messe Es-Dur aufgespart: Plötzlich drang die Musik auch ins Emotionale vor, der Kontakt zu den Musikern war auf einmal viel näher, denn es war schließlich sein eigener Chor, die Kantorei der Friedenskirche, die er ganz als Hauptakteur präsentierte. Von markant-akzentuierten Erstsilben wechselten die Sänger schnell zu einer samtweichen Färbung ihrer Stimmen, die eine innewohnende Spannkraft durch alle Berge und Täler trug, stets mit entsprechend dosierter Intensität.

Lediglich im Mittelteil schwächelte das Stimmpotential, leichte Tempodifferenzen gesellten sich hinzu, wodurch die sonst federnden Achtel etwas ins Stocken gerieten. Kurz darauf bescherte der so bedachtsam geführte Tenor Sebastian Hübners dafür einen wahren Sonnenaufgang, zu dessen Wärme sich der Tenor Johannes Kaleschkes wie eine zweite Sonne hinzugesellte, bis der lyrische Sopran Cornelia Winters eine leicht schmerzliche Note beifügte.

Kurz vor Schluss rundeten der sehr dem Tenortimbre angeschmiegte Bass Sebastian Geyersund der abgerundete Alt Alison Browners diesen äußerst eindrücklichen Einblick in Schuberts damalige finanziell wie gesundheitlich sehr missliche Lage ab.

 



J.S. Bach, Weihnachtsoratorium I-III, 14. Dezember 2013,

Rhein-Neckar-Zeitung (16.12.13):

Kinderchor sorgte für Engelseffekte
Bachs Weihnachtsoratorium I-III in der Friedenskirche Heidelberg
(von Leonore Kratz)

Wenn eine Kirchengemeinde zum gemeinsamen Konzert ihres Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchores einlädt, kann die musikalische Qualität bisweilen hinter gerührten Elternaugen und knisternden Bonbonpapieren zurücktreten. Nicht so in der Friedenskirche Heidelberg-Handschuhsheim. Unter der Leitung von Michael Braatz brachten Kantorei und Kurrende zusammen mit der Kammerphilharmonie Mannheim eine großartig schwingende Interpretation der Teile I-III aus Bachs "Weihnachtsoratorium" zur Aufführung.

Gleich zu Beginn zeigten die Choristen hohe Präzision und Spannkraft, die sie bis zum letzten Ton bewahrten. Sie jauchzten und frohlockten, und das nicht nur im Eingangschor. Die Freude an Bachs Musik war ihnen anzusehen, und sie machte sich in einem satten Chorklang bemerkbar. Die Choräle wurden zu besonderen Momenten, in denen Raum und Zeit für jede noch so kleine Verzierung im Tenor oder Alt war. Darüber hinaus gab es in den Chorälen Verstärkung durch den Kinderchor. Mit glockenhellen Stimmen sangen die Kleinen von zwei Seiten der Empore herunter und sorgten so für engelsgleiche Effekte.
 
Große Freude bereitete das Spiel des Orchesters, das zeigte, dass es für barocke Spielweisen nicht zwingend alte Instrumente braucht. Mit durchsichtigem Klang ließ die Sinfonia zu Beginn des zweiten Teils pastorale Szenerien vor dem inneren Auge aufsteigen.

Die Trompeten sorgten für festlichen Glanz. Ihr sauberes und virtuoses Spiel konnte man in der Bassarie "Großer Herr, o starker König" bewundern. Höhepunkt war die Tenorarie "Frohe Hirten, eilt, ach eilet": Während die Flöte ein Zaubernetz aus perlenden Silberfäden webte, stieg Sebastian Hübner scheinbar mühelos in den koloraturreichen Dialog mit ein. Der Tenor glänzte auch als Historicus: Jedes einzelne Wort bedachte er mit so großer Intensität und Sorgfalt.

Auch Matthias Horn (Bass) gestaltete seine Rezitative fesselnd und illustrativ. Außerdem singt er so, wie man sich einen Bass wünscht: sonor, entspannt und geerdet. Alison Browner zeigte als Altistin großes Können und voluminöse Stimmkraft. Zuweilen ließen es die Klangfarben jedoch an der nötigen Wärme fehlen.

Deutlich weniger zu tun hat Katharina Sellschopp-Meister (Sopran), deren Stimme in dem Duett "Herr, dein Mitleid" wunderbar über allem schwebte.

 



Musik der Klassischen Moderne: Britten - Bernstein- Janácek, 22. Juni 2013,
Rhein-Neckar-Zeitung (25.06.13):

Musikalischer Gang durch ein Jahrhundert  
Die Kantorei an der Friedenskirche sang Werke von Janácek, Britten und Bernstein –
Leitung: Michael Braatz
(von Teresa Roelcke)

Die Handschuhsheimer Friedenskirche ist nur wenig über hundert Jahre alt: In den Jahren 1908-1910 wurde sie gebaut. Musikalisch hat sich in der Zeitspanne ihrer Existenz ein ungeheuer breites Spektrum an teilweise sehr gegenläufigen Entwicklungen zugetragen. Ein Konzert in der seit letztem Jahr neu renovierten Kirche brachte nun eine recht bunte Zusammenstellung von Werken dieses letzten Jahrhunderts zu Gehör.

Abgesehen von dem eingangs gesungenen „Otce Nas“ (Vater Unser) von Leos Janácek, der die in diesem Konzert aufgeführte Version im Jahr 1906 schrieb (also zwei Jahre vor der Grundsteinlegung für den Bau der Friedenskirche), hätten rein theoretisch alle Stücke des Konzertprogramms in der Friedenskirche uraufgeführt werden können. Abwechslungsreich war das Programm auch unter dem Gesichtspunkt der Besetzung, zusammengestellt nämlich aus drei Chorwerken, die die Kantorei unter Michael Braatz’ Leitung sang (neben dem erwähnten „Otce Nas“ Brittens „Te Deum“ und Bernsteins „Chichester Psalms“), sowie solistischen Stücken, die von den drei als Begleitung in die Chorwerke integrierten Instrumentalisten vorgetragen wurden.

Das jüngste Werk im Programm war das von Thorsten Gellings aufgeführte Schlagzeugsolostück „Arena“ von Tobias Broström, das aus dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts stammt. In subtilen Tempoveränderungen, teilweise fast ritualhaft wiederholten Wendungen, die der Puls der Pauke in ein Accelerando trieb, konnte man sich die Spannung eines Kampfes in einer Arena durchaus vorstellen.

Frauke Roland überzeugte mit Paul Hindemiths Sonate für Harfe solo, in der sie verschiedene Ebenen herausarbeitete und die Linien fein artikulierte. Auf der Orgel von Ekaterina Kofanova gespielt erscholl Jehan Alains „Joies“ (Freuden) aus den „Trois Danses“, die Ende der 1930er Jahre entstanden sind. Freudig klang das Stück in der Tat, ob man gut dazu tanzen könnte, wäre eine andere Frage, so von Synkopen durchzogen und in unterschiedliche Charaktere untergliedert, wie das Stück ist.

Der Chor konnte vor allem bei Janácek und Bernstein überzeugen, mit Klangfülle und der sehr beschwingten  Partystimmung nach der ernsten Einleitung im ersten Satz der „Chichester Psalms“. Dem Unisono-Anfang von Brittens „Te Deum“ merkte man hingegen die anspruchsvollen Intervalle gelegentlich an. Bei Janácek dafür zeigte der Chor seine Fähigkeit, dynamisch fein zu differenzieren.

Trotz der Unterschiedlichkeit der Stile, vom teils recht süffigen Bernstein bis hin zu der sehr eigenen Klangwelt Janáceks mit seiner besonderen Klangfarbenkombination von Orgel, Harfe und Chor, ergab sich ein stimmiges Programm. Ein bisschen ähnlich wie in der Architektur der Friedenskirche vielleicht: In ihr findet man schließlich auch Elemente unterschiedlicher Stile erfolgreich vereint.  

 




 

Quelle: Denise Reuter