WOHIN, WOHIN

Flüchtlingsinstallation von Hadmut Bittiger

Quelle: www.hadmutbittiger.de
 
Ausstellung: 1. bis 29. Mai 2016, Heiliggeistkirche
 
Wer 1.000 Kraniche faltet, dem erfüllt sich ein Wunsch – zumindest nach einer Legende in Japan, wo der Kranich als Symbol des Glücks und der Langlebigkeit gilt. Origami-Kraniche werden in Japan zu besonderen Ereignissen überreicht und gelten auch als Symbole für Friedenswünsche. Auch in China und in der europäischen Antike symbolisiert der Vogel Glück und Weisheit. Bis zu 2.000 Kilometer vermögen Kraniche ohne Zwischenlandung zu fliegen und legen etappenweise im Frühjahr und im Herbst die enormen Strecken zwischen Europa und Nordafrika oder Mittelasien zurück.
 
Quelle: Udo Lahm
Wie Zugvögel verlassen auch Menschen ihre Länder, und ziehen etappenweise weiter, bis sie dort ankommen, wo sie Unterkunft beziehen und bleiben – oder nach einer gewissen Zeit zurückkehren. Doch welchen Wunsch hegt ein Mensch, der aus seinem Land fliehen musste, lange und beschwerlich unterwegs war und sich nun einer ungewissen Zukunft gegenübersieht?
 
Die Objektkünstlerin HADMUT BITTIGER hat über Monate mit Geflüchteten aus der Notunterkunft für Flüchtlinge der Berliner Stadtmission in Moabit gearbeitet. Sie bat alle, einen Wunsch auf ein Stück Papier zu zeichnen oder zu schreiben, das anschließend zu einem Kranich gefaltet wurde. Es entstanden Bilder der Sehnsucht nach der verlorenen Heimat; Erlebnisse dort oder auf der Flucht;
Quelle: Udo Lahm
immer wieder Wunschhäuser, ein neues Zuhause mit Gartenbank, Bienenstock, Fahrrad, und im Inneren den Blumenstrauß auf dem Tisch. Oder sie schrieben Sätze wie: »Ich möchte nicht davonrennen, ich möchte nicht einsam sein.«
 
Bei den meisten Papiervögeln verschwand der Wunsch durch das Falten im Verborgenen – und bleibt geheim, so wie er verborgen im Inneren eines Menschen liegt. Die Papierobjekte, 800 Exemplare, wurden auf bis zu 50 Zentimeter hohe, nadelgleiche Federstähle gesteckt, die sich bei der kleinsten Bewegung in der Luft wiegen – so, als flögen die Papierkraniche wie Zugvögel.
 

Vernissage mit der  syrischen Tanzgruppe Gafrana

Die Vernissage am 1. Mai wurde von der Künstlerin Hadmut Bittiger und der syrische Performance-Tanzgruppe Gafrana gestaltet.
Diese setzte das Thema ihrer eigenen Flucht choreografisch auf einem hohen Niveau und sehr emotional und eindrücklich um. Die Gruppe um den Tänzer und Choreografen MANAR YOUSSEF machte ihre ersten Bühnenerfahrungen mit dem Enana Dance Theater, 1999 in Damaskus gegründet.
Nach ihrer Flucht haben sich die Mitglieder nun teilweise in Berlin wieder vereint und setzen gemeinsam ihre Tanztradition fort.
 
 

Biografie der Künstlerin

HADMUT BITTIGER lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin und im französischen Abelcourt. Dem Design Studium folgten Arbeitsaufenthalte in Belgien, Kanada und den USA, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte. Hier schuf sie Textilarbeiten, schöpfte Papier und verwendete in unterschiedlicher Weise Kunstharz. Ganz gleich, welche gestalterischen Mittel sie benützte, ihr Thema blieb bevorzugt die Erforschung der zwischenmenschlichen Beziehungen, mit einem besonderen Augenmerk auf Einwanderer und Flüchtlinge, schon bevor das Thema die Schlagzeilen dominierte.
 
Sie lebt seit über zehn Jahren in Neukölln und Kreuzberg und arbeitet mit Menschen in ihrer direkten Nachbarschaft. Mit ihren Arbeiten war und ist Hadmut Bittiger in zahlreichen nationalen wie internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, darunter in Berlin, Hamburg, Mannheim, Tel Aviv, Shanghai und Gjirokaster. Ihre aufs Notwendigste reduzierten Arbeiten bestehen meist aus einfachsten Materialien.
 
Quelle: Udo Lahm
Seit einigen Jahren bildet der Schwerpunkt ihrer Arbeiten auditiv-visuelle Installationen. Dafür verwendet sie Soundmodule und transparente Träger wie Plexiglas und Zellophantüten. Die Module werden mit Sätzen aus Interviews bespielt, die sie zu aktuellen Anlässen und gesellschaftlich relevanten Themen mit den Betroffenen führt. Dazu gehören die Integration von Flüchtlingen, die Suche nach dem Potenzial der kulturellen Vielschichtigkeit in der Großstadt, der interreligiöse Dialog in unserer multinationalen Gesellschaft. Um die aufgenommenen Originalstimmen zu hören, müssen die Betrachter mittels Knopfdruck winzige Lautsprecher aktivieren und sind dadurch aktiv in die Installation einbezogen.
 
AUSSTELLUNGEN (AUSSCHNITT)
2016 »WOHIN, WOHIN«, HEILIGGEISTKIRCHE, HEIDELBERG LANDESVERTRETUNG BADEN-WÜRTTEMBERG, BERLIN KUNSTFESTIVAL 48 STD NEUKÖLLN, BERLIN BADISCHES LANDESMUSEUM KARLSRUHE Eröffnungen mit der syrischen Tanzgruppe GAFRANA
2015 »LIVEBOAT – CHAPTER 5«, KUNSTFESTIVAL 48h NEUKÖLLN, TEMPELHOFER FELD, BERLIN
2014 »BEWEGE«, KUNSTFESTIVAL 48h NEUKÖLLN, BERLIN
2013 ART KARLSRUHE »TEL AVIV – BERLIN IN TRANSIT«, BENYAMINI TEMPORARY CERAMICS CENTER, TEL AVIV, IL
2012 INTERNATIONALE KUNST IM SCHAUFENSTER, MANNHEIM
2010 »INTEGRATION-MIGRATION« KUNSTFESTIVAL 48h NEUKÖLLN, FRAUENGEFÄNGNIS BERLIN
2009 »EIGENTLICH BIN ICH WIE DU« GALERIE WERKSTATT DER KULTUREN, BERLIN
2008 »GOTTESRAUM«, REGIERUNGSPRÄSIDIUM KARLSRUHE MORAT INSTITUT, FREIBURG
2007 »FLÜCHTLINGSTIMMEN«, GALERIE FORUM DER KUNST HEIDELBERG STÄDTISCHE GALERIE IM SAALBAU, BERLIN FRANZÖSISCHER DOM, GENDARMENMARKT, BERLIN
2005 »KIBELE & CO«, MINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ARBEIT, BERLIN
2003 SHANGHAI ART SPRING SALON, SHANGHAI, CHINA
2002 »PARADIES PROJEKT IM BUNKER«, ALEXANDERPLATZ, BERLIN »MINIATUREN“ STÄDTISCHE GALERIE FÜRSTENWALDE
2000 »INTERNATIONAL PROJECT PRO HELVETIA«, GJIROKASTRA, ALBANIEN
1999 »INTERNATIONAL PAPER TRIENNIAL«, CHARMEY, CH
1996 MUSEUM FÜR KUNST UND GEWERBE, HAMBURG
 

 
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