Heidelberg, 22.05.2026. Zum Jubiläum strömten am 21.05.2026 wieder mehr als 160 Frauen in die festlich dekorierte Heiliggeistkirche im historischen Zentrum Heidelbergs. Das fünfte Frauenmahl stand unter der Überschrift „Frauen.Leben.Veränderung.“ Die Rednerinnen des Abends begeisterten die anwesenden Frauen aus ganz Heidelberg mit ihren sehr unterschiedlichen Geschichten und Lebensläufen.
"Leben ist eine Kunst" – Frauen.Leben.Veränderung.
- 22.05.2026 -
5. Heidelberger Frauenmahl in der Heiliggeistkirche
Auch in diesem Jahr waren die auf Selbsteinschätzungsbasis vergebenen Tickets innerhalb kurzer Zeit ausgebucht. Das Frauenmahl hat sich als übergreifendes Frauen‑Netzwerktreffen fest in der Heidelberger Veranstaltungslandschaft etabliert. Die Mischung aus inspirierenden Redebeiträgen, ansprechendem Rahmenprogramm und erstklassigem Dinner in festlich geschmücktem Ambiente zieht immer mehr Frauen in die Heiliggeistkirche.
Pfarrerin Tanja Dittmar, Initiatorin und Organisatorin und Initiatorin des Heidelberger Frauenmahls sieht im Frauenmahl eine der Gelegenheiten, aus der eigenen „Bubble“ herauszutreten, und Teilhabe zu ermöglichen. Sie wünscht sich als Ergebnis des Abends „Veränderung! Ermutigung! Verständnis!“
Sandra Arendarcyk, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Heidelberg, schloss sich der Sicht der Initiatorin an und hob hervor, wie viel das Frauenmahl in die Stadtgesellschaft hinein bewirkt und wofür es steht: „Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung, Dialogbereitschaft und das gemeinsame Engagement für ein gutes Miteinander.“
Nach der zweiten Begrüßung kamen die vier Rednerinnen des Abends mit vier sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema „Frauen.Leben.Veränderung“ zu Wort. Bürgermeisterin Martina Pfister fügte ein spontanes Grußwort bei.
Die erste Tischrede wurde von Prof. Dr. Kathrin Yen, Ärztliche Direktorin am Universitätsklinikum und Gründerin der ersten Gewaltambulanz in Baden-Württemberg gehalten. Sie nahm die Zuhörerinnen mitten hinein in eine bedrückende Fallschilderung, in der eine Frau vergewaltigt worden war und schaute darauf, welch tiefgreifende Veränderungen im Leben von Opfer und Täter eine solche Tat zur Folge haben kann. Sie warb dafür, „als Gesellschaft und Einzelperson“ „hinzuschauen“ und aktiv zu werden, wenn irgendwo Gewalt vermutet werde. Das Angebot der Gewaltambulanz sei kostenlos und biete niedrigschwellig Unterstützung an, da kein Zwang zur Anzeige bestehe.
Veränderung ist auch das Thema von Tordin Schönfelder, die als Kind hörender Eltern von Geburt an taub ist. Angetrieben vom Wunsch nach Veränderung in ihrem Leben hat sie nach der spontanen Kündigung einer „sicheren“ Angestelltentätigkeit über Umwege ihre Berufung in der Aufgabe gefunden, die Gebärdensprache zu verbreiten. Ihr Unternehmen „TalaMano“ ist stetig auf nun 17 Mitarbeitende gewachsen. Sie sieht sich als Brückenbauerin zwischen Menschen und Lebenswelten und erreicht Menschen, Familien und Einrichtungen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln. Ihr mitreißender Vortrag wurde wie alle Reden des Abends in Gebärdensprache gedolmetscht.
Walwala Azam ist aus Afghanistan geflüchtet und engagiert sich ehrenamtlich im Café Talk und im Diakonischen Werk. Die junge Frau, die noch die Schule besucht, beeindruckte sichtlich mit ihrem eindrücklichen Statement, dass Frauen das Recht haben, für sich und ihr Recht auf eigenen Entscheidungen einzustehen., auch über Widerstände hinweg, denn „das Leben ist nicht einfach. Leben ist eine Kunst.“ Mit stehenden Ovationen zollten die Anwesenden ihr Respekt.
Gülay Keskin, Fotografin in Heidelberg, hielt die letzte Tischrede des Abends. Sie blickte zurück auf Ihren Werdegang als Kind türkischer Gastarbeiter und die große Bedeutung, welche die Fotografie, ob die Selfies vom Vater oder die eigene Berufswahl, schon immer in ihrem Leben eingenommen hat. Sie „hinterfrage“, was sie sieht, „und suche nach Perspektiven“. Unsere „Möglichkeit zu hinterfragen“ ermögliche gesellschaftliche Veränderung, die „uns neu zusammenbring(t).“
Das musikalische Rahmenprogramm unterstrich die Vielfältigkeit der Teilnehmerinnen, Rednerinnen und Musikerinnen. Der FLINTA-Chor Heidelberg „Can´t keep quiet“ wählte politische Lieder, die betonten, dass Frauen eine Stimme haben, die sie nutzen können und sollen. Die „Europahymne der Vielen“ unterstrich das Plädoyer für Inklusion, Vielfalt und Weltoffenheit.
Mezzosopranistin Barbara Link, Mitglied des Opernchores des Theaters und Orchesters Heidelberg, berührte zusammen mit der aus der Heidelberger Chorlandschaft bekannten Manuela Weiss am Klavier mit hochklassigen, gefühlvollen Darbietungen, u. a. von Camille Saint-Saëns.
Frank Nuscheler und ehemalige Teilnehmende der Initiative "Cook your Future" verwöhnten wie in den Jahren zuvor die Frauen mit einem hervorragenden vegetarischen 3-Gänge-Buffetmenü mit Gerichten aus dem Mittelmeerraum, West- und Nordafrika.
Der Ticketpreis auf Selbsteinschätzungsbasis ermöglichte es erneut auch finanziell nicht so gut gestellten Frauen teilzuhaben und sich dadurch über soziale Grenzen hinweg auszutauschen. Die Absicht, als Frauen zusammenzustehen und gemeinsam Dinge zu bewegen, zeigte sich auch darin, dass die Veranstaltung wie immer rein ehrenamtlich organisiert war, mit vielen engagierten Helferinnen und mit Rednerinnen und Musikerinnen, die kein Honorar erhielten und sich aus Überzeugung unentgeltlich einbrachten.
Mit einem kunstvollen, außergewöhnlichen Segen von Schuldekanin Dr. Beate Großklaus und erneutem Dank an alle Mitwirkenden endete ein bewegender Abend, der nachwirken wird und das Potenzial hat, Veränderungen anzustoßen.
Auch 2027 geht die Erfolgsgeschichte „Heidelberger Frauenmahl“ weiter. Das sechste Frauenmahl wird am Donnerstag, 13.05.2027, in der Heiliggeistkirche in Heidelberg stattfinden.
Wer das Frauenmahl langfristig unterstützen möchte und Frauen dazu einladen möchte, mit einem geringen Ticketbeitrag teilzunehmen, hat die Möglichkeit, ganzjährig für das Format zu spenden.
Text und Fotos: Silke Kleffner-Pöppel
Eindrücke vom Frauenmahl 2026

