Bezirksvisitation 2025

 

Die Landeskirche zu Besuch in Heidelberg

Vom 27.03.–30.03.2025 fand im Stadtkirchenbezirk Heidelberg eine Bezirksvisitation statt. Ungefähr alle zehn Jahre besucht eine Delegation der Evangelischen Landeskirche in Baden die einzelnen Kirchenbezirke, nimmt Einblick und gibt Hinweise und Empfehlungen. In Heidelberg war eine siebenköpfige Kommission unter der Leitung von Landesbischöfin Heike Springhart zu Gast. Neben der Landesbischöfin nahmen Landessynodale, Prälatin Heide Reinhard sowie weitere Vertreter der Landeskirche an der Visitation teil. Dekanstellvertreter Florian Barth, Schuldekanin Beate Großklaus und Stadtsynodenvorsitzende Ruth Hildebrandt vertraten als Leitungsteam den Dekan Christof Ellsiepen.
Positives Fazit: Wertvoller Austausch – Herausforderungen, aber auch große Chancen
Die Bezirksvisitation diente nicht nur der Bestandsaufnahme und dem intensiven Austausch mit Haupt- und Ehrenamtlichen, sondern verfolgte auch das Ziel, Anregungen für die zukünftige Entwicklung der kirchlichen Arbeit in Heidelberg zu geben. „Wir sind gekommen, um Impulse aufzunehmen und Impulse zu geben“, machte Landesbischöfin Heike Springhart in den Gesprächen deutlich und bilanzierte: „Die Evangelische Kirche in Heidelberg steht vor großen Herausforderungen, aber auch vor großen Chancen. Die Visitation hat eindrücklich gezeigt, wie engagiert hier in vielen verschiedenen Handlungsfeldern gearbeitet und dass viel Energie in herausgehobene Projekte investiert wird.“
 
Florian Barth, stellvertretender Dekan der Evangelischen Kirche in Heidelberg, betonte die Bedeutung der Visitation: „Der Austausch mit der Kommission war für uns eine wertvolle Möglichkeit, unsere Arbeit zu reflektieren und Anregungen für die Zukunft mitzunehmen. Jetzt gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse in unsere weitere Arbeit zu integrieren.“
 
Da Dekan Dr. Christof Ellsiepen während der Visitation erkrankt war, wurde vereinbart, konkrete Zielvereinbarungen zu einem späteren Zeitpunkt zu treffen. Stattdessen wurden fünf zentrale Themenfelder benannt, die als Grundlage für die zukünftige Arbeit dienen.
 
Umfangreiches Besuchsprogramm – Reise durch den Kirchenbezirk
Während der vier Tage besuchte die Kommission gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Evangelischen Kirche in Heidelberg verschiedene Einrichtungen und Gemeinden, um einen praxisnahen Einblick in zentrale Themen und Herausforderungen der kirchlichen Arbeit in Heidelberg zu erhalten.
World Café mit Schulleiter*innen im Bunsengymnasium, Hochschule für Jüdische Studien, Café Bohne und Arche
In den Räumen des Bunsengymnasiums kam es zu einer Begegnung der Kommission mit Schulleiter*innen und Religionslehrer*innen mehrerer Heidelberger Schulen. In einem Dialogformat tauschten sich die Teilnehmenden über Seelsorge an Schulen, aber auch über Tabus wie Unsicherheit oder Angst, über schulnahe Jugendarbeit und Demokratiebildung aus. Schuldekanin Dr. Beate Großklaus betonte im Anschluss: „Wir brauchen die Schulen als Safe Space, nicht nur im Fach Reli, sondern als Schulgemeinschaft. Wer achtet auf die Zwischentöne? Ein Mensch, der mir wohlgesonnen ist und mich ermutigt, reicht schon, damit sich meine Resilienz als Kind und Jugendliche stabilisiert. "
 
In der Mensa der Hochschule für Jüdische Studien konnte sich die Visitationsgruppe von der Gastfreundschaft ihrer Gastgeberin überzeugen und sich mit dem Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg Jona David Pawelczyk-Kissin und dem Rektor Dr. Andreas Brämer austauschen. Auch im Café Bohne wurde die Delegation bewirtet und konnte sich einen Überblick über die Arbeit im Gemeinde- und Begegnungszentrum Arche verschaffen.
  
 
Flucht und Migration – Arbeit mit Geflüchteten im Ankunftszentrum PHV und Einrichtungen in der Stadt
Beim Besuch der Sozial- und Verfahrensberatungsstelle sowie der Chapel in der Erstaufnahmeeinrichtung im Patrick-Henry-Village (PHV) nahm neben zahlreichen Mitarbeitenden der Diakonie und Caritas auch Bürgermeisterin Stefanie Jansen als Vertreterin der Stadt Heidelberg teil, die einen Einblick in die Pläne der Kommune für den neuen Stadtteil gab. Die Evangelische Kirche ist mit ihren Angeboten seit zehn Jahren im PHV präsent und will dies auch zukünftig sowohl für Geflüchtete als auch für die Anwohner*innen des neuen Stadtteils sein.
  
 
Projekt „Heiliggeist mehr Raum geben“ und Citykirche
Das Projektteam stellte die geplante Ausstellung zur Bibliotheca Palatina vor und teilte seine Begeisterung für die Vision einer (digitalen) Rückkehr des Kulturschatzes und einer barrierefreien Heiliggeistkirche.
  
 
Kinderklinik und Klinikseelsorge
Prof. Dr. Georg Hoffmann, Ärztlicher Direktor der Kinderklinik, stellte die Arbeit der Kinderklinik vor und betonte, wie wertvoll die Klinikseelsorge sei. Das fast vollzählig anwesende Team der evangelischen Klinikseelsorgerinnen und -seelsorger stellte im Anschluss an die Führung seine Arbeit ausführlich und bewegend vor. Sabine Ningel, Vizepräsidentin der Landessynode, resümierte: „Mich beeindruckt, wie die Klinikseelsorge für die Menschen in ihrer Not da ist und ihnen Beistand leistet. Das ist gelebte Kirche.“
  
 
Vorstellung der Kinder- und Jugendarbeit im Café licht mit dem CVJM Heidelberg-Mitte
Im Café licht und in den Räumlichkeiten des Kinder- und Jugendwerks im Markushaus zeigte der CVJM, wie junge Menschen in der Kirche teilhaben und aktiv sein können.
 
Neben diesen und weiteren konkreten Arbeitsfeldern befasste sich die Visitation insgesamt mit dem Transformationsprozess und seinen besonderen Herausforderungen. Ziel ist, die Evangelische Kirche in Heidelberg so aufzustellen, dass kirchliches Leben innerhalb veränderter Rahmenbedingungen nachhaltig gestalten werden und somit Kirche weiterhin nah bei den Menschen sein kann.
  
 
Empfang in der Heiliggeistkirche
Am Vorabend des Abschlusses der Visitation waren am Samstag alle Heidelbergerinnen und Heidelberger zum Empfang „Kirche mitten in der Stadt“ in der Heiliggeistkirche eingeladen. Hier standen zusammen mit Landesbischöfin Heike Springhart, Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner und weiteren Gästen vor allem Dank, Begegnung und Austausch im Vordergrund. Ein mitreißendes, hochkarätiges Begleitprogramm zeigte die Vielfalt innerhalb der Evangelischen Kirche in Heidelberg.
  
 
Gemeinsamer Festgottesdienst in der Christuskirche zum Abschluss
Den Abschluss der Visitation bildete ein gemeinsamer Festgottesdienst des Kirchenbezirks am Sonntag in der Christuskirche mit über 300 Teilnehmenden aus allen Heidelberger Gemeinden und der Stadtgesellschaft. Die Predigt hielt Landesbischöfin Heike Springhart, die Liturgie wurde von Verena Mätzke, Fabian Kliesch und Hans-Christoph Meier gestaltet. Der Kindergottesdienst mit einem Team der CLM-Gemeinde und der Matthäusgemeinde zog viele Kinder aus dem Kirchenschiff der Christuskirche in den eigens vorbereiteten Nebenraum. Im Anschluss an den Gottesdienst verabschiedete die Bischöfin alle Besucher*innen persönlich und beim Kirchencafé bestand Gelegenheit zum Austausch.