Die Orgeln des Monats Oktober stehen in der Hochschule für Kirchenmusik

Matthias Berges an der großen Saalorgel vom Orgelbauer Schiegnitz
Heidelberg, Oktober 2022. Das Gebäude mit den meisten Orgelpfeifen ist in Heidelberg weder eine Kirche noch die historische Stadthalle mit ihrer bedeutenden Konzertsaalorgel. In der Weststadt, im unscheinbaren Gebäude der Hochschule für Kirchenmusik erklingen sage und schreibe weit über 5.000 Pfeifen. Wie auch sonst sollten die etwa 35 Kirchenmusik-Studierenden gleichzeitig viele Stunden pro Tag an einem Instrument verbringen?
 
Die Kleinorgel von Jäger & Brommer ist ideal zum Üben der Orgelstimmung
Unter den Instrumenten befinden sich neben zwei größeren Saalorgeln, um die es später noch genauer gehen wird, elf direkt auf das Üben zurechtgeschnittene Orgeln in kleinen, schalldichten Zellen. Diese haben alle – genau wie durchschnittliche Kirchenorgeln – je zwei Manuale und Pedal, teilweise dazu auch einen Schwelltritt (zur Lautstärkeregulierung), um sich optimal auf jegliche Literatur vorbereiten zu können.
 
Die kleinste Rensch-Orgel hat nur 2 Register
Im Vergleich zu „normalen“ Orgeln beschränkt sich die Registerzahl allerdings – schon aus Platzgründen – auf je unter zehn. Wenn man damit auch längst keinen großen Klang erhält, reichen diese wenige Grundstimmen zum Üben oft schon aus. Eine der Orgeln ist elektronisch und ermöglicht damit – digital erzeugt – den Eindruck eines großen Instruments. Außerdem kann man einstellen, welcher Stil von Orgel durch den Lautsprecher imitiert werden soll (barock, deutsch-romantisch oder französisch-symphonisch).
 
Prof. Eugen Polus beim Klavierunterricht vor der Woehl-Orgel
Zusätzlich zu diesen kleinen Übzellen besitzt die HfK einen per hydraulischer Trennwand aufteilbaren Konzertsaal, in dem zwei größere Orgeln Platz finden und zum Unterrichten, Üben und Vorspielen genutzt werden. Zum einen ist dies die Woehl-Orgel (benannt nach ihrem Orgelbauer, dessen Instrumente beispielsweise in der Thomaskirche Leipzig oder der Herz-Jesu-Kirche München zu finden sind), die ursprünglich in einer Konviktkapelle in Sigmaringen stand, sich aber optisch wunderschön in den Saal einfügt, als wäre sie genau dafür gebaut.
 
Der Spieltisch der 2015 gebauten Schiegnitz-Orgel ist topmodern
Das Hauptinstrument, der große Stolz der Hochschule, ist die 2015 extra neu erbaute Schiegnitz-Orgel, die einen Staatspreis des Landes Rheinland-Pfalz erhielt. Sie ist eine große dreimanualige Orgel, auf der man sämtliche Stilepochen und Kompositionen adäquat darstellen kann. Sie verfügt über alle derzeit üblichen modernen technischen Einrichtungen: Jeder Studierende der Hochschule hat beispielsweise einen eigenen Chip, der persönliche Einstellungen und Vorprogrammierungen abruft und vor Änderung durch andere schützt.
 
Aus der Reihe ihrer zahlreichen unterschiedlichen Register fällt eines heraus: der mitteltönige Prinzipal 8’. Dieses Register ist in einer historischen Temperierung gestimmt, die für heutige Ohren sehr gewöhnungsbedürftig klingt (Halbtonschritte sind nicht gleich groß, sondern bestimmte Intervalle klingen besonders rein, andere dafür nicht). Diesen Klang kann man an der Orgel erleben – sinnvoll kombinierbar mit den anderen 56 Registern ist er aber nicht.
 
Matthias Berges, Student der Hochschule für Kirchenmusik und Organist im Stadtkirchenbezirk