Bis 2001 arbeitete sie noch im alten Dekanat in Neuenheim, dann kam der Umzug ins Schmitthennerhaus, den sie mit ihrer beispiellosen Büroorganisation vorbildlich „gemanagt“ hat. Überhaupt schien sie oft die eigentliche Managerin im Dekanat gewesen zu sein, die ihren Chefs und zuletzt Chefinnen mit ihrer freundlichen, bescheidenen und charmanten Art immer hilfreich zur Seite stand. Sei es bei der Umstellung von Schreibmaschine und Wachsmatritzen auf PC und Kopiergerät, bei der Führung von Terminkalendern oder dem Löschen mehrerer Mails auf einmal: Edeltraud Zacharias wusste immer Rat, half gerne weiter, drängte sich dabei aber niemals auf.
„Du warst die erste Stimme, das erste Gesicht im Büro“, so die bewegenden Abschiedsworte der Dekanin Marlene Schwöbel-Hug. Als Beraterin, Ideengeberin, Kommata-Ergänzerin, Koordinatorin und allzeit freundliche erste Anlaufstelle habe sie den Menschen im Dekanat stets das Gefühl gegeben, willkommen zu sein und sich wohlzufühlen. „Du hast die Kunst beherrscht, den Spagat zwischen den Ansprüchen der Gemeinden und mir – sowohl als Dekanin als auch als Mensch – hinzubekommen, dabei warst du oft mein `Blitzableiter´“, gesteht die Dekanin. Nicht zuletzt deshalb fällt ihr der Abschied sichtlich schwer, denn nach so vielen Jahren gemeinsamer Höhen und Tiefen durch das (Arbeits-)Leben wächst man zusammen.
Die lange Reihe der folgenden Redner zeigte, dass dies nicht nur für die gegenwärtige Dekanin galt. So machte Dekan i. R. Johannes Kühlewein in Gedichtform deutlich, wie sehr er sich während seiner 14-jährigen Amtszeit mit Edeltraud Zacharias auf sie verlassen konnte. Was auch immer im Dekanat vor sich ging: „In der guten alten Zeit, bei Edeltraud herrscht Gelassenheit…“. Schuldekan i. R. Erich Eßlinger lobte ihre Fähigkeit, jedem Dekan ein eigenes Profil abzugewinnen. Dabei ging es neben anstrengender Arbeit oftmals auch sehr fröhlich zu im Dekanat, vor allem über klerikale Witze wurde gemeinsam viel gelacht.
Birgit Wasserbäch sprach für den Pfarrkonvent. Gemeinsam mit ihrer „Assistentin“ Michaela Deichl geleitete sie Edeltraud Zacharias durch die Planquadrate ihres Sekretärinnenlebens, in denen es chaotische Studienfahrten zu organisieren galt, Aktenberge abgearbeitet und übervolle Terminkalender strukturiert werden mussten. Die Zukunft allerdings halte ganz neue, schöne Herausforderungen bereit: So zunächst einmal die lang ersehnte und geplante Reise nach Neuseeland, zu der sie viele nützliche Geschenke und Accessoires überreicht bekam.
Pfarrer Friederich-Schwieger brachte mit den Worten Eichendorffs zum Ausdruck, was er aus 24 guten Jahren mit Edeltraud Zacharias mitnimmt. Ihre freundliche Stimme, die das Zauberwort immer traf: „Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.“ Auch ein irischer Segensgruß durfte zum Abschied nicht fehlen, sogar mehrstimmig gesungen vom Pfarrkonvent unter musikalischer Leitung von Pfarrer Herrmann.Zu guter Letzt wurde die Jubilarin noch mit einem Wollknäuel und Gewirr aus Fragen eingesponnen, die sie bis dahin immer zuverlässig und kompetent beantwortet hatte. Diese Fäden durfte sie abschließend symbolisch loslassen und befreit hinaustreten in den neuen Lebensabschnitt. Nun ja, fast befreit, denn ein wenig bleibt sie uns zum Glück noch erhalten im Dekanat. Und so war manche Träne, die an diesem Tag geflossen ist, auch eine Freudenträne im Hinblick auf die vielen schönen Begegnungen und gemeinsamen Stunden, die noch kommen mögen.
Karin Wilke




