Heidelberg, den 24.3.2016. Ostern ist ein schönes Fest. Die frohe Botschaft der Auferstehung, von neuem Leben, möchten wir in unseren Kirchen verkünden. Aber, so fragen sich viele Menschen in diesen Wochen und Monaten: "Wo wird es eigentlich Ostern in unseren Herzen und in unserem Land?" Das ist eine Frage, die wir ernst nehmen müssen.
Der Karfreitag ist für uns als evangelische Christen ein Seil, an dem wir uns festhalten dürfen. Am Karfreitag vor 2000 Jahren bei der Kreuzigung Jesu standen auch Fragen und Zweifel im Raum. Es ging darum, auszusprechen: "Wie kann Gott es zulassen, dass Unschuldige sterben müssen, wie können Menschen so grausam sein und so wankelmütig?" Jesus selbst stellte sogar die Frage, die viele immer wieder umtreibt: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Ps 22) Ganz ernsthafte Fragen waren das und sind es bis heute, besonders nach den Anschlägen auf so viele Menschen in so vielen Städten unserer Welt. Wo ist Gott da?
Sowohl die Botschaft von Karfreitag als auch von Ostern setzen auf Gottes Zusage, auf Hoffnung und Vertrauen. An Karfreitag soll deutlich werden, dass Gott uns auch in die allertiefsten Tiefen unseres Lebens begleitet. Er selbst kennt Trauer und Verzweiflung durch die Person von Jesus.
An Ostern soll deutlich werden: Das Licht und die Helligkeit einer Botschaft, die auf Leben setzt, lässt sich auf Dauer nicht auslöschen. Es ist eine Botschaft, die auf das "Trotzdem" baut. Trotz aller Trauer und Verzweiflung und Fragen stehen für Christen gutes Miteinander, ausgestreckte Hände der Menschlichkeit und das "Fürchte dich nicht" im Zentrum. Das wird besonders deutlich in der Osternacht, in der wir symbolisch von der Dunkelheit in die Helligkeit hineingeführt werden.
Ich wünsche Ihnen gesegnete Feiertage!
Ihre Marlene Schwöbel-Hug

