Karlsruhe, 12.05.2016. In seiner Pfingstbotschaft hat der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh dazu aufgerufen, die Kraft des Heiligen Geistes stets neu zu entdecken und dadurch Wege der Verständigung zu gehen. Das Pfingstfest stehe „für die Vielfalt und für die Möglichkeit, sich zu verständigen und miteinander auf dem Weg zu sein“, sagte der Landesbischof in seiner Videobotschaft, die zuvor beim Schlossgarten-Picknick im Rahmen des Christivals in Karlsruhe aufgezeichnet wurde.
„Der Heilige Geist öffnet den Himmel und auf Erden Türen“, erklärte der Landesbischof. Diese Erfahrung hätten viele Menschen in den letzten Monaten und Jahren erlebt, als die Flüchtlinge zu uns kamen. „Menschen, die ganz unterschiedliche Sprachen sprechen, entdecken: Wir können für einander da sein. Wir können miteinander reden. Ja, wir können sogar schwierige und traurige Geschichten austauschen“, sagte Cornelius-Bundschuh. Ähnliche Erfahrungen hätten die ersten Christen gemacht, als sie sich nach Jesu Tod zunächst verunsichert zurückgezogen hätten. „Und dann entdecken sie die Kraft des Heiligen Geistes. Und sie öffnen die Tür des Hinterzimmers und sie gehen hinaus an Pfingsten“, rief der Landesbischof die biblische Erzählung in Erinnerung.
Die Ansprache im Wortlaut
„Zum Pfingstfest 2016 grüße ich Sie herzlich aus dem Schlossgarten hier in Karlsruhe. An Pfingsten öffnet sich der Himmel und wir empfangen die Kraft des Heiligen Geistes. Man erlebt das hier im Moment in der Natur, an den grünen Blättern an den Bäumen. Kürzlich hatten wir Besuch aus Namibia: Die junge Frau war begeistert über die vielen Grüntöne, die sie hier in unserer Landschaft gesehen hat. Aber die Kraft des Heiligen Geistes verändert auch unser Miteinander: Der Himmel öffnet sich und auf Erden öffnen sich Türen. Das haben viele Menschen in den letzten Monaten und Jahren erlebt, als die Flüchtlinge zu uns kamen. Menschen, die ganz unterschiedliche Sprachen sprechen, entdecken: Wir können für einander da sein. Wir können miteinander reden. Ja, wir können sogar schwierige und traurige Geschichten austauschen.
So ähnlich ging es der ersten Gemeinde in Jerusalem auch. Die Menschen hatten sich zurückgezogen in ihr Hinterzimmer und hatten Sorge, wie es weitergehen würde, nachdem Jesus sie verlassen hatte. Und dann entdecken sie die Kraft des Heiligen Geistes. Und sie öffnen die Tür des Hinterzimmers und sie gehen hinaus an Pfingsten. Und sie entdecken, dass sie reden können, sich miteinander verständigen können, auch wenn sie die Sprache der Menschen gar nicht verstehen. Sie gehen aus ihrem Hinterzimmer hinaus auf die Straße und erleben, wie sie sich als Christen verständigen können.
Mit diesem Bild im Kopf sind wir eingeladen, auch unter uns Verständigung zu suchen. Uns auf den Weg zu machen zueinander. Hier im Park, im Schlosspark in Karlsruhe erleben das heute ganz viele Jugendliche. Über 10.000, fast 14.000 Jugendliche sind hier versammelt. Sie sind eingeladen von Bürgerinnen und Bürgern aus Karlsruhe, die Decken für das Picknick angeboten haben. Sie haben Brote mitgebracht und zu trinken. Süßigkeiten, die letzten Äpfel und die neuen Erdbeeren. Und damit laden sie die Jugendlichen ein, hier mit ihnen zu feiern. Ich denke, das ist ein großartiges Zeichen für Pfingsten, für die Vielfalt und für die Möglichkeit, sich zu verständigen und miteinander auf dem Weg zu sein. Der Heilige Geist öffnet den Himmel und öffnet auf Erden Türen.
Suchen Sie nach Wegen, versuchen Sie das auch bei Ihnen in Ihrer Gemeinde, in Ihrer Stadt, in Ihrem Ort zu tun. Suchen Sie den Kontakt. Versuchen Sie es, ob Sie die Türen öffnen können. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest!“
Zum Hintergrund des Pfingstfestes
Das dritte Hauptfest des Kirchenjahres Pfingsten wird als das „Fest des Heiligen Geistes“ bezeichnet und ist nach Weihnachten und Ostern das dritte Hauptfest des Kirchenjahres. Der Name geht auf das griechische Wort "pentekoste" (fünfzig) zurück, weil das Pfingstfest seit etwa Ende des vierten Jahrhunderts fünfzig Tage nach Ostern gefeiert wird. In Erinnerung an die in der Apostelgeschichte geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes, die zur Gründung der ersten christlichen Gemeinde führte (Neues Testament, Apostelgeschichte, Kapitel 2), wird Pfingsten auch als „Geburtstag“ der Kirche verstanden. Die biblischen Berichte schildern nach Jesu Tod am Kreuz, der Auferstehung Christi und Himmelfahrt eine neue Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger: „Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen“ heißt es in der Apostelgeschichte (Apg 2,4).
Die Videobotschaft des badischen Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh finden Sie auf www.ekiba.de/youtube.
Dr. Daniel Meier, Pressesprecher Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe, daniel.meier@ekiba.de

