Zum Beispiel erzählte ihm ein Mann bei der Visitation eines Kirchenbezirks: „Seit es das Café International gibt, verstehe ich endlich, was Kirche ist, kann ich meinen Glauben leben und nach außen hin vertreten!“ Die Arbeit mit den Flüchtlingen habe seinem Leben wieder einen Sinn gegeben. Oder die Mutter, die ihre Tochter fragt, wie sich die vielen Flüchtlingskinder in ihrer Klasse untereinander verständigen. „Jeder so, wie er eben spricht!“, lautet die verblüffend einfache Antwort der Tochter. „Menschen, die sich kulturell und von ihren Einstellungen her fremd sind, die keine gemeinsame Sprache sprechen, kommen zueinander – auch das bedeutet Pfingsten!“, erläutert Cornelius-Bundschuh das Wirken des Heiligen Geistes.
„Zunächst einmal sollten wir darauf schauen, was an Möglichkeiten da ist. Dann über unsere Phantasien für die Zukunft sprechen und uns mit- und füreinander weiterentwickeln“, schlägt der Kirchenmann vor. Wichtig sei dabei, für die gesamte Gemeinde mitzudenken, erreichbar zu sein und ein klares Bild für die Zukunft zu haben. „Wir haben eine gute Mitte, die uns trägt. Aus dieser Mitte heraus können wir spezifische Angebote für die Zukunft entwickeln, mit denen wir möglichst viele Menschen erreichen wollen.“
Das Reformationsjubiläum, das auch in Heidelberg als „Reformationsstadt Europas“ ab Oktober 2016 mit vielfältigen Veranstaltungen gefeiert wird, biete viele wertvolle Impulse für die evangelische Kirche. Besonders für die ökumenische Zusammenarbeit sieht Cornelius-Bundschuh eine große Chance, den Weg des ökumenischen Aufbruchs aufeinander zu im Jubiläumsjahr noch zu vertiefen. Dazu gehöre zunächst das Klären der Frage, was sich die beiden Religionen gegenseitig angetan haben, in einem nächsten Schritt das Füreinander-Dasein sowie das Auf-den-Weg-Bringen eines ökumenischen Leitbildes in Baden. „Ein ökumenisches Pfarrbüro würde zum Beispiel große Chancen für das gute Miteinander der Konfessionen bieten“, schlägt der Landesbischof einen möglichen Ansatz vor.
Um Punkt zwölf Uhr lud Gastgeber Pfarrer David Reichert in das Lutherzentrum ein zum deftigen Weißwurstfrühstück begleitet von zünftiger Blasmusik. Das unermüdliche deutsch-französische Ensemble trotzte dem nasskalten Pfingstwetter und heizte den Gästen kräftig ein. Wie gut, dass sich der Landesbischof zuvor als Biertrinker geoutet hatte, dafür vergab ihm die Luthergemeinde sogar seinen Europameistertipp für Spanien – denn wie heißt es so schön bei ihrem Namensgeber Martin Luther: "Iss, was gar ist, trink, was klar ist, red’ was wahr ist."Karin Wilke




