„Unser wichtigstes und vorrangiges Anliegen ist es, den Emmertsgrund als Standort von diakonischem Handeln der Evangelischen Kirche zu erhalten“, erläutert Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug das Bauvorhaben. Das bestehende Forum 3 aus den 1970er-Jahren, in dem das evangelische Gemeindezentrum und der evangelische Kindergarten im Emmertsgrund untergebracht sind, ist von der Bausubstanz her so marode, dass es für die Evangelische Kirche in der jetzigen Form nicht mehr zu halten ist. Nur mit einem Neubau wäre es möglich, den bestehenden Kindergarten für den Emmertsgrund zu erhalten und zu einer interkulturellen KiTa mit Musikschwerpunkt auszubauen.
„Hier könnten Kinder aus verschiedenen Kulturen über die gemeinsame „Sprache“ der Musik leichten Zugang zueinander finden und lernen, schon im Kleinkind- und Vorschulalter inklusives Miteinander zu leben“, erläutert die Dekanin das Konzept. Dieses gibt es in Heidelberg bislang noch an keiner anderen Kindertageseinrichtung, es wurde im Masterstudiengang Bildungswissenschaften (Profil Frühkindliche und Elementarbildung plus) der Pädagogischen Hochschule Heidelberg entwickelt. Federführend bei diesem Projekt ist die Professorin für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie Dr. Jeanette Roos, mit der die Evangelische Kirche seit langem kooperiert.
Im gleichen Gebäude soll auch eine Bildungsstätte zur Fort- und Weiterbildung im Bereich der frühkindlichen und Elementarbildung unter wissenschaftlicher Begleitung der PH eingerichtet werden. „Zahlreiche Veränderungen in der Bildungslandschaft, die in starkem Maße auch Krippen und Kindergärten tangieren, bringen neue und anspruchsvolle Herausforderungen und Aufgaben für pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen mit sich“, weiß Professorin Roos. Der Qualifizierungsbedarf sei groß, Fort- und Weiterbildung mit angemessener Qualität gefragt, allemal in einem Gebiet wie dem Rhein-Neckar-Raum, wo die Dichte an Kindertageseinrichtungen hoch ist.
Darüber hinaus sollen 30 bis 40 Wohnungen in dem neuen Gebäudekomplex entstehen, die für unterschiedliche Nutzergruppen konzipiert werden können. Zum einen möchte die Evangelische Kirche gemeinsam mit der IBA Angebote für betreutes Wohnen für ältere Menschen schaffen, die in ihrem Stadtteil bleiben wollen, sich jedoch ein teures Pflegeheim nicht leisten können. Angedacht ist auch Wohnungseigentum für junge Familien und alleinstehende Menschen, nach Wunsch der Kirche zu sozialverträglichen Quadratmeterpreisen.
Da ein solches Konzept für die Kirche allein finanziell nicht zu stemmen ist, wurden bereits Gespräche geführt mit einem potenziellen Investor. Die „Conceptaplan & Kalkmann Wohnwerte“ kann sich die Realisierung des Konzepts mit anteiligem betreuten Wohnen und konventionellem Wohneigentum sowie der KiTa durchaus vorstellen. Bauvolumen und die mögliche Herstellung eines barrierefreien Zugangs vom Bürgerhaus im Forum 1 zur Passage im Forum 5 müssen in Abstimmung mit der Stadt noch festgelegt werden, hierzu kann auch die Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen gehören. Über einen Architektenwettbewerb gäbe es dann Alternativentwürfe unterschiedlicher Architekten zur Umsetzung der Vorgaben, in denen die Anregungen der Bürgerschaft vor Ort zur Erhaltung der Aussichtspunkte ins Rheintal und der Baumbestände mit aufgenommen würden.
Carl Zillich, Kuratorischer Leiter der IBA Heidelberg, setzt große Hoffnungen in den IBA-Kandidaten und freut sich, die Dekanin und den möglichen Bauträger zusammen mit der Stadtverwaltung weiter zu begleiten: „Seitdem die Idee vor gut drei Jahren erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, haben die Evangelische Kirche und die IBA viel in die Machbarkeit und Konkretisierung des Vorhabens investiert.“ Die IBA möchte durch eine gelungene, abgestimmte Wettbewerbsausschreibung gewährleisten, dass die bestehenden Qualitäten des Forums im Emmertsgrund weiterentwickelt und optimiert werden. „Außerdem sind die diversen Nutzer unter einem Dach wichtig für uns – der vielschichtige Ansatz passt zur Wissensstadt von morgen, und der Standort wäre für unsere Bauausstellung 2022 ein Gewinn“, erläutert Zillich das große Engagement der IBA.
Karin Wilke
Pressemedlung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg:
Ideenhaus für interkulturelle Bildung - Ein von Studierenden entwickeltes inklusives Konzept wird Realität
Unter der Leitung von Professorin Dr. Jeanette Roos (Institut für Psychologie) haben Studierende des Master-Studiengangs Bildungswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ein Konzept erstellt, nachdem Kinder aus verschiedenen Kulturen über die Musik leichten Zugang zueinander finden und lernen, schon im Kleinkind- und Vorschulalter inklusives Miteinander zu leben.
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