Heidelberg, den 26.10.2016. Klatschen, pfeifen, johlen in der ehrwürdigen Heiliggeistkirche, nach ziemlich profanen Textvorträgen, in denen es ganz schön zur Sache geht? Martin Luther macht’s möglich. Seine im Kontext der Bibelübersetzung gebrauchte – im besten Sinne des Wortes populistische – Formel, man müsse dem Volk „aufs Maul schauen“, um verstanden zu werden, wurde zum Thema eines Poetry Slams in Heidelbergs größter Kirche, in der sich der Reformator vor 500 Jahren persönlich aufgehalten hat. Für Pfarrer Vincenzo Petracca von der Citykirche Heiliggeist, die den Abend gemeinsam mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) veranstaltete, gab es deshalb keine Bedenken, auch einen mit Showelementen arbeitenden Textwettstreit im sakralen Raum stattfinden zu lassen. Es ist Reformationsjubiläum – und das lässt sich auch mit ungewöhnlichen Programmen feiern, wenn Luther inhaltlicher Dreh- und Angelpunkt ist.
„Luther wäre ein guter Slammer gewesen“, glaubt Petracca. Schließlich habe er die deutsche Sprache geprägt wie kein Zweiter. Dem konnte Moderator Philipp Herold, selbst Slam-Poet, mit stilistischen Beispielen nur beipflichten: Worte wie „Feuertaufe“ oder „Machtwort“, dazu Redewendungen wie „die Zähne zusammenbeißen“ stammen schließlich von dem Reformator. Sechs der bekanntesten deutschsprachigen Poetry Slammer stellten sich dem Luther-Slam in der etwa zur Hälfte gefüllten Heiliggeistkirche. Johannes Berger aus Hannover machte den Anfang, ein deftig-witziger Einstieg ins Thema mit dem Luther zugeschriebenen Tischspruch „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket?“. Das fragt die Oma in die Familienrunde und löst eine Diskussion über die Freiheit der Rede aus, im Laufe derer der Großvater einen seiner Enkel – der den Reformator als Antisemiten bezeichnet – ermahnt, er solle doch „Luther bei die Fische geben“, sprich das Maul gegen die heutigen Antisemiten und Rassisten aufmachen.
Seine Mitstreiterin Adina Wilcke aus Wien beleuchtete in ihrem Text die Sprache aus einem ganz anderen Blickwinkel: Sie wartet darauf, dass der andere endlich mal auf den Punkt kommt, den er eigentlich meint. Da sei Nonverbalität doch oft viel tiefer und weitergehender, „als uns die Sprache zu verstehen gibt“.
Für den verhinderten Andy Strauß sprang Bo Wimmer aus Marburg ein, der seinen nächtlichen Papst-Traum zum Besten gab – „den hätte Luther so oder anders haben können“. Plötzlich änderte sich die Welt, jeder Christ gab 20 Prozent seines Einkommens den Armen – und die Bettler tanzten. Cool eigentlich, „nur Gott fand mich doof“. Nach Ende des Traums wusste er nicht mehr, was er glauben sollte. Die erste Runde beschloss Paul Weigl aus Berlin, der sich mit reicher Fantasie dem Thesenanschlag Luthers in Wittenberg widmete. Schließlich erreichten – nach der Lautstärke des Applauses des Publikums gewertet – Johannes Berger, Bleu Broode und Bo Wimmer das Finale, aus dem Broode mit einer ironischen Geschichte über ein Erstsemestertreffen von Theologiestudenten als Sieger hervorging.
„Luther wäre ein guter Slammer gewesen“, glaubt Petracca. Schließlich habe er die deutsche Sprache geprägt wie kein Zweiter. Dem konnte Moderator Philipp Herold, selbst Slam-Poet, mit stilistischen Beispielen nur beipflichten: Worte wie „Feuertaufe“ oder „Machtwort“, dazu Redewendungen wie „die Zähne zusammenbeißen“ stammen schließlich von dem Reformator. Sechs der bekanntesten deutschsprachigen Poetry Slammer stellten sich dem Luther-Slam in der etwa zur Hälfte gefüllten Heiliggeistkirche. Johannes Berger aus Hannover machte den Anfang, ein deftig-witziger Einstieg ins Thema mit dem Luther zugeschriebenen Tischspruch „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket?“. Das fragt die Oma in die Familienrunde und löst eine Diskussion über die Freiheit der Rede aus, im Laufe derer der Großvater einen seiner Enkel – der den Reformator als Antisemiten bezeichnet – ermahnt, er solle doch „Luther bei die Fische geben“, sprich das Maul gegen die heutigen Antisemiten und Rassisten aufmachen.
Seine Mitstreiterin Adina Wilcke aus Wien beleuchtete in ihrem Text die Sprache aus einem ganz anderen Blickwinkel: Sie wartet darauf, dass der andere endlich mal auf den Punkt kommt, den er eigentlich meint. Da sei Nonverbalität doch oft viel tiefer und weitergehender, „als uns die Sprache zu verstehen gibt“.
Sie „beneide und respektiere ihn wegen seines Mutes“, auch wenn er kein Vorbild für sie sei, sagt die Slammerin Zoe Hagen aus Berlin über Luther: Ein Bericht über Schulmobbing wegen ihrer dunklen Haut und ihres Körpergewichts, der aber auch einen Selbstfindungsprozess einschließt – sie lernt, sich selbst zu schätzen. Bleu Broode aus Leipzig gefiel durch einen mit witzigen Wortspielereien gespickten Beitrag, in dem es um Protest gegen Konventionen – Zum Beispiel: beim Abwischen das Papier knüllen statt zu falten – und die Berufswahl nach einem Abitur ausgerechnet in Bremen geht. Er weiß, was das Wichtigste an sich ist: „Hauptsache, die Haare liegen.“
Für den verhinderten Andy Strauß sprang Bo Wimmer aus Marburg ein, der seinen nächtlichen Papst-Traum zum Besten gab – „den hätte Luther so oder anders haben können“. Plötzlich änderte sich die Welt, jeder Christ gab 20 Prozent seines Einkommens den Armen – und die Bettler tanzten. Cool eigentlich, „nur Gott fand mich doof“. Nach Ende des Traums wusste er nicht mehr, was er glauben sollte. Die erste Runde beschloss Paul Weigl aus Berlin, der sich mit reicher Fantasie dem Thesenanschlag Luthers in Wittenberg widmete. Schließlich erreichten – nach der Lautstärke des Applauses des Publikums gewertet – Johannes Berger, Bleu Broode und Bo Wimmer das Finale, aus dem Broode mit einer ironischen Geschichte über ein Erstsemestertreffen von Theologiestudenten als Sieger hervorging.
Arndt Krödel
Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberger Nachrichten vom Donnerstag, 3. November 2016



