Heidelberg, 15.02.2017. Viele Besucher, die heute die Heiliggeistkirche in Heidelberg besichtigen wollten, staunten nicht schlecht, denn das Gotteshaus war reserviert für einen ganz besonderen Anlass. Erstmals lud an diesem Tag die Evangelische Kirche in Heidelberg sozial schwache und ausgegrenzte Menschen zu einem Drei-Gänge-Menü in die festlich eingedeckte Kirche ein, über 150 Gäste aus Heidelberg und Umgebung sind dieser Einladung zur „Tafel-Runde“ gefolgt. Musikalisch umrahmt wurde das Essen von einem Faschingskonzert des Heiliggeistkantors Christoph Andreas Schäfer und seiner Frau Bettina Wunsch. Einen geistlichen Impuls zum reformatorischen Hintergrund gab Prof. Johannes Eurich, Leiter des Diakoniewissenschaftlichen Instituts der Uni Heidelberg.
Bedient wurden die Gäste von außergewöhnlichem „Servicepersonal“: Neben Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner, seinen beiden Amtskollegen Wolfgang Erichson und Dr. Joachim Gerner sowie den Dekanen der beiden Kirchen servierten viele weitere prominente und ehrenamtliche Helfer aus der Stadt und den Gemeinden. „Ich fühle mich wie auf einem großen Familienfest“, beschreibt der Oberbürgermeister die heitere Stimmung in der gefüllten Kirche. „Man fühlt sich wohl und gut aufgehoben, in netter Gesellschaft“, fährt er mit einem Blick auf seine Tischnachbarn fort. Diese sind positiv überrascht von ihrer prominenten Bedienung: „Wann hat man schon mal die Gelegenheit, den Oberbürgermeister persönlich kennenzulernen?“, freut sich ein aus Mannheim angereister Gast. Seine Tischnachbarin aus Leimen ist rundum zufrieden: „Das Essen schmeckt wunderbar und das Schönste daran ist, dass heute einmal wir bedient werden!“
„Unsere Idee für die Tafel-Runde entspringt dem diakonischen Gedanken, dass die Kirchengemeinde Verantwortung für sozial schwache und ausgegrenzte Menschen übernimmt. Diese Idee geht zurück auf das reformatorische Gedankengut Martin Luthers, der von jedem Christenmenschen Verantwortung für seinen Nächsten einforderte“, erläutert Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug den Anstoß für diese ungewöhnliche Einladung. Das Eintreten für Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ist ein wichtiges Anliegen der Kirche. „Auch die Stadt Heidelberg muss für diejenigen da sein, die aus eigener Kraft nicht voran kommen, hierbei sind die Kirchen wichtige Partner für uns“, ergänzt Kulturbürgermeister Joachim Gerner. Er selbst ist heute aus Überzeugung hier: „Selbstverständlich helfe ich gerne bei einem so besonderen Ereignis und es mir eine große Freude, heute für diese Menschen da sein zu können.“
Seit vielen Jahrzehnten engagieren sich Diakonie, Stadtmission und Caritas mit ihren Angeboten für sozial schwache und für obdachlose Menschen in Heidelberg. So wurden auf Initiative der Heiliggeistgemeinde Anfang der 80er Jahre die „Frühstückswochen im Winter“ gegründet. Mittlerweile ist dies in Heidelberg ein fest etabliertes ökumenisches Projekt, bei dem immer mehr evangelische und katholische Pfarrgemeinden sowie Gemeinden aus den Freikirchen der ACK mitmachen. Viele der Frühstückswochen-Gäste waren auch heute dabei und haben die festlich-familiäre Atmosphäre in der Heiliggeistkirche sichtlich genossen. Das Essen vom Küchenteam des Krankenhaus Salem, das unter Leitung des Küchenchefs Heinz-Bernd Hackfort wie im Sternrestaurant angerichtet war, ging jedenfalls bis auf den letzten Teller raus. Und zu guter Letzt tanzten die beiden Dekane zu Walzerklängen im Kirchenschiff – gelungener hätte das schöne Fest kaum ausklingen können.
Karin Wilke