„Aufs Maul geschaut. Mit Luther in die Welt der Wörter“

Interaktive Ausstellung zum 500. Reformationsjubiläum in der Heiliggeistkirche eröffnet

Kulturamtsleiterin Dr. Andrea Edel und Citykirchenpfarrer Dr. Vincenzo Petracca an der Station "Alles hat seine Zeit"

Quelle: Karin Wilke

Heidelberg, 24.2.2017. Die UNESCO City of Literature Heidelberg eröffnete heute in Kooperation mit der Citykirche Heiliggeist Sprachschöpfungen Martin Luthers in der Ausstellung „Aufs Maul geschaut. Mit Luther in die Welt der Wörter“. Vom 25. Februar bis 26. März 2017 ist die Ausstellung in der Heidelberger Heiliggeistkirche zu sehen.

Luthersche Redewendungen, die heute sprichwörtlich in aller Munde sind, werden in der Ausstellung sinnlich erfahrbar. Acht poetische Installationen laden dazu ein, sich lustvoll und aktiv in die Welt einzelner Wörter zu vertiefen. Die exklusiv für die Ausstellung angefertigten Exponate, die „Apparate zur Spracherfindung“, leiten den Besucher zu den zentralen Begriffen der Lutherschen Redewendungen und machen sie fühlbar, hörbar, lesbar und erfahrbar: So erzählt eine Wand aus Rinde die Geschichte des Wortes „Buch“, ein mechanisches Orchester seziert Redewendungen in ihre Laute und arrangiert sie neu, das Wort „Zeit“ bildet sich aus einem überdimensionalen Abreißkalender, und iPads formieren die Geschichte des Begriffs „Hand“ – nachdem der Besucher selber „Hand angelegt“ hat.

„In unserer heutigen Zeit ist es nötig, die biblischen und auch die politischen Botschaften in ihrer großen Komplexität ernst zu nehmen. Sie verständlich, aber nicht vereinfacht oder gar verfälscht aufzunehmen und wiederzugeben.

Die Station "Der Mensch ist zur Arbeit geboren" provoziert hinter dem Altar

Quelle: Karin Wilke

In dieser Verantwortung steht für mich das Erbe der Reformation in Bezug auf das Thema Sprache“, erklärt Dekanin Marlene Schwöbel-Hug in ihrem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung. Aber sie warnt auch vor der Macht von Sprache, wenn sie missbräuchlich verwendet wird: „Dem Volk aufs Maul schauen – ja, wenn es darum geht, komplizierte Zusammenhänge einfach darzustellen. Nein, wenn komplexe Zusammenhänge verkürzt und dadurch sinnentfremdet werden.“

Acht Klangkörper korrespondieren auf der Südempore mit dem Engelschor unter dem Titel "Aufs Maul geschaut"

Quelle: Karin Wilke

Anlass der Ausstellung ist das 500-jährige Reformationsjubiläum, das die Evangelische Kirche in Heidelberg mit zahlreichen Veranstaltungen feiert. Das Haus für Poesie in Berlin, die Stiftung Brückner-Kühner (Kassel) und die Neue Fruchtbringenden Gesellschaft (Köthen) haben sie entwickelt, das Berliner Studio TheGreenEyl hat sie realisiert und in Berlin wurde sie auch eröffnet. In dieser erweiterten Form wird die Ausstellung in Heidelberg nun erstmals in einem Kirchenraum gezeigt. Die evangelische Heiliggeistkirche ist der zentrale Ort der Lutherstadt Heidelberg und der Feierlichkeiten des Reformationsjubiläums, auf ihrer Empore befand sich einst die berühmte „Bibliotheca Palatina“.

Beim "Buch mit 7 Siegeln" sind die Botschaften in Baumstämme geritzt

Quelle: Karin Wilke

„Auf unserem Altar steht eine Lutherbibel. Die Installationen haben wir daher ins Zentrum unseres Gotteshauses genommen, sogar in den Altarraum“, erläutert Citykirchenpfarrer Vincenzo Petracca die ungewöhnlichen Kunstobjekte in der Kirche. „Einen Monat lang werden wir um und mit den Installationen über Luthers biblische Redewendungen Abendmahl feiern. So wird sichtbar werden: Wir Evangelische leben vom Wort, wir machen Kunst auf Augenhöhe erfahrbar.“

Lutherinteressierte Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung von Mo-Sa von 11-17 Uhr und So von 12.30 bis 17 Uhr besichtigen, der Eintritt ist frei. Sonntags um 14 Uhr gibt eine kostenlose einstündige Führung durch die Ausstellung.

Mehr Infos unter www.ekihd.de/reformation

Karin Wilke