Zehn neue Pfarrer für die Region in Heidelberger Heiliggeistkirche ordiniert

Der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh ordinierte in Heidelberg zehn neue Pfarrer - Darunter war auch eine 55-jährige Vierfachmama

Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (r.) hob die Vikare ins Pfarramt.

Quelle: Philipp Rothe

Heidelberg/Rhein-Neckar, 07.03.2017.
Das machen Karin Treiber und Dietmar Reizel schon automatisch: Wenn ein Gast die Heiliggeistkirche in Heidelberg betritt, reicht Treiber ihm die Hand, führt ihn zu einem leeren Platz. Fehlt das Programm, reicht Reizel es nach. Und als das Abendmahl gefeiert wird, verteilen sie wie selbstverständlich Hostien und Wein, erzählen von Jesus’ letztem Mahl, so, als wären sie jetzt selbst Pfarrerin und Pfarrer. Und irgendwie sind sie es ja auch. Denn Treiber und Reizel sind zwei von zehn ehemaligen Vikaren, die Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh am Wochenende zu Pfarrern ordinierte - mit einem großen, fast dreistündigen Fest in der Heiliggeistkirche und gut 400 Gästen aus halb Baden-Württemberg.

"Ein toller Einsatz", lobt Cornelius-Bundschuh. Und der scheint dringend nötig. Schließlich droht in den nächsten Jahren bereits ein Personalengpass: Pensionierungen in den geburtsstarken Jahrgänge stehen an. Die Evangelische Kirche investiert verstärkt in Nachwuchswerbung, sucht Theologiestudenten, die nach zweijähriger Ausbildungszeit, dem sogenannten Lehrvikariat, bereit sind für das Pfarramt.

Mutige wie Karin Treiber. An diesem Abend ist sie vor allem für Abendmahl und Gebete zuständig. Doch sie erzählt auch von ihrem Weg durchs Vikariat. Das hatte sie bei einer Pfarrerin in Ilvesheim gemacht, wo sie Konfirmanden unterrichtete und den Gottesdienste gestaltete. Ihr Weg begann aber schon lange vor dem Vikariat - wie bei Kollegin Marie-Louise Scheuble, die "über den Konfirmandenunterricht reinrutschte" - fing alles in der Kindheit an.

Die Geschichten im Gottesdienst hatten es Treiber angetan, damals, als sie vielleicht fünf, sechs war und aus der Bibel las. "Da habe ich schon gespürt, das hat etwas mit meinem Leben zu tun." Ihren Wunsch, Pfarrerin zu werden, musste Treiber nach dem Studium zwar zwischenzeitlich ad acta legen. "Ich bin Mutter geworden, vierfach", sagt die 55-Jährige, "aber jetzt, wo die Kinder groß sind, wollte ich’s durchziehen".

Doch hadert man da nicht manchmal mit dem Glauben? Dem Job? In einer Zeit, wo die Kirchen leerer, die Gläubigen weniger werden? "Es wäre gelogen, wenn nicht", gesteht Scheuble. Sie selbst hatte Zweifel, damals, als sie in Heidelberg und Basel studierte. "Aber wissen Sie, es geht um so viel mehr als nur den Gottesdienst." Das merkte die 28-Jährige in ihrem Vikariat in Kürnbach-Bauerbach, einem Weindorf nahe Karlsruhe. "Man war einfach mitten im Leben, wurde gebraucht", sagt sie. Vor zwei Jahren stürzte sich Scheuble erst begeistert in die Jugendarbeit, dann nahm sie sich der Trauerarbeit an. "Es war nicht immer leicht, weil ich noch so jung bin, und öfters hörte: ‚Ja Mädel‘, obwohl ich im Talar dastand", erinnert sie sich. "Der Respekt kam mit der Zeit." Jetzt, nach der Ordination, ist sie Pfarrerin. Ob sie aufgeregt ist? "Und wie", sagt Scheuble lächelnd und steht keine halbe Stunde später vor dem Landesbischof, lässt sich segnen und ins Amt heben.

Cornelius-Bundschuh hat dabei einen Rat: "Das evangelische Pfarramt war immer schon ein Amt der Freiheit", sagt er. "Es lebt von Ihrem Spirit. Bedenken Sie das, wenn es Konflikte gibt." Ein Amt der Freiheit. Eine schöne Symbolik, findet Dietmar Reizel. Ein eigentlich promovierter Jurist, bei dem man sich wundert, wie er zum Pfarrer geworden ist. Reizel lacht. "Die Frage höre ich oft. Ich war auch schon drei Jahre im Beruf", erzählt er. "Aber ich merkte, da fehlt was. Ich wollte den Menschen nicht nur juristisch helfen."

Und das wird er jetzt im Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg tun, andere treibt es nach Dossenheim, Mannheim, Kraichgau und Mosbach. Oder wie Treiber nach Heidelberg, in die Altstadt-Gemeinde.

Daniela Biehl

Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberger Nachrichten vom Dienstag, 7. März 2017