Frühjahrssynode in Heidelberg: Haushalt war zentrales Thema

Stadtsynode tagte zweimal im wöchentlichen Abstand – Einstieg in Zukunftsfragen

Pfarrer Wirth stimmte mit Texten von Paul Gerhardt auf die bevorstehende Synode ein

Quelle: Karin Wilke

Heidelberg, 17. März 2017. Zur Frühjahrssynode im März 2017 trafen sich die Mitglieder der Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Heidelberg in diesem Jahr gleich zweimal, im Fokus stand die Haushaltssituation der Evangelischen Kirche in Heidelberg. „Die Situation ist sehr angespannt, aber noch haben wir Möglichkeiten, die Herausforderungen zu gestalten“, erläuterte der Synodenvorsitzende David Reichert den rund 90 anwesenden Synodalen und Gästen die aktuelle Lage.

Am 16. März wurde der Haushalt 2016/17 beschlossen, der ein deutliches Minus zeigt. Zuvor wurden den Synodalen in einer ersten Lesung am 8. März die Ursachen für das Defizit von 1.386.629 Euro in 2016 und 1.830.431 Euro in 2017 erläutert. Grund hierfür ist unter anderem eine Unterfinanzierung im Bereich der Kindertagesstätten, der Gebäude und der kirchlichen Verwaltung. In der Synodensitzung am 16. März wurden nun Entscheidungen getroffen, die das aktuelle Defizit regulieren. Dieses soll nach Einbringung aller kirchengemeindlichen Rücklagen durch innere Verrechnung mit freien Rücklagen der Pfarrgemeinden beglichen werden.

Horst Althoff (2.v.li.) wurde als zukünftiger Geschäftsführer der EKV der Synode vorgestellt

Quelle: Karin Wilke

„Ich finde es großartig, dass die Gemeinden aus ihren oft mühsam erarbeiteten Rücklagen Geld geben werden zur Deckung des Defizits, insbesondere für die Kitas!“, freut sich Dekanin Marlene Schwöbel-Hug über den großen Rückhalt aus den Pfarrgemeinden. „Dadurch wird deutlich, wie wichtig uns als Bezirk die Kindergartenarbeit ist. Ich bin stolz auf das wunderbare Miteinander im Kirchenbezirk, das ein wirkliches Geschenk ist“, so die Dekanin weiter.

Zudem wurde für die Evangelische Kirchenverwaltung ein Aufgabenrahmen beschlossen, mit dem eine nachhaltige mittelfristige Finanzplanung angegangen werden kann. Diese wird – besonders für den Bereich der Kindertagesstätten – Gegenstand der Synoden im Herbst dieses Jahres sein.

„Wir sind froh, dass wir den Gremien in Heidelberg nun einen Haushaltsplan vorlegen konnten, ebenso ein Grundlagenpapier, das diesen erläutert“, berichtete Kirchenrat Andreas Maier vom EOK. „Dieses Grundlagenpapier gibt Klarheit über die Defizite des Haushaltsplanes. Ebenso enthält es Beschlussvorschläge zum Haushaltsausgleich sowie Aufträge an die Verwaltung im Blick auf notwendige Veränderungen. Dabei durfte und darf es keine Tabuthemen geben“, forderte der Abteilungsleiter.

Mit großem Engagement stimmten die Synodalen über die Haushaltsbeschlüsse ab

Quelle: Karin Wilke

„Der Haushaltsausgleich kann nur durch nahezu vollständige Entnahmen aller freien Rücklagen – auch die der Pfarrgemeinden – erfolgen“, legte Interimsgeschäftsführer Friedhelm Roth den Mitgliedern der Bezirkssynode dar. Entscheidend ist für ihn, dass der Blick in die Zukunft gerichtet wird. „Vorrangiges Anliegen ist eine schrittweise Verbesserung des Haushaltsergebnisses. Dieses können wir erreichen, wenn Einnahmen gesteigert und zunächst nur notwendige Ausgaben getätigt werden.“ Durch ihre Beschlüsse habe die Stadtsynode Veränderungsprozesse auf den Weg gebracht, die in Zukunft einen ausgeglichenen Haushalt ermöglichen.

„Dabei hat sich bereits in dieser Synode gezeigt, dass die Evangelische Kirche in Heidelberg sehr gewissenhaft und mit hoher Verantwortung in die Entscheidungen geht“, betonte Roth. Auch wenn der Spielraum durch die defizitäre Haushaltslage sehr eng sei, werde man die Vorhaben breit diskutieren und Sofortmaßnahmen nur dort ergreifen, wo sie angesichts der Haushaltslage unumgänglich sind.

„Die Situation unseres Stadtkirchenbezirks ist derzeit sehr schwierig und wird noch manche Anstrengungen erfordern“, resümierte der Vorsitzende der Stadtsynode, Pfarrer David Reichert. „Als Christen wissen wir uns dabei jedoch getragen und geführt. Aus diesem Grund blicke ich positiv in die Zukunft und bin mir sicher, wir werden als Kirche gestärkt aus dieser schwierigen Zeit hervorgehen.“

Karin Wilke

Info: Die Heidelberger Stadtsynode hat derzeit insgesamt 113 Mitglieder, davon sind 69 stimmberechtigt. Diese setzen sich wie folgt zusammen: 25 kraft Amtes, 12 sind vom Stadtkirchenrat berufen und 31 Synodale werden aus den Ältestenkreisen der Pfarrgemeinden entsandt. Daneben gibt es noch 44 beratende Mitglieder ohne Stimmrecht. Die Stadtsynode leitet gemeinsam mit den anderen Organen den Stadtkirchenbezirk und beschließt den Haushalt, also die finanziellen Rahmenbedingungen. Weiterhin trägt sie dafür Sorge, dass Lehre, Gottesdienst und Unterricht dem Auftrag der Kirche gerecht werden. Die Synode informiert sich über kirchliche und gesellschaftliche Vorgänge im Stadtkirchenbezirk, sie nimmt öffentlich Stellung und berät den Stadtkirchenbezirk in wichtigen Angelegenheiten.