„Kirche in Heidelberg ist bunt“ – Aufnahme der Koreanischen Gemeinde Heidelberg in die badische Landeskirche wurde mit einem Festgottesdienst gefeiert

Prälat Schächtele überreicht Pfarrer Jeon die Urkunde zur Aufnahme (v. li nach re) Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug, Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele, Pfarrer Jun-Bong Jeon, Kirchenältester Stefan Knoob

Quelle: Karin Wilke

Heidelberg, 26.03.2017. „Kirche in Heidelberg ist bunt, steht für Weite, sie zeigt: Wir sind eine offene Kirche – offen vor allem für die Ökumene –, die weiß, dass Christen weltweit zur Kirche Jesu Christi gehören. In schwierigen Zeiten für unsere Stadtgemeinde haben wir heute Grund zum Feiern, Grund uns zu freuen!“ Mit diesen Worten begrüßte Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug an diesem Sonntagnachmittag die rund 60 Gottesdienstbesucher in der Heidelberger Petruskirche. Anlass für den Festgottesdienst war die Eingliederung der Koreanischen Gemeinde Heidelberg als Personalgemeinde in die Evangelische Landeskirche in Baden im Juli des Vorjahres.

„Dies ist ein erfreulicher Präzedenzfall für Baden, der die weltweite Ökumene unserer Landeskirche beispielhaft vor Augen führt“, kommentierte Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele die Aufnahme der badenweit ersten fremdsprachigen Migrationsgemeinde in den Kirchenbezirk Heidelberg. „Damit verbinde ich auch die Hoffnung, dass diesem Bespiel weitere nachfolgen werden“, so der Prälat des Kirchenkreises Nordbaden weiter. In Vertretung des Landesbischofs überreichte er Pfarrer Jun-Bong Jeon an diesem besonderen Tag eine Urkunde, die die Aufnahme seiner Gemeinde als Personalgemeinde in die Evangelische Kirche in Baden noch einmal ganz offiziell bezeugt.

Auszug aus der Kirche nach dem Gottesdienst, vornean die Dekanin mit dem Prälaten

Quelle: Karin Wilke

Seit über 40 Jahren gibt es die Koreanische Gemeinde in Heidelberg. Der erste Gottesdienst fand am 2.12.1973 mit 16 Gemeindegliedern unter Leitung von Young-Han Kim in der Klinikkapelle der Thorax-Klinik in Rohrbach statt. Nachdem sie häufig den Ort wechseln musste, fand sie im Juni 2002 in der Kirchheimer Blumhardt-Gemeinde – auch auf Betreiben der damaligen Pfarrerin Christiane Drape-Müller hin – eine Bleibe.

„Wir haben uns heute zum Gottesdienst versammelt, um zu feiern, dass wir eins werden“, begann Pfarrer Jun-Bong Jeon seine Predigt auf Koreanisch. Dass zwei unterschiedliche Sprachen und Kulturen zusammenfinden konnten, habe auch manches Kopfzerbrechen bereitet und Anstrengungen erfordert, erläuterte der Pfarrer. „Von nun an gilt es herauszufinden, wie wir dieses Zusammensein gestalten und vertiefen können“, richtete sich Jeon an die anwesenden Gottesdienstbesucher beider Gemeinden. „Das ist nun unser neues Kopfzerbrechen, aber auch unsere Hoffnung.“

(v. li nach re) Die Kirchenältesten der Blumhardt-Gemeinde freuen sich mit ihrem Pfarrer Fabian Kliesch, Pfarrer Jun-Bong Jeon, Dekanin Marlene Schwöbel-Hug und Prälat Traugott Schächtele über den gelungenen Aufnahmegottesdienst

Quelle: Karin Wilke

Nach mehreren Jahren Verhandlung hat die Evangelische Landeskirche in Baden die koreanische Migrationsgemeinde am 26. Juli 2016 mit allen Rechten und Pflichten einer Pfarrgemeinde aufgenommen. Konkret bedeutet dies, dass die Heidelberger Dekanin nun Mitspracherecht bei der Wahl des Pfarrers sowie Visitationsrecht hat. Außerdem muss die Gemeinde sich beim Gottesdienstablauf und in der Buchhaltung an die Regularien der badischen Landeskirche halten. Zu den Rechten gehören die Mitgliedschaft im Pfarrkonvent, Stimmrecht in der Synode und der „Versicherungsschirm“ der Landeskirche. Im Unterschied zu den anderen Heidelberger Pfarrgemeinden müssen die Koreaner jedoch ihre Pfarrstelle selbst bezahlen, denn einen Anspruch auf eine von der Landeskirche finanzierte Stelle hätten sie erst ab einer Größe von 3000 Gemeindegliedern.

Allen Grund zur Freude hat an diesem Tag auch Pfarrer Dr. Fabian Kliesch, der sich seit drei Jahren für eine gute Zusammenarbeit mit der Koreanischen Gemeinde in den Räumen seiner Blumhardt-Gemeinde einsetzt. „Ich freue mich in diesem Jahr auf die gemeinsamen Lobpreisgottesdienste, die wir mit der Koreanischen Gemeinde monatlich anbieten. Es ist immer sehr schön, die koreanischen Musiker dabei zu haben und in verschiedenen Sprachen zu singen und zu beten“, so der ökumenisch engagierte Pfarrer. „Ein besonderes Highlight am Ende des Jahres ist unser Adventskonzert, bei dem erstmals der koreanische Chor und der deutsche Gemeindechor zusammen auftreten werden.“

Karin Wilke