Wirklich ein „Glücksfall“? "Körperwelten-Ausstellung soll dauerhaft im Alten Hallenbad gezeigt werden

Heidelberg, 12.06.2017. Die Ausstellung „Körperwelten – Anatomie des Glücks“ soll eine langfristige Bleibe im Heidelberger "Herrenbad" finden. Als Vertreter der christlichen Kirchen können wir einen Umgang mit Verstorbenen als Ausstellungsstücke nicht akzeptieren und nicht gutheißen. Die Würde des Menschen ist für uns auch über den Tod hinaus unantastbar.

Man traut sich kaum, Wasser in den Wein zu gießen, so glücklich scheinen sich die Umstände zusammenzufügen, dass beide sich gefunden haben: Eine leer stehende Immobilie und die Ausstellung „Körperwelten – Anatomie des Glücks“, die eine langfristige Bleibe sucht. Wenn, ja wenn es sich bei den Exponaten im Alten Hallenbad nach der Zeit mit Gastronomie und Kleiderkollektionen eben nicht um eine „Kollektion“ von Körpern verstorbener Menschen handelte, wie sich Frau Whalley im SWR ausdrückte.

Show und Kommerz mit Leichen: Ob sich das für die Wissenschaftsstadt Heidelberg als Glücksfall erweisen wird? Und ob das Heidelberger Bestattungsgesetz wirklich liberaler ist als das von Berlin, wo man auf den „Glücksfall“ verzichtet hat? Als Vertreter der christlichen Kirchen können wir einen Umgang mit Verstorbenen als Ausstellungsstücke nicht akzeptieren und nicht gutheißen. Die Würde des Menschen ist für uns auch über den Tod hinaus unantastbar. Wir leben in einer Welt, in der Menschenleben viel zu oft missachtet werden, der menschliche Körper wie eine Sache betrachtet wird. Diesem Trend folgt unserer Ansicht nach auch die Ausstellung Körperwelten.

Droht dem verstorbenen, plastinierten Menschen ein Schicksal als Wegwerfobjekt? Was geschieht mit den „Ausstellungsstücken“, wenn sie ersetzt werden durch andere? Bekommen sie eine Bestattung oder werden sie „entsorgt“? Die jüdisch-christliche Tradition bezeugt, dass Gott jeden Menschen bei seinem Namen gerufen hat (Jes 43,1) und er unverwechselbar ist, auch über den Tod hinaus. Die Frage muss gestellt werden: „Als was gilt der Mensch in unserer Gesellschaft? Als Individuum, als Beziehungswesen oder als eine Sache, die ausgestellt und abgestellt werden kann?“ Die Antwort darauf entscheidet nach unserer Überzeugung über die Menschlichkeit einer Gesellschaft und auch über die Würde von Verstorbenen.

Dr. Marlene Schwöbel-Hug, Dekanin und Dr. Joachim Dauer, Dekan