Klangteppich über Heidelberg

Über 200 Chöre und mehr als 5000 Musikbegeisterte feierten das badische Chorfest im Jahr des Reformationsjubiläums

Zum Abschlussgottesdienst am 2.7. schien die Sonne

Quelle: Karin Wilke

Heidelberg, 02.07.2017.
Mit einem Festgottesdienst auf dem Heidelberger Universitätsplatz ist das Chorfest der badischen Landeskirche am Sonntagmorgen zu Ende gegangen. Konzerte, Gottesdienste, Workshops und musikalische Spaziergänge zogen am Wochenende mehr als 5000 Teilnehmende an den Neckar.
 
In seiner Predigt verknüpfte Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh die Freiheitsbotschaft der Reformation mit der Kraft des Gesanges und sagte: „Singen ist eine evangelische Antwort auf den Geist der Freiheit, der mit Jesus in die Welt hineinweht“.


Besinnliche Stimmung beim Abendgottesdienst in Heiliggeist

Quelle: Karin Wilke

Der Landesbischof erinnerte dabei an die auch politisch verändernde Kraft des gemeinschaftlichen Singens. So hätten die baltischen Staaten in den 1990er Jahren „eine singende Revolution“ gefeiert – „wie in der Reformation haben die Menschen so lange gesungen, bis die Mächtigen ihnen zuhörten und sie einen neuen Weg gehen konnten.“ Aber auch ganz persönlich bedeute das Singen heute, „dass ich einen Platz in dieser Welt habe, dass ich gewollt bin, dass meine Stimme gebraucht wird, dass Gott mich hören will“, sagte Cornelius-Bundschuh.

Aus ganz Baden präsentierten sich am Wochenende Kirchenchöre, Kammerchöre und Kantoreien, Gospelchöre, Kinderchöre und Bläser und luden an vielen Orten zum Mitsingen ein. 2500 Sängerinnen und Sänger reisten mit ihren Chören nach Heidelberg, hinzu kam noch einmal eine ähnliche Zahl an Einzelgästen, darunter auch eine Reihe Heidelberg-Touristen. Touristische Angebote ergänzten das Angebot, etwa der „Chorspaziergang Philosophenweg“ oder eine Stadtführung auf den Spuren Martin Luthers. Projektleiter Michael Braatz-Tempel zeigte sich zum Abschluss sehr erfreut über die gute Resonanz und die große Zahl an ehrenamtlichen Helferinnern und Helfern. Das inhaltlich weit gestreute Programm habe sich bewährt und das Chorfest habe stark in die Stadt hineingewirkt, sagte Braatz-Tempel.

Messias zum Mitsingen - auch im Regen

Quelle: Karin Wlke

Höhepunkte waren unter anderem das Kindermusical „Martin Luther“ in der Providenzkirche sowie zwei open-air-Aufführungen von Händels „Messiah“ in englischer Sprache auf dem Universitätsplatz. Unter den mehr als 1500 Besuchern nutzten am Samstagnachmittag viele die Möglichkeit des „Messiah zum Mitsingen“. Beim anschließenden Abendgottesdienst in der Peterskirche dankte der für Kirchenmusik zuständige Oberkirchenrat Matthias Kreplin (Karlsruhe) allen Menschen, „die uns Gottes Güte zusingen“, grade auch in Zeiten, in denen die Zuversicht manchmal fehle. Gero Albert, Landesobmann des badischen Kirchenchorverbandes, würdigte den Chorgesang in der Kirche als „ein Fenster zum Himmel“, durch das Menschen von Gott berührt werden könnten.

Podiumsdiskussion mit  MdB Jürgen Trittin, dem Theologen Christoph Strom, Altbischof Wolfgang Huber, Friedensforscherin Corinna Hauswedell und Moderator Ulrich Deppendorf

Quelle: Karin Wilke

Zum Auftakt des Chorfestes hatten Heidelberger Wissenschaftler gemeinsam mit dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber und dem Grünen-Politiker Jürgen Trittin über die spannungsreiche Rolle von Religion als Friedensstifterin und Konfliktverschärferin diskutiert. Altbischof Huber betonte dabei die wichtige Rolle der Religion bei der Aufarbeitung kriegerischer Auseinandersetzungen in afrikanischen Staaten wie Mosambik oder Ruanda. Entgegen einer teilweise verbreiteten Auffassung hob er zugleich hervor, dass eine Welt ohne Religion seines Erachtens keineswegs friedvoller aussehe. Auch Moderator Ulrich Deppendorf hatte in einem Radiointerview zuvor das friedensethische Engagement der Kirchen gewürdigt.

Dr. Daniel Meier, Pressesprecher des Evangelischen Oberkirchenrats