Die Greifvögel werden flügge

Die Mutter der Vögel ist gestorben, deshalb zog die Kirchenälteste die Küken auf - Auch die Katzen halfen mit

Das Schicksal der Küken stand lange auf der Kippe, aber drei der vier Falken entwickeln sich nun prächtig.

Quelle: Kerstin Haas

Heidelberg, 07.07.2017. (dns) Die Falkenküken im Turm der Pfaffengrunder Auferstehungskirche sind erst wenige Wochen alt, die Jungvögel haben aber schon einiges durchgemacht: Kurz nachdem die RNZ am 2. Juni über sie berichtet hatte, starb die Falkenmutter. "Der Vater übernahm die Mammutaufgabe der Aufzucht", berichtet die Kirchenälteste Kerstin Haas. Dieser habe es allein aber nicht geschafft, die Jungen mit ausreichend Futter zu versorgen. "An dieser Stelle beschloss ich einzugreifen. Ich habe mich eingelesen und etliche Telefonate geführt", so Haas. Als Laie sei sie für jeden Tipp dankbar gewesen: "Ich wollte ja helfen, aber auch nichts falsch machen."

Also ging die 49-Jährige nun jeden Tag die 86 Stufen des Kirchturms hoch und fütterte dort den Falkennachwuchs mit gekauften Futtermäusen. Für eines der vier Küken kam diese Hilfe zu spät, aber die verbliebenen drei entwickelten sich zunächst sehr gut - wie auch die Fotos zeigen, die Haas regelmäßig durch einen kleinen Schlitz macht.

Kurz danach kam jedoch der nächste Schock für die Tiere: Auch der Falkenvater verschwand plötzlich spurlos. "Wir dachten in dieser Zeit sogar schon über einen ,Umzug‘ zum Nistkasten im Tankturm in der Bahnstadt nach", berichtet Haas. "Satt bekam ich sie ja, aber das Fliegen und Jagen kann ich ihnen nicht beibringen." Glücklicherweise kam der Falkenvater aber zurück und schaut nun wieder regelmäßig nach seinem Nachwuchs. Futter hat er jedoch selten dabei, sodass die Kirchenälteste weiterhin Mäuse besorgt. Ihr Engagement hat sich in der Emmaus-Gemeinde natürlich schnell herumgesprochen, und die Mitglieder helfen ihrer Kirchenältesten. Die Sammelbox in der Kirche wird rege genutzt, im Café wird öfter mal spontan gesammelt, und in der Zoohandlung Kölle erhält Haas mittlerweile sogar einen Rabatt auf die Futtermäuse. "Und selbst meine beiden Katzen leisten mit ihren erlegten Mäusen einen Beitrag", berichtet sie stolz.

Und all der Einsatz zahlt sich nun aus: Am Sonntag drehten die Jungvögel ihre ersten eigenständigen Runden, natürlich sehr zur Freude von Kerstin Haas: "Ich konnte ja überhaupt nicht wissen, ob das mit dem Füttern auch klappt, und freue mich natürlich umso mehr, dass es gelungen ist."

Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg