Evangelische Gemeinden in Kirchheim offiziell vereint zur Bonhoeffer-Gemeinde

Pfarrer Chinedu Nweke und Diakon Kai-Uwe Kretz werden an der katholischen Kirche abgeholt.
Heidelberg, 16. Juli 2017. Anlässlich der Vereinigung der evangelischen Wichern- und Blumhardtgemeinde in Kirchheim gab es an diesem Sonntag bei herrlichem Wetter ein großes Fest mit buntem Programm. Den Auftakt bildete um 10 Uhr ein Festgottesdienst in der Petruskirche, den Dekanin Marlene Schwöbel-Hug gemeinsam mit den Pfarrern Albrecht Herrmann, Fabian Kliesch und Jungbon Jeon hielt.

Anschließend zog die Festgemeinde singend durch Kirchheim, vorbei an der katholischen Kirche St. Peter, wo sich die Gottesdienstbesucher in ökumenischer Verbundenheit gemeinsam auf dem Weg zur Arche machten. Dort wurde die Prozession feierlich begrüßt vom Posaunenchor der Bonhoeffer-Gemeinde und der Gottesdienst wurde mit einem Abendmahl beendet.

Ankunft der Prozession in der Arche. V. li.: Pfarrer Fabian Kliesch, Dekanin Marlene Schwöbel-Hug, Pfarrer Albrecht Herrmann, Pfarrer Jungbon Jeon
Danach luden leckeres Essen und zahlreiche Aktionen zum Verweilen und Mitmachen ein. So gab es eine Baumpflanzaktion mit dem Obst- und Gartenbauverein Kirchheim unter Leitung des Vorsitzenden Peter Vierling. Die beiden Feigenbäume mit den passenden Namen Nazareth und Jordan haben nun unter dem Glockenturm einen Platz zum Zusammenwachsen gefunden. Clown Zauberer Parastu begeisterte nicht nur die Kinder und natürlich durften auch die jungen Artisten des Gemeindezirkus Konfetti mit ihrem waghalsigen Programm unter Leitung von Peter Böhme nicht fehlen.

Christina Bartaune und Dietrich Dancker führten Interviews mit ehemaligen Pfarrern, Gemeindesekretärinnen und Gemeindeältesten, wobei manch lustiges und auch ernsthaftes Detail zum gut zehnjährigen Fusionsprozess zu hören war.

Interview mit Christiane Kaltschmitt
Die ehemalige Pfarramtssekretärin Christiane Kaltschmitt wünschte der fusionierten Gemeinde „genug Raum für eine gemeinsame Heimat“. Vincenzo Petracca, ehemaliger Pfarrer in der Wicherngemeinde, sprach von einer „Ehe, in der sich einiges erst finden und manches verändern wird“. In jedem Fall wünschte er den frisch vermählten Gemeinden ein gutes Eheleben.

„Als ich vor 7 Jahren nach Kirchheim kam, gab es noch Befürchtungen, von der anderen Gemeinde über den Tisch gezogen zu werden“ beschreibt Pfarrer Albrecht Herrmann den 2006 eingeleiteten und nicht immer einfachen Fusionsprozess. Im Bemühen um Klärung fanden die Gemeinden Hilfe bei Mediatorinnen und Moderatoren.

Vor dem Glockenturm der Arche finden die Feigenbäume Jordan und Nazareth einen Platz.
„Das gemeinsame Gottesdienstfeiern, die fruchtbare Zusammenarbeit im Kindergottesdienst, das Konfi-Modell, der Gemeindebote, die Neuwahl der Ältestenkreise, die erfreuliche Vorbereitung auf die Visitation im April 2016, die konstruktive Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Christiane Drape-Müller bis Ende 2013 und mit meinem Kollegen Dr. Fabian Kliesch seit September 2014, das alles und der Heilige Geist haben uns zusammengeführt!“, freut sich der Pfarrer Herrmann heute über die gute Zusammenarbeit.

Da hatte es sein Kollege Fabian Kliesch etwas leichter: „Als ich vor drei Jahren nach Kirchheim kam, traf ich auf zwei evangelische Gemeinden, die schon in vielen Teilen zusammen gewachsen waren. Gerne habe ich zusammen mit den beiden sehr engagierten Ältestenkreisen und meinem lieben Kollegen, Albrecht Herrmann, den Fusionsprozess zu Ende geführt. Ich freue mich, dass die evangelische Kirche jetzt vereint für Kirchheim da ist und viele spannende Projekte unter dem Namen Bonhoeffer-Gemeinde auf uns warten.“

Clownzauberer Parastu begeisterte die Kinder
Die Fusion der beiden Kirchheimer Gemeinden erfolgte im Rahmen des Liegenschaftsprojektes der badischen Landeskirche. Mit diesem werden die Kirchenbezirke dazu angehalten, ihren Gebäudebestand zu reduzieren, was unter anderem durch Zusammenlegungen erreicht werden soll. Sowohl die einstimmige Verabschiedung der Fusion als auch die mehrheitliche Wahl des Namens Bonhoeffer-Gemeinde in beiden Ältestenkreisen ist für alle Beteiligten besonders erfreulich.

Was bleibt wie es war, und was für Neuerungen bringt die Fusion? Personell wird sich nichts verändern, beide Pfarrstellen bleiben im bisherigen Umfang erhalten. Jedoch haben beide Gemeinden zukünftig nur noch ein Gemeindebüro im Hermann-Maas-Haus, einen „fusionierten“ Ältestenkreis sowie einen gemeinsamen Haushalt. Gemeinsame Gottesdienste und Konfirmandenunterricht wird es natürlich nach wie vor geben. Mit fast 5000 Gemeindemitgliedern zählt die Bonhoeffer-Gemeinde nach Handschuhsheim nun zu den mitgliederstärksten im Kirchenbezirk Heidelberg.

Ballonaktion des Kinderklubs Kirchheim
Der Name Bonhoeffer steht dabei für die gelebte Spiritualität sowie für das Engagement für Benachteiligte und Verfolgte der neuen Pfarrgemeinde. „Das bedeutet aber auch einen Auftrag, denn die theologisch-politische Botschaft von Dietrich Bonhoeffer ist brandaktuell: Die Bergpredigt als Richtschnur für alltägliches Handeln!“, erläutern Fritz Engbarth-Schuff und Hans-Werner Becker die Namenswahl stellvertretend für die beiden Gemeindeversammlungen. „Christsein bedeutet, sich einzumischen für jene, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Dies passt zu Kirchheim mit unserem Engagement für Flüchtlinge und die sozialen Projekte, die von den Mitgliedern der Gemeinden getragen werden.“

Karin Wilke