„Hier bin ich nicht arm, sondern glücklich“ - Das „NächstenMahl“ feiert 10jähriges Bestehen im Markushaus

Die Gäste lauschen den Dankesworten von Bürgermeister Joachim Gerner

Quelle: Karin Wilke

Heidelberg, 22.07.17. Warm ist es im zum Speisesaal umfunktionierten Gottesdienstraum der Evangelischen Markusgemeinde, aber das scheint die rund 120 Gäste des NächstenMahls nicht zu stören. Fröhlich genießen sie ihr dreigängiges Festmenü, plaudern mit den Nachbarn und lauschen den musikalischen Darbietungen des Shanty Chors und Gospelchors „Spirit of Joy“. Denn an diesem Samstag feiern sie im Markushaus in der Heidelberger Südstadt gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Helferteam etwas ganz Besonderes: Seit 10 Jahren bietet ihnen die ökumenische Initiative „NächstenMahl“ jeden vierten Samstag im Monat von 12 bis 15 Uhr nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern einen Ort der Geselligkeit und des Willkommenseins.

Die Ehrenamtlichen erhalten Blumen als Dankeschön

Quelle: Karin Wilke

„Kommen darf jede und jeder“, erklärt NächstenMahl Leiterin Petra Gantert, „Konfession und Herkunft sind uns dabei egal.“ Sie ist eine Frau der ersten Stunde und erinnert sich, wie die Idee zum „NächstenMahl“ entstand: „Das war bei einem `Frühstück im Winter´ im Jahr 2006. Warum sollen wir unseren Gästen nicht auch einmal ein warmes Essen an einem Samstag anbieten?“, habe Gudrun Schwöbel, damalige Leiterin des Frühstücks im Winter, dort vorgeschlagen. Gemeinsam mit dem damaligen Markusgemeindepfarrer Matthias Hessenauser schuf sie aus der Idee ganz schnell Realität: Bereits im März 2007 fand das erste NächstenMahl im Markushaus unter Leitung von Gudrun Schwöbel statt, es gab Eintopf für die rund 50 Gäste.

NächstenMahl Leiterin Petra Gantert und Koch Thomas Schabert schneiden die Jubiläumstorte an

Quelle: Karin Wilke

Seither ist die ökumenische Initiative der evangelischen Markusgemeinde und der katholischen Gemeinde Phillipp Neri, die von den Gemeinden und vielen Spendern finanziert wird, ein fester Bestandteil im sozialen Leben der Stadt. Heidelberg, so betont Bürgermeister Joachim Gerner in seinem Grußwort, „will eine Stadt des sozialen Ausgleichs sein, die Armut bekämpft, Ausgrenzung verhindert und Spaltungstendenzen überwindet.“ Da dies ohne Kooperationspartner wie die Kirchen, Selbsthilfegruppen und nicht zuletzt den vielen Ehrenamtlichen nicht zu schaffen sei, dankte der Dezernent für Familie, Soziales und Kultur den Organisatoren und Helfern für ihr großes Engagement. „10 Jahre, das sind keine Eintagsfliege, und so wünsche ich Ihnen von Herzen gute und glückliche weitere 10 Jahre“, verabschiedet sich Gerner von der festlichen Runde, nicht ohne vorher noch von der Jubiläumstorte gekostet zu haben.

Neben dem fünfköpfigen ehrenamtlichen Leitungsteam wirken mittlerweile über 35 ehrenamtliche Mitarbeitende zwischen 13 und 85 Jahren beim NächstenMahl mit. Eine von ihnen ist Ursula Beckenbach, die seit 8 Jahren bei den Essensvorbereitungen und der Ausgabe hilft. „Es gibt einen älteren Herren, der uns als Dank regelmäßig Blumen mitbringt, da geht mir das Herz auf“, erklärt sie ihre Motivation, regelmäßig für andere Menschen da zu sein. „Es kommen so viele Gäste zu uns, die sich freuen, sich bei uns bedanken oder Komplimente machen, wir sind wie eine große Familie.“

Küchenchef Thomas Schabert ist schon seit 8 Uhr unterwegs, um einzukaufen und Vorbereitungen mit seinem neunköpfigen Küchenteam zu treffen. „Nicht immer weiß ich vorher, was die Tafel für uns an Lebensmittelspenden bereit hält, Fleisch müssen wir natürlich dazukaufen, daher sind wir in unseren Menüplanungen auch mal spontan.“ Was das bedeutet, weiß der erfahrene Koch, der hauptamtlich die Kantine von John Deere in Mannheim mit 3500 Mitarbeitern leitet. „Heute war aber alles geplant: Als Vorspeise gab es Salat, als Hauptspeise gefüllter Schweinebraten mit Champignonsoße und Semmelknödeln und als Dessert die Jubiläumstorte und Eis.“

Die Jubiläumstorte wartet auf den Verzehr

Quelle: Karin Wilke

Dass dieses Festmenü den anwesenden Gästen gemundet hat, ist offensichtlich: „Es hat geschmeckt wie in einem feinen Restaurant“, seufzt Gabriele Meyer aus Leimen zufrieden. „Hier bin ich nicht arm, sondern glücklich!“ Ein 74jähriger Gast aus Mannheim ist so begeistert, dass er spontan aufspringt und zum Rednerpult eilt. „Obwohl ich Atheist bin und nicht der Kirche angehöre, wurde ich hier sehr christlich und mit offenen Armen aufgenommen, das finde ich wunderbar!“, bedankt er sich beim Helferteam.

„Helfer und Gäste geben und nehmen hier gleichermaßen“, erläutert Pfarrerin Sabine Hannak das Grundverständnis des NächstenMahls. Passend dazu hat sich nach einer Umfrage bei den Gästen das Helferteam zum 10jährigen Jubiläum für den neuen Bibelvers über der Küchentür entschieden: „Dient einander, jede und jeder mit der euch geschenkten Gabe“ wird dort von nun an zu lesen sein. „Damit wollen wir zeigen, dass wir alle besondere Gaben geschenkt bekommen haben, die wir einsetzen können, um einander Gutes zu tun. Das ist ein tolles Motto für unser NächtenMahl!“, freut sich die Pfarrerin und mit ihr alle Anwesenden über den gelungenen Tag.

Karin Wilke