Heidelberg-Ziegelhausen, 17.11.2017. Wenn der Bär extra seinen Winterschlaf aufschiebt, um den Weihnachtsmann zu treffen, dann lauschen 17 Kinder der evangelischen Kita in Ziegelhausen ganz gebannt, wie die Geschichte weitergeht. Wie jeden Freitagvormittag ist auch heute – am bundesweiten Tag des Vorlesens – ihre „Lese-Oma“ zu Besuch mit jeder Menge spannender Geschichten in der Tasche. „Die Kinder wissen ganz genau, wann Freitag ist, weil sie sich riesig auf ihre Vorlesestunde freuen“, erzählt Kitaleiterin Dulce Filipe Camacho Butz begeistert.
Seit einem Jahr kommt Bärbel Geiger jeden Freitag um 11 Uhr zu den Kindergartenkindern der Versöhnungsgemeinde und liest ihnen vor. „Ich bin nicht mehr berufstätig und habe nach einer sinnvollen Aufgabe gesucht. Auf diese Weise kann ich der Gemeinde und ihren Kindern etwas zurückgeben“, erläutert die engagierte Rentnerin ihre Motivation. Sie selbst hat zwei Enkelkinder, die auch in der evangelischen Kita waren und dort sehr liebevoll betreut wurden.
Die Kinder danken es ihr, indem sie an ihren Lippen kleben und jedes Wort aufmerksam aufsaugen. „Heute wird leider nur noch den wenigsten Kindern vorgelesen“, bedauert Kitaleiterin Camacho Butz, „dabei ist das so wichtig für den Spracherwerb.“ Viele Kinder hätten sich angewöhnt, in Dreiwort-Sätzen zu sprechen, ihre sprachlichen Kompetenzen trainierten sie an den Smartphones der Eltern oder in TV-Serien. Dass eine eigene Vorleserin für die Kinder etwas ganz Besonderes ist, liegt auf der Hand.
Inzwischen profitieren sogar die „ganz Kleinen“ von ihr, denn Bärbel Geiger liest seit zwei Wochen auch den ein- bis dreijährigen Krippenkindern vor. Vielleicht entwickeln diese mit Hilfe ihrer „Lese-Oma“ eine ganz besondere Liebe zu schönen Büchern und Geschichten.
Der Bundesweite Vorlesetag von Stiftung Lesen, der Wochenzeitung DIE ZEIT und der Deutschen Bahn Stiftung findet seit 2004 jedes Jahr am dritten Freitag im November statt und gilt heute als das größte Vorlesefest Deutschlands. Der Bundesweite Vorlesetag will ein öffentlichkeitswirksames Zeichen für das Vorlesen setzen und so Freude am Lesen wecken. Ziel ist es, Begeisterung für das Lesen und Vorlesen zu wecken und Kinder bereits früh mit dem geschriebenen und erzählten Wort in Kontakt zu bringen.
Karin Wilke


