„Jedes Leben ist ein Geschenk Gottes“

Bischöfe zu den ethischen Herausforderungen der Präimplantationsdiagnostik

Vertreter beider Kirchen, der Frauenklinik sowie der Ethikkommission diskutieren über die ethischen Herausforderungen der PID
Heidelberg, 26.04.2018.Die beiden badischen Bischöfe haben Respekt vor den Leistungen der Präimplantationsdiagnostik geäußert und das hohe ethische Verantwortungsbewusstsein der betroffenen Medizinerinnen und Mediziner gewürdigt. Entsprechend äußerten sich Erzbischof Stephan Burger und der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh am gestrigen Mittwoch (25.4.) im Universitätsklinikum Heidelberg. Beide diskutierten zum Abschluss der diesjährigen „Woche für das Leben“ mit Vertreterinnen und Vertretern aus medizinischer Forschung und Ethik über ethische Herausforderungen der Präimplantationsdiagnostik.

Der katholische Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) verwies auf den „großen Leidensdruck“, aus dem Paare heraus die Möglichkeit der Präimplantationsdiagnostik nutzten. Trotz theologischer Vorbehalte habe die katholische Seelsorge den Auftrag, potenziell werdenden Eltern in dieser Situation beizustehen und in der individuellen Not zu begleiten. „Wir brechen nicht den Stab über jemanden“, sagte Burger. So stehe für die Kirche die seelsorgliche Begleitung der Menschen im Mittelpunkt. Diese müsse auf die Entwicklungen der Zeit reagieren und kein Urteil fällen. Auch auf „nicht natürlichem Weg“ entstandene Kinder seien ein „Geschenk Gottes“ und es gelte, das Leben eines jeden Menschen zu schützen.

Kath. Dekan Joachim Dauer, evang. Dekanin Marlene Schwöbel-Hug, Kirchenrätin Sabine Kast-Streib, Erzbischof Stephan Burger und Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh lauschen interessiert den Ausführungen zur PID

Der evangelische Landesbischof Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) zeigte sich nach dem Austausch mit Medizinern vor Ort „beeindruckt darüber, welche intensive Rolle die ethische Perspektive bei der Präimplantationsdiagnostik spielt“. Neben der öffentlichen, grundsätzlich geführten Debatte gelte es, die individuellen Leidensgeschichten wahrzunehmen. Zentral sei es, Menschen in dem langen Prozess der Diagnostik in ärztlichen und seelsorglichen Gesprächen zu begleiten. Wichtig sei, dass der Wert des menschlichen Lebens nicht von seinem Erfolg oder seiner Gesundheit abhänge. So dürfe die Präimplantationsdiagnostik nicht dazu führen, dass behinderte Menschen sich diskriminiert fühlen. Der Landesbischof regte an, sich nicht zu stark auf die prinzipielle Frage nach dem exakten Anfangspunkt des menschlichen Lebens zu fixieren. Das Leben insgesamt wie auch der Anfang seien unverfügbar, wichtig sei, dass „von Anfang an die Ehrfurcht vor dem Leben“ gelte.

Die Präimplantationsdiagnostik umfasst Untersuchungsmethoden, anhand derer darüber entschieden wird, ob ein durch In-vitro-Fertilisation erzeugter Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll oder nicht. Sie darf nur bei besonders schweren Erbkrankheiten angewandt werden. In Deutschland ist sie ausschließlich zur Vermeidung von schweren Erbkrankheiten, Tot- oder Fehlgeburten zulässig.

Rundgang durch die Gynäkologische Endokrinologie und Humangenetik in der Frauenklinik Heidelberg
„Kinderwunsch. Wunschkind. Unser Kind!“, so lautete das Motto der diesjährigen „Woche für das Leben“ vom 14. bis 21. April 2018. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz wollten damit eine kritische Auseinandersetzung mit Methoden der Präimplantationsdiagnostik ermöglichen.

Daniel Meier, Zentrum für Kommunikation im EOK