Abschied und Neubeginn

Portraitfoto von Dr. Marlene Schwöbel-Hug
Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug
Heidelberg, im Mai 2018

Sehr geehrte Synodale, liebe Schwestern und Brüder,

ich möchte Sie darüber informieren, dass ich den Landesbischof gebeten habe, mich von meinen Dekanatsaufgaben in Heidelberg zum 30. September dieses Jahres zu entbinden.

Nach intensiven Gesprächen mit meiner Familie, nahen Freunden und der Kirchenleitung in Karlsruhe habe ich mich zu diesem Schritt entschieden.

Wie Sie sich vorstellen können, ist mir dieser Entschluss nicht leicht gefallen. Es gibt etliche Gründe, die mich zu meiner Entscheidung bewogen haben.

Mein Herz schlägt für die inhaltlichen, sozialen und theologischen Themen unserer Kirche und unseres Glaubens. Die Entscheidungen in der Kindergartenpolitik, die ich mit Blick auf die Haushaltslage nachvollziehen kann, machen mir innerlich große Mühe. Vom finanziellen Standpunkt aus kann ich sie erkennen, vom kirchenpolitischen fallen sie mir überaus schwer.

Die pfarramtlichen Tätigkeiten dagegen wie Gottesdienste, Amtshandlungen, Gestaltungsmöglichkeiten in Gesprächen mit Wirtschaft, Medizin oder im interreligiösen Gespräch machen mir Freude und sind die schönsten Herausforderungen für mich.

Wie kann ich mein Christsein leben in unserer heutigen Gesellschaft? Bis zu meiner gar nicht so fern stehenden Pensionierung möchte ich mich wieder diesen Fragen intensiver widmen.

Viele Jahre schon führen mein Mann und ich eine Wochenendehe. Irgendwann aber kommt der Zeitpunkt, wo man sich wünscht, einen gemeinsamen Ort für ein gemeinsames Leben zu haben. Deshalb möchte ich zu ihm nach Oberndorf ziehen.

Im kommenden Jahr sind Ältestenkreiswahlen. Es ist gut, wenn ein Nachfolger, eine Nachfolgerin sich in den jetzigen schwierigen Zeiten in die Aufgaben in Heidelberg einarbeiten kann. Der oder die dann mit neuen Ideen die weiteren finanziellen Fragen, das Liegenschaftsprojekt der Landeskirche und die Fusionsprozesse, die bis 2019 abgeschlossen sein sollen, begleiten kann.

Daher ist jetzt für mich ein guter Zeitpunkt für einen Abschied und Neubeginn. Das Reformationsjubiläum mit seinen ausgesprochen positiven Erfahrungen hier in der Stadt war viel Arbeit, aber auch eine sehr schöne Darstellung von Kirche, die sich den Herausforderungen der Zeit stellt. Jetzt kann Neues beginnen.

Bis zum 30. September bin ich Dekanin und werde die Aufgaben, die ich geistlich und als Vorsitzende des Stadtkirchenrates zu erfüllen habe, weiter gewissenhaft verfolgen. Daher bin ich für Sie, für euch jederzeit ansprechbar.

Schon jetzt aber möchte ich mich für die kollegiale Zusammenarbeit bedanken und wünsche euch und Ihnen, dass die Gestaltung der Zukunft der Kirche eine zuversichtliche und engagierte Arbeit bleibt – vielleicht auch wird. Für mich wird das an einem anderen Ort sein. Auf diesen neuen Ort freue ich mich.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis
Ihre Marlene Schwöbel-Hug, Dekanin des Stadtkirchenbezirks Heidelberg