Ökologie wird beim „Tausch im Turm“ groß geschrieben – Kleiderkammer der evang. Emmausgemeinde feiert Fünfjähriges

Die ehrenamtlichen Helferinnen vom „Tausch im Turm“ freuen sich über den regen Zulauf. Von links: Rita Adler, Ingrid Prokop-Schlögel, Lotte Kalab, Marianne Schmid, Silke Pospich, Gerlinde Scheuermann, Inge Fritzen, Dagmar Richter, Jutta Langhoff

Quelle: Karin Wilke

Heidelberg, 26.06.2018. Heute herrscht rund um den Turm der evangelischen Auferstehungskirche im Pfaffengrund geschäftiges Treiben: Rund 60 Gäste und feiern gemeinsam mit dem zwölfköpfigen ehrenamtlichen Team vom „Tausch im Turm“ das fünfjährige Bestehen der Kleiderkammer mit ökologischem Konzept. Jeder, der ein oder mehrere Kleidungsstücke für Kinder mitbringt, darf sich im Gegenzug neue dafür eintauschen. „Ich selbst habe zwei Töchter und habe mir immer überlegt, wie ich die abgelegten, aber noch gut erhaltenen Kleider sinnvoll weitergeben könnte“, erläutert Pfarrerin Ingrid Prokop-Schlögel ihre Ausgangsidee. Gemeinsam mit Rita Adler aus der Emmausgemeinde beschloss sie vor fünf Jahren, den Turm der Auferstehungskirche zu entrümpeln und für ihre Kleidertauschbörse zu nutzen.

„Das war gar nicht so einfach“, erinnert sich die engagierte Ehrenamtliche Rita Adler. „Wir mussten Wäschekörbe voller Gerümpel zunächst einmal aus dem Turm und voller Kleider dann in den Turm schleppen.“ Geholfen hat ihnen dabei die „gute Seele“ der Gemeinde Matteo Briante. „Anfangs kamen die Kleiderspenden aus der Gemeinde, aber auch vom Kinderschutzbund aus der Altstadt“, erinnert sich Prokop-Schlögel. „Nach ersten Startschwierigkeiten sprach sich aber schnell herum, dass wir hier eine sinnvolle und vor allem ökologisch nachhaltige Arbeit machen. Mittlerweile bekommen wir Zulauf aus der ganzen Stadt, sogar Familien aus Eppelheim tauschen bei uns alles rund ums Kind ein“, freut sich die Pfarrerin. Daher ist auch das Team der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen inzwischen auf zwölf Frauen zwischen 40 und 70 Jahren angewachsen, die sich jeweils zu viert die Schichten teilen.

Von links: Inge Fritzen und Rita Adler wissen immer genau, wo was im Turmstübchen zu finden ist.

Quelle: Karin Wilke

„Mein Kind ist Allergiker und ich bin froh, dass ich hier Kleindung bekomme, die bereits ganz oft gewaschen wurde“, freut sich eine Mutter über das sinnvolle Angebot. Eintauschen kann man im Turm immer dienstags zwischen 16 und 18:30 Uhr alles rund ums Kind, dazu gehören Kleidung von Größe 48 bis 176, Kinderschuhe, Spielsachen, Bücher, Schlafsäcke, Bettwäsche, zuweilen sogar Möbel. „Wer nichts bringen kann, darf auch mal nur etwas mitnehmen“, räumt Rita Adler ein. „Dafür gibt es auch wieder viele Familien, die uns einfach nur Sachen bringen und sich daran freuen, dass sie sinnvoll weitergenutzt werden.“ Sehr nachgefragt seien Mädchenkleider oder auch Winteranoraks, zu Schulbeginn gerne auch Schulranzen.

Abgesehen von den Angeboten des Kinderschutzbunds in der Altstadt und im Emmertsgrund ist dies die einzige Kleiderkammer dieser Art in Heidelberg, die unseren schönen Stadtteil zusätzlich aufwertet“, findet Pfarrerin Prokop-Schlögel. Seit der Eröffnung des neuen Gemeindeshauses vor knapp drei Jahren hat sich ein ganz neues Miteinander im Stadtteil und der Gemeinde entwickelt. So lädt dort das Café Emma immer dienstags zwischen 15 und 17:30 Uhr zu Kaffee und Kuchen ein, was von sowohl von tauschfreudigen Müttern und Kindern als auch von der älteren Generation gern genutzt wird. „Was gibt es Schöneres, als Menschen auf diesem Wege zusammen zu bringen?“, freut sich die Gemeindepfarrerin und mit ihr die Bewohner aus dem Pfaffengrund.

Karin Wilke