Heidelberg, 1. März 2019. Am Sonntag, den 17. März begehen die Schlierbacher Berggemeinde und die Ziegelhäuser Versöhnungsgemeinde ihren zum 1. März rechtskräftig gewordenen Zusammenschluss zur Matthäusgemeinde um 10 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst in der Versöhnungskirche. Am 31.März um 10 Uhr wird aus gleichem Anlass in der Christuskirche ein Festgottesdienst gefeiert. Denn die Christusgemeinde in der Weststadt, die Luthergemeinde in Bergheim und Bahnstadt sowie die Markusgemeinde in der Südstadt werden zum 1. April zu einer großen Gemeinde vereint. Bis zur endgültigen Namensfindung wird diese Gemeinde den Namen „Christus-Luther-Markus-Gemeinde“ tragen.
Mit diesen Zusammenschlüssen setzt die Evangelische Kirche in Heidelberg schon seit vielen Jahren um, was derzeit deutschlandweit in vielen evangelischen Kirchen durchgeführt wird. Denn die aus demographischer und finanzieller Perspektive notwendigen Gemeindefusionen eröffnen ganz neue Chancen für die Gemeindearbeit und ermöglichen neue Visionen von Kirche. „Ein großer Reichtum für die Matthäusgemeinde sind die vielfältigen Angebote, die nun unter einem Dach versammelt sind“, erläutert Gemeindepfarrer Falk von Uslar Gleichen. „Dazu gehören die Räume im Innen- und Außenbereich, die beiden KiTas sowie die Erweiterung des Pools der Ehren- und Hauptamtlichen, die mit ihren besonderen Begabungen, Kenntnissen und Berufserfahrungen das Gemeindeleben stärken. Nicht zuletzt helfen uns nun zwei Fördervereine und eine Stiftung bei der Realisierung unserer Wünsche für die neue Gemeinde.“
Pfarrer Dr. Fabian Kliesch aus der Bonhoeffergemeinde kennt die Klippen, die es beim Fusionsprozess der ehemaligen Kirchheimer Wichern- und Blumhardtgemeinde 2017 zu überwinden galt, weiß aber aus heutiger Perspektive auch die Vorteile zu schätzen: „Wir haben einen bereichernden Namensgebungsprozess hinter uns, der uns in unserer Inhaltlichen Diskussion um unser Gemeindeprofil weitergebracht hat. In Kirchheim ist zusammengekommen, was zusammengehört“, resümiert der Gemeindepfarrer. Auch die Vorteile im Alltag der Gemeinde sieht er deutlich: „Die Fusion bietet neue Möglichkeiten der Arbeitsteilung im Gruppenpfarramt, auch haben wir nun bessere Öffnungszeiten für das eine Hauptpfarramt im Stadtteil.“
Pfarrerin Dr. Christiane Bindseil, die derzeit als Vakanzvertretung in der Luthergemeinde tätig ist, sieht das ähnlich: „Zwar ist es sehr schmerzhaft, dass diese Gemeinde das Lutherzentrum in der Vangerowstraße in Zukunft nur noch sehr eingeschränkt nutzen kann, weil es an die Hosannagemeinde vermietet wird.“ Auf der anderen Seite, so räumt die Pfarrerin ein, werden nach der Fusion der Gemeinde drei – statt wie bisher zweieinhalb – volle Pfarrstellen in einem Gruppenpfarramt zur Verfügung stehen. „Manche Aufgaben werden gebündelt, wodurch Spielraum für Neues eröffnet werden kann.“
Wie wirkt sich das konkret aus? Es wird nicht mehr jeden Sonntagmorgen in drei wenig gefüllten Kirchen im Umkreis von zwei Kilometern um die gleiche Uhrzeit drei „klassische“ Gottesdienste geben. Zukünftig wird ein Sonntagsgottesdienst für die Gesamtgemeinde beispielsweise in der Christuskirche gefeiert. Die beiden Pfarrerinnen bzw. Pfarrer, die dann nicht im Dienst sind, können einen Gottesdienst in völlig anderer Form zu einer ganz anderen Zeit anbieten. Oder Orte schaffen für Begegnung mit und Seelsorge an Menschen, die überhaupt nicht auf die Idee kommen würden, einen Gottesdienst zu besuchen.
Durch die Vereinigung von Kirchengemeinden entstehen in Heidelberg ganz neue Chancen von Gemeindearbeit in den Quartieren, wo einerseits traditionell kirchlich gebundene Menschen weiterhin eine Heimat finden. Und die sich andererseits in die veränderten Lebensbedingungen unserer Zeit einpassen und der Tatsache Rechnung tragen, dass unsere Gesellschaft immer weniger an einer vorhandenen kirchlichen Sozialisation anknüpfen kann.





