Impuls zur Karwoche

Die Karwoche beginnt. „Bist du nicht der, der uns das Leben wiedergeben kann, dass dein Volk sich deiner freut?“, fragt die Tageslosung am Montag mit einem Zitat aus dem 85. Psalm. Denn so viel wissen schließlich alle von Gott; auch die, die nicht an ihn glauben: Gott – wenn es denn einen Gott gibt – ist ein Gott auf der Seite des Lebens. Ein Gegner jeder Form von Leid. Eine Quelle und ein Grund zur Freude. Die Ereignisse der Karwoche aber werden diese Annahmen über Gott verändern.

Denn Jesus, von dem sie sagen, er sei Gottes Sohn, ja mehr noch Gott in Person, zieht alles, was ihm passiert, in die Gottesgeschichte hinein: Er wird in den sich überstürzenden Ereignissen dieser paar Tage verraten, verleugnet, gefangen genommen. Also wird Gott selbst verraten, verleugnet, gefangen genommen. Jesus wird gedemütigt, gefoltert, seiner menschlichen Würde beraubt. Also wird Gott selbst gedemütigt, gefoltert, seiner göttlichen Würde beraubt. Jesus stirbt am Kreuz. Also singt ein altes Passionslied: „O große Not! Gott selbst liegt tot. Am Kreuz ist er gestorben.“

Und plötzlich ist Gott dort zu finden, wo keiner ihn vermutet hätte. Gott ist Gott an all den gottverlassenen Orten unserer Welt. Die Karwoche beginnt. „Bist du nicht der, der uns das Leben wiedergeben kann, dass dein Volk sich deiner freut?“, fragen die Beter. Fragen die Spötter. Fragen die Zweifler. Und auch ich will es wissen. Jesus gibt eine Antwort: „Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehn, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“

Ihre Martina Reister-Ulrichs