Karlsruhe/ Hannover, 02.05.2019. Laut einer Projektion der Universität Freiburg könnte sich die Mitgliederzahl der Evangelischen Landeskirche in Baden bis zum Jahr 2060 knapp halbieren. Als Grund nennen die Forscher zum einen den demografischen Wandel: So ist unter evangelischen Kirchenmitgliedern die Zahl der Sterbefälle deutlich höher als jene der Geburten, zum anderen treten mehr Menschen aus der Kirche aus als ein. Die Entwicklung bewegt sich im Rahmen anderer Landeskirchen und Bistümer.
Zählt die badische Landeskirche derzeit etwa 1.150 000 Mitglieder, projiziert das Institut für das Jahr 2060 eine Zahl von etwa 600.000 Mitgliedern. Bundesweit würden sich die Protestanten von 21,5 Millionen auf 10,5 Millionen Kirchenmitglieder reduzieren. Vor allem die Verrentung der sogenannten Babyboomer bis zum Jahr 2035 werde nicht ausreichend von der nächsten Generation kompensiert, heißt es in der Arbeit. Nachfolgende Jahrgänge würden kleiner ausfallen, zudem träten vor allem junge Menschen zwischen 20 und 35 Jahren aus der Kirche aus.
Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg, ermutigte dazu, die Ergebnisse „nicht als Untergangsprophetie zu lesen, sondern nach Zusammenhängen zu suchen, auf die Einfluss genommen werden kann“. Es sei eine „Generationenaufgabe, diese Herausforderungen anzugehen“. Hilfreich sei, dass die Kirchen zumindest in den kommenden zwei Jahrzehnten noch über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügten.
Der neue Finanzreferent der badischen Landeskirche, Martin Wollinsky, betonte: „Die Arbeit der Freiburger Forscher hilft uns, einen klaren und realistischen Blick auf die zu erwartenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu gewinnen. Die daraus resultierenden Herausforderungen werden wir zielgerichtet angehen, und sind zuversichtlich, dass unsere Kirche als Organisation beweglich genug ist, sich darauf einzustellen.“ Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh machte den Gemeinden Mut, selbstbewusst auf Menschen zuzugehen, die nicht zur Kirche gehören, und sie einzuladen. Er dankte den zahlreichen evangelischen Christinnen und Christen in Baden, die sich haupt- und ehrenamtlich für ihre Kirche engagieren. „Sie tragen die Liebe Christi in die Welt. Es ist ihre Begeisterung für den Glauben, der andere Menschen ansteckt.“
Zum Hintergrund:
Das Forschungszentrum hatte erstmals eine koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die 20 evangelischen Landeskirchen und 27 römisch-katholischen (Erz-)Diözesen in Deutschland erstellt. Die endgültigen Zahlen der Mitgliederstatistik für das Jahr 2018 werden die evangelischen und die katholische Kirche in Deutschland am 20.07.2019 gemeinsam veröffentlichen. Für das Jahr 2017 standen im Bereich der badischen Landeskirche 17.000 Sterbefällen nur 11.100 Geburten gegenüber.
Zählt die badische Landeskirche derzeit etwa 1.150 000 Mitglieder, projiziert das Institut für das Jahr 2060 eine Zahl von etwa 600.000 Mitgliedern. Bundesweit würden sich die Protestanten von 21,5 Millionen auf 10,5 Millionen Kirchenmitglieder reduzieren. Vor allem die Verrentung der sogenannten Babyboomer bis zum Jahr 2035 werde nicht ausreichend von der nächsten Generation kompensiert, heißt es in der Arbeit. Nachfolgende Jahrgänge würden kleiner ausfallen, zudem träten vor allem junge Menschen zwischen 20 und 35 Jahren aus der Kirche aus.
Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg, ermutigte dazu, die Ergebnisse „nicht als Untergangsprophetie zu lesen, sondern nach Zusammenhängen zu suchen, auf die Einfluss genommen werden kann“. Es sei eine „Generationenaufgabe, diese Herausforderungen anzugehen“. Hilfreich sei, dass die Kirchen zumindest in den kommenden zwei Jahrzehnten noch über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügten.
Der neue Finanzreferent der badischen Landeskirche, Martin Wollinsky, betonte: „Die Arbeit der Freiburger Forscher hilft uns, einen klaren und realistischen Blick auf die zu erwartenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu gewinnen. Die daraus resultierenden Herausforderungen werden wir zielgerichtet angehen, und sind zuversichtlich, dass unsere Kirche als Organisation beweglich genug ist, sich darauf einzustellen.“ Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh machte den Gemeinden Mut, selbstbewusst auf Menschen zuzugehen, die nicht zur Kirche gehören, und sie einzuladen. Er dankte den zahlreichen evangelischen Christinnen und Christen in Baden, die sich haupt- und ehrenamtlich für ihre Kirche engagieren. „Sie tragen die Liebe Christi in die Welt. Es ist ihre Begeisterung für den Glauben, der andere Menschen ansteckt.“
Zum Hintergrund:
Das Forschungszentrum hatte erstmals eine koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für die 20 evangelischen Landeskirchen und 27 römisch-katholischen (Erz-)Diözesen in Deutschland erstellt. Die endgültigen Zahlen der Mitgliederstatistik für das Jahr 2018 werden die evangelischen und die katholische Kirche in Deutschland am 20.07.2019 gemeinsam veröffentlichen. Für das Jahr 2017 standen im Bereich der badischen Landeskirche 17.000 Sterbefällen nur 11.100 Geburten gegenüber.
Anmerkung der Redaktion:
Projektionen wie diese zur Mitgliederentwicklung und entsprechend zur Entwicklung des Kirchensteueraufkommens in der Kirche basieren auf Annahmen: Im Prinzip werden die heutigen Verhältnisse in die Zukunft gespiegelt. Bei Sterbefällen und Geburten ist das relativ einfach und zuverlässig. Die Annahmen hierzu orientieren sich an der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes. Schwieriger wird es bei Migration und kirchenspezifischen Einflüssen. Die Freiburger Projektion geht davon aus, dass das Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten der letzten fünf Jahre für die Zukunft repräsentativ ist. Wenn sich dieses allerdings langfristig verändert, werden auch die Ergebnisse andere sein.
Unumkehrbar ist die demografiebedingte Entwicklung. Im Falle der EKD und auch für Baden bedeutet dies, dass bis zum Jahr 2060 etwa 24% des heutigen Mitgliederstandes (Stand 31.12.2017) verloren geht, da die Zahl der zukünftigen Sterbefälle größer ist als die Zahl der Geburten von evangelischen Müttern und evangelischer Zuwanderungsgewinne. Beeinflussbar ist hingegen der Teil des Mitgliederrückgangs, der auf Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten beruht, dadurch könnten bis 2060 weitere 28% des heutigen Mitgliederstandes verloren gehen. Diesen Gestaltungsraum gilt es in den kommenden Jahrzehnten zu nutzen.
Die deutschlandweiten Ergebnisse und weitere Informationen zur „Projektion 2060“ finden Sie unter mehr
Dr. Daniel Meier, Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe
Unumkehrbar ist die demografiebedingte Entwicklung. Im Falle der EKD und auch für Baden bedeutet dies, dass bis zum Jahr 2060 etwa 24% des heutigen Mitgliederstandes (Stand 31.12.2017) verloren geht, da die Zahl der zukünftigen Sterbefälle größer ist als die Zahl der Geburten von evangelischen Müttern und evangelischer Zuwanderungsgewinne. Beeinflussbar ist hingegen der Teil des Mitgliederrückgangs, der auf Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten beruht, dadurch könnten bis 2060 weitere 28% des heutigen Mitgliederstandes verloren gehen. Diesen Gestaltungsraum gilt es in den kommenden Jahrzehnten zu nutzen.
Die deutschlandweiten Ergebnisse und weitere Informationen zur „Projektion 2060“ finden Sie unter mehr
Dr. Daniel Meier, Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe


