RNZ/Heidelberg, 14.05.2019. Das Wort „Demenz“ ist für viele Menschen ein Begriff, der mit Unsicherheit und Angst verbunden ist. In der Folge wird das Problem oft zum Tabu-Thema – und die Betroffenen fühlen sich mit der Belastung allein gelassen und überfordert. Nun ruft die evangelische Friedensgemeinde das Café Oase ins Leben: ein Treffpunkt speziell für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs sagt: „Wir möchten als Gemeinde den betroffenen Familien wie den Menschen in ihrem Umfeld mit Informationen, Offenheit und neuen Angeboten Unterstützung anbieten.“ Die Teilnahme an dem Café ist kostenlos.
Das Café Oase steht für einen Ruhepunkt, an dem man neue Kraft schöpfen kann. Es wird zwei Café-Treffs geben: ein Café für Betroffene und gleichzeitig, aber getrennt, ein Café für ihre Angehörigen. Jeder weiß den anderen gut aufgehoben. Als Angehöriger kann man die freie Zeit aber auch für sich selbst nutzen. Für die Betroffenen wird es ein Angebot geben, das auf die Gäste abgestimmt ist. Dazu gehören Spiele, Erzählen oder Singen.
Viele Familien stellen sich der Herausforderung, wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt. Manche versuchen, das Problem zu verbergen – auch aus Liebe. So sagte ein Ehemann: „Meine Frau hat immer so gut für mich und die Familie gesorgt – nun werde ich für meine erkrankte Frau sorgen. Das muss niemand wissen – meine Frau hat Angst, dass ihre Demenz erkannt wird.“ Aber oft fühlen sich die Angehörigen überfordert. Pfarrerin Martina Reister-Ulrichs und Projektleiterin Esther Süs betonen: „Wir bieten in dem Café einen geschützten Raum – hier darf man einfach einmal eine Pause vom Alltag einlegen.“
Für die Angehörigen bietet das Café die Möglichkeit zum Austausch mit anderen. Demenz-Kranke werden ja nicht nur „vergesslich“, sondern es kommt eventuell im Laufe der Erkrankung zu Änderungen der Persönlichkeit. Im Café Oase gibt es Infos über Hilfs- und Entlastungsangebote. „Die Angehörigen sollen merken, dass sie nicht allein sind“, so Projektleiterin Esther Süs.
Zum Auftakt – vor dem richtigen Start im Juni – spricht der Neurologe und Psychiater Dr. Klaus Brosi am Mittwoch, 22. Mai, um 19 Uhr im Gemeindehaus der Friedenskirche. Er zeigt auf, welche Änderungen des Verhaltens bei einer Demenz möglich sind. Für Fragen werden Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe, Diakoniestation und Tagespflege und Nachbarschaftshilfe da sein.
Telse Schuld von der Nachbarschaftshilfe erzählt von einer Ehefrau, deren Mann an Demenz erkrankt ist. Diese Frau hat gesagt: „Wenn jemand von der Nachbarschaftshilfe meinen Mann besucht, kann ich eine Erledigung machen – ich weiß, dass mein Mann gut versorgt ist.“ Hat sich ein Demenz-Patient an den Besuch gewöhnt, freut er sich darüber. „Das ist eine kostbare Erfahrung“, so Schuld.
Weitere Demenz-Angebote sind geplant: Für das Filmfestival der Generationen sollen am 22. und 24. Oktober zwei Filme zum Thema „Demenz“ gezeigt werden. Zur Adventszeit am 6. Dezember wird es einen Gottesdienst für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen geben. Der Gottesdienst wird kürzer und mit vertrauten Liedern gestaltet sein.
Das Café Oase wird an jedem ersten Freitag im Monat, von 14.30 bis 17 Uhr, stattfinden. Der erste Termin ist am Freitag, 7. Juni, im Gemeindehaus der Friedensgemeinde. Es werden ehrenamtliche Helfer gesucht. Sie werden mit Schulungen vorbereitet. Jederzeit kann man sich an Projektleiterin Esther Süs wenden: „Wir begleiten auch die ehrenamtlichen Helfer.“
Info: Infos gibt es bei Projektleiterin Esther Süs. Sie ist erreichbar unter Telefon 06221 / 417-663 oder per E-Mail: esther.sues@stadtmission-hd.de.


