"Die, wu singe, leewe länger!"– Ehrungen für langjährige Chormitgliedschaft

Bezirkskantor Michael Braatz-Tempel und die Jubilarin Gerda Wallenwein
Heidelberg, 21.05.2019.
In den 14 evangelischen Pfarrgemeinden Heidelbergs gibt es zahlreiche Chöre, zu denen Kinderchöre, Gospelchöre, Popchöre, Kantoreien, Kammerchöre, Konzertchöre, Projektchöre und Vokalensembles gehören. Einige von ihnen sind schon über hundert Jahre alt und viele Chorsängerinnen und Sänger bleiben ihrem Chor über viele Jahrzehnte treu. Meist sind die Chormitglieder auch in anderen Bereichen ihrer Gemeinde ehrenamtlich aktiv wie beim Austeilen der Gemeindebriefe oder im Ältestenkreis. „Das gemeinsame Musizieren in einem Chor ist gemeindebildend und trägt die Gemeinde“, weiß Bezirkskantor Michael Braatz-Tempel, der selbst mehrere Chöre an der Friedenskirche leitet.

Diese Treue wird regelmäßig per Urkunde vom Kirchenchorverband der badischen Landeskirche ausgezeichnet. So wurden auch am 14. Mai auf der Jahresversammlung des Evangelischen Kirchenchores Handschuhsheim zehn Chorsängerinnen und Sänger für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt. Acht davon für 10 und 15jähriges Mitsingen im Chor, aber es gab auch zwei ganz besondere Jubiläen: Ulla Widmann singt mittlerweile seit 40 Jahren und Gerda Wallenwein sogar schon seit 50 Jahren im Chor der Friedensgemeinde mit.

„Schon meine Eltern haben im Handschuhsheimer Kirchenchor mitgesungen, da war es für mich als Kind selbstverständlich, dass ich auch im Chor singen möchte“, erinnert sich Gerda Wallenwein an die Anfänge ihrer Chorkarriere. Zunächst hat sie 10 Jahre im Bachchor gesungen, in Handschuhsheim ist sie seit 1969 dabei. „Richtig Notenlesen wurde mir nie beigebracht, schon in der Schule habe ich die dritte Stimme nur nach Gehör gesungen“, erzählt die energische die 80jährige Dame.
 
„Ein gutes Gehör ist beim Singen wichtiger, als Noten lesen zu können“, weiß auch Michael- Braatz Tempel. „Ganz zentral ist für mich die Chorarbeit mit Kindern, wer früh anfängt zu singen, kann sein Gehör schulen und bleibt meist auch dabei“, so der Bezirkskantor. Das Wichtigste sei eine große Portion Mut und das Zutrauen in die eigene Stimme. „Wenn man nicht singt, dann schläft die Stimme. Man muss sich nur trauen, jeder kann singen lernen“, ermutigt auch die erfahrene Sängerin Wallenwein.
 
Die Gemeinschaft in einem Chor ermöglicht über die Musik hinaus noch vieles mehr, so schweißen gemeinsame Ausflüge, der Besuch von Landeschorfesten, gemeinsame Konzerte und das aktive Mitgestalten der Gottesdienste die Sängerinnen und Sänger zusammen. Im mittlerweile seit 132 Jahren bestehenden Kirchenchor Handschuhsheim singen rund 45 aktive Mitglieder zwischen 25 und 85 Jahren mit. Viele sind Alteingesessene, einige neu hinzugezogen, manche schon sehr lange, andere erst seit Kurzem dabei – sie alle verbindet die Liebe zur Musik und das miteinander Feiern. „Einfach mal ausprobieren!“, rät Gerda Wallenwein den noch unentschlossenen Sängerinnen und Sängern, denn frei nach dem Motto ihres Chores gilt: „Die, wu singe, leewe länger!“