Stadtsynode beschließt Jahresabschluss 2018 mit einem positiven Betriebsergebnis

Dekanstellvertreter Dr. Gunnar Garleff ist zuversichtlich
Heidelberg, 13.08.2019. Die Stadtsynode der Evangelischen Kirche in Heidelberg hat auf ihrer letzten Sitzung am 12. Juli 2019 den Jahresabschluss 2018 mit einem Plus von 38.623,88 Euro beschlossen. Insbesondere der Haushalt der Kindertagestätten konnte sich aus seinem strukturellen Defizit mit einem Plus von rund 20.630 Euro verabschieden. Dies ist vor allem den Gesprächen von OKR Johannes Stockmeier mit der Stadt Heidelberg zu verdanken, deren Ergebnis war, dass die zum 1. September 2018 wirksam werdende Regelung zum Ausgleich der Geschwisterermäßigung per Sonderzahlung bereits für die Jahre 2017 und für die Monate Januar bis August 2018 umgesetzt wurde. Die schwarze Null im Betriebsergebnis macht Hoffnung und ist ein gutes Zeichen, wenngleich dagegen immer noch eine nicht erbrachte Substanzerhaltungsrücklage von rund 468.000 Euro steht. Pressesprecherin Karin Wilke hat Dekanstellvertreter Dr. Gunnar Garleff zu seiner Einschätzung der insgesamt positiven Entwicklung im Stadtkirchenbezirk befragt.

KW: „Wie ist es der Evangelischen Kirche in Heidelberg gelungen, den Haushalt 2018 positiv abzuschließen? Immerhin lag der Jahresabschluss 2017 noch bei einem Minus von rund 26.000 Euro, 2016 sogar bei rund 214.000 Euro.“

GG: „Die positive Entwicklung im Betriebsergebnis steht in direktem Zusammenhang mit den Maßnahmen im Rahmen der KiTa-Strategie 2020. Hier hat die Stadt eine neue Regelung zum Kostenausgleich im Rahmen der Geschwisterermäßigung geschaffen, sodass der Bereich der Kindertagesstätten nun mit einer sogenannten „schwarzen Null“ abschließen konnte. Aber auch in den anderen Bereichen, insbesondere bei den Pfarrgemeinden, ist im vergangenen Jahr sehr kostenbewusst gewirtschaftet worden. Darüber hinaus entwickeln viele Bereiche auch kirchensteuerunabhängige Finanzierungen für Projekte.

Allerdings gibt es trotz des positiven Betriebsergebnisses einen Wehrmutstropfen, denn die gesetzlich vorgeschriebene Substanzerhaltungsrücklage konnte auch 2018 in einer mittleren sechsstelligen Höhe nicht erbracht werden.“

 KW: „Kann die Kirche jetzt wieder mehr in ihre Projekte und auch Gebäude investieren?“

GG: „Die positiven Entwicklungen zeigen, dass beim Konsolidierungsprozess die finanzielle Talsohle erreicht ist. Wir müssen sehr genau überlegen, wie wir die getätigten Investitionen auch langfristig sichern können. Durch kluge wirtschaftliche Entscheidungen wollen wir zukünftig Mittel erwirtschaften, mit denen wir auch Investitionen in kirchliche – gemeindliche wie übergemeindliche – Projekte tätigen können. Projekte, die dem Auftrag der Kirche in unserer Stadt und einer Kirche nahe bei den Menschen gerecht werden. Die schon aufgrund der Mitgliederentwicklung notwendige strukturelle Gebäudeoptimierung allein wird nicht ausreichen für eine zukunftsoffene und optimistische Kirche. Neben den finanziellen Rahmenbedingungen sollten wir dabei vor allem auch theologische und sozialogische Aspekte der Kirchenentwicklung bedenken.“

KW: „Gibt es Ideen, wie das Minus in der Substanzerhaltungsrücklage langfristig abgebaut werden kann?“

GG: „Die Substanzerhaltungsrücklage dient zunächst einmal dazu, das Vermögen in seiner Substanz zu erhalten. Da bereits in den vergangenen Jahren die Substanzerhaltungsrücklage überwiegend nicht erbracht wurde, ist hier ein hohes Defizit in der Evangelischen Kirche in Heidelberg aufgelaufen. Dieses müssen wir zunächst abbauen und zugleich Möglichkeiten finden, wie wir die jährlich zu erbringende Substanzerhaltungsrücklage zukünftig erwirtschaften können.

Unsere Haupterkenntnis ist dabei, dass wir uns als Evangelische Kirche gegenwärtig einen zu kostenintensiven Gebäudebestand leisten, den wir im jetzigen Umfang nicht finanzieren können. Mit dem Gebäudemasterplan haben wir inzwischen ein realistisches Szenario entwickelt. Unsere Strategie sieht vor, dass wir Gemeindehausflächen aus Zeiten, in denen die Evangelische Kirche noch deutlich mehr Mitglieder hatte, abbauen. Wir kommen nicht umhin, Gebäude zu verkaufen und Grundstücke langfristig in Erbpacht zu veräußern. Durch die Verkaufserlöse können die aufgelaufenen Rückstände im Bereich der Substanzerhaltungsrücklage ausgeglichen werden. Auch durch anstehende jährliche Erbpachterträge können große Teile der laufenden Substanzerhaltung erwirtschaftet werden.“

KW: „Was bedeutet diese positive finanzielle Entwicklung für die Ersatzvornahme durch den Evangelischen Oberkirchenrat, in der sich die Evangelische Kirche in Heidelberg seit Sommer 2016 befindet?“

GG: „Die Haushaltskonsolidierung war ein wesentlicher Auftrag der Ersatzvornahme. Daneben wurde auch die Erarbeitung einer KiTa-Strategie, einer neuen Budgetierungsordnung, einer neuen Geschäftsordnung und des Masterplans für die Liegenschaften gefordert. All dies konnten wir in diesem Sommer verabschieden, sodass wir nun in Gesprächen mit dem Evangelischen Oberkirchenrat sind, wie wir die Ersatzvornahme in einen Prozess der Haushaltssicherung überführen können. Die Kirchenleitung in Heidelberg ist sehr dankbar für die Unterstützung aus Karlsruhe. Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass wir weiterhin solide und nachhaltige Entscheidungen treffen. Ich persönlich bin da sehr zuversichtlich.“

Anbei das Interview als Download: