Einführung von Pfarrerin Christiane Bindseil

Pfarrerin Dr. Christiane Bindseil freut sich auf ihre neuen Aufgaben als Gemeindepfarrerin
Zum 1. September 2019 hat Pfarrerin Dr. Christiane Bindseil in der Kirchheimer Bonhoeffergemeinde die Nachfolge von Pfarrer Albrecht Herrmann angetreten. Am 22. September wird Sie um 17 Uhr in einem Gottesdienst in der Arche durch den neuen Dekan Dr. Christof Ellsiepen in ihr Amt eingeführt. Aus diesem Anlass hat Öffentlichkeitsbeauftragte Karin Wilke ein Gespräch mit Pfarrerin Bindseil zu ihrem Amtsantritt geführt.

KW: Frau Bindseil, Sie haben am 1. September Ihren Dienst in der Bonhoeffergemeinde angetreten, haben Sie sich schon eingerichtet an Ihrem neuen Arbeitsplatz?

CB: „Ich habe das große Glück, dass wir als Familie schon seit 11 Jahren in Heidelberg-Kirchheim wohnen und Gemeindeglieder der Blumhardt- bzw. Bonhoeffergemeinde sind. Somit brauchten wir zum 1. September nicht umzuziehen, die Wege sind mir vertraut und vor allem: ich kenne viele Menschen und weiß, was ich an ihnen habe. So freue ich mich besonders darauf, dass ich nun gemeinsam mit so vielen anderen als Hauptamtliche das Leben der Bonhoeffergemeinde mitgestalten darf.
Mein Büro habe ich inzwischen in der Oppelner Straße 2 eingerichtet, wo auch mein Vorgänger Pfarrer Albrecht Herrmann seinen Arbeitsplatz hatte. Ich genieße es, von meinem Schreibtisch aus fast bis zum Königsstuhl blicken zu können und freue mich auf viele gute Gespräche dort.“

KW: Was schätzen Sie an der Bonhoeffergemeinde besonders?

CB: „Ich erlebe diese Gemeinde als sehr aufgeschlossen und neugierig, Menschen werden hier herzlich aufgenommen. In den Gottesdiensten sind alle Altersstufen vertreten und Menschen mit ganz unterschiedlicher Herkunft und Lebensgeschichten begegnen sich auf Augenhöhe. Überhaupt gibt es viele Orte der Begegnung und die Gemeinde lässt sich immer wieder auf Neues ein: von der Feierabendandacht gemeinsam mit der Koreanischen Gemeinde über die Unterstützung für geflüchteten Menschen bis hin zum Offenen Mittagstisch.
Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Mein Eindruck ist: Die Bonhoeffergemeinde nimmt das Erbe ihres Namensgebers ernst.  Wo Not ist, wird auch ganz spontan zugepackt.
Ich schätze auch sehr, dass die Gemeinde politisch Flagge zeigt. Das Friedensgebet am 9. November vergangenen Jahres und die Mahnwache vor dem Rathaus waren ein großartiges Beispiel. Dafür schätze ich übrigens nicht nur die Bonhoeffergemeinde, sondern ganz Kirchheim sehr.“

KW: Werden Sie Ihre langjährige Arbeit in der Klinikseelsorge vermissen? Welche Impulse können Sie aus Ihren Erfahrungen dort mitnehmen in das Amt einer Gemeindepfarrerin?

CB: „In der Klinik hatte ich viel Zeit für Begegnungen und Gespräche; viele waren sehr intensiv, da die Menschen sich in existentiellen Krisensituationen befanden. Auch als Gemeindepfarrerin möchte ich mir gerne Zeit nehmen für Begegnungen und Gespräche, aber es mag sein, dass ich die Intensität und die Konzentration, die in der Klinikseelsorge möglich ist, auch mal vermissen werden. Andererseits freue ich mich drauf, als Gemeindepfarrerin Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen begleiten zu dürfen; auch bei freudigen Ereignissen und im ganz banalen Alltagstrott.
In der Klinik habe ich die unterschiedlichsten Menschen besucht was Alter, Herkunft, Bildung, Religionszugehörigkeit und Frömmigkeit angeht. Oft hatte ich keine Ahnung, wer in dem Zimmer liegt, an dessen Tür ich anklopfe. Mit der Unvoreingenommenheit, mir der ich auf Patientinnen und Patienten zugegangen bin, möchte ich auch in der Gemeinde unterwegs sein und auf Menschen zugehen, die nicht mit Kirche rechnen und nie von sich aus das Gespräch mit einer Pfarrerin suchen würden.“

KW: Wie werden Sie sich in den Aufgabenbereichen mit Ihrem Kollegen Pfarrer Kliesch abstimmen, welche Schwerpunkte wollen Sie selbst für Ihre Arbeit setzen?

Gemeinsam sind Pfarrer Dr. Fabian Kliesch und Pfarrerin Dr. Christiane Bindseil nun für die Bonhoeffergemeinde da
CB: „Mein Herz schlägt nach wie vor für die Seelsorge. So wird auch einer meiner Schwerpunkte die Besuchsdienstarbeit sein wird: bei älteren Menschen zu Geburtstagen und im Mathilde-Vogt-Haus, aber auch für Menschen im berufstätigen Alter. Speziell für Neuzugezogene möchte ich perspektivisch Kontaktangebote schaffen, sei es durch Besuchsdienste oder durch andere Begegnungsmöglichkeiten. Ich hoffe, dass viele Menschen Lust haben, mitzuarbeiten. So können wir uns gegenseitig als Gemeindeglieder wahrnehmen, so entsteht ein kostbares und tragfähiges Netz von Beziehungen.
Pfarrer Kliesch hat einen Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit, da ergänzen wir uns sehr gut. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm und bin gespannt, was wir gemeinsam gestalten werden.“

KW: Haben Sie eine Vision für die Bonhoeffergemeinde?

CB: „Meine Vision ist, dass die Menschen in Kirchheim sich wahrgenommen und wertgeschätzt wissen. So, wie sie sind, mit all den wunderbaren Gaben, die sie mitbringen ebenso wie mit allen Ecken und Kanten, so unterschiedlich sie sind. Meine Vision von Gemeinde ist, dass Menschen wissen: Hier kann ich Halt finden. Meine Vision von Gemeinde ist, dass in unserem Miteinander etwas spürbar wird vom Geist Gottes und dass wir ein kleines bisschen gemeinsam mit bauen am Reich Gottes.“

KW: Als 5fache Mutter stehen Sie mit einem vollen Deputat auch vor einer großen Herausforderung – dem Spagat zwischen Beruf und Familie. Welche Tipps haben Sie für berufstätige Eltern, diese zu meistern?

CB: „Ich habe immer gearbeitet, in unterschiedlichen Bereichen, seit unsere ältesten Kinder (Zwillinge) ein halbes Jahr alt sind. Natürlich muss man gut organisieren und sich selbst gut strukturieren können, um arbeitsfähig zu sein, aber das ist nur die eine Seite. Als Mutter habe ich intensiv erfahren, dass wir vieles einfach nicht planen und organisieren können und dass nicht wir das Leben in der Hand haben. Und das gibt mir letztlich eine große Gelassenheit, denn es befreit von dem Wahn, alles alleine schaffen und alles richtig und perfekt machen zu müssen.  Immer wieder durfte ich erfahren, dass in Momenten, in denen ich dachte: „Jetzt gehen wir unter“ – dass mir in solchen Momenten von irgendwo her eine Hand gereicht wurde und Hilfe kam. Eine Fügung vielleicht, oder ein Engel. Mit dem tiefen Vertrauen, dass Gott auch weiterhin für mich und uns sorgen wird und dass ER unser Leben in der Hand hat, beginne ich meine Arbeit als Pfarrerin der Bonhoeffergemeinde.“