Am 13. Oktober wurde Pfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez in einem Festgottesdienst in der Christuskirche durch den Dekan Dr. Christof Ellsiepen in ihr Amt eingeführt. Seit dem 1. September füllt sie in der Christus-Luther-Markus-Gemeinde die Pfarrstelle 2 "Seelsorge in die Gesellschaft hinein" aus. Karin Wilke war hierüber mit der neuen Pfarrerin im Gespräch.
Frau Zweygart-Pérez, was verstehen Sie ganz persönlich unter Ihrer neuen Pfarrstelle „Seelsorge in die Gesellschaft hinein“?
Z-P: "Ich nehme wahr, dass wir in der Kirche sehr darauf fixiert sind, die Menschen zu uns einzuladen. In unsere Gottesdienste, zu unseren Veranstaltungen in den Gemeindehäusern. Wir haben etwas zu bieten und wünschen uns, dass es angenommen wird. Oftmals zerbrechen wir uns den Kopf, was wohl „ankommen“ wird. Ursprünglich war das ja mal ganz anders. Der christliche Glaube hat sich dadurch ausgebreitet, dass Menschen losgezogen sind. Dorthin, wo Menschen leben, arbeiten, ihre freie Zeit miteinander verbringen. Um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Z-P: "Ich nehme wahr, dass wir in der Kirche sehr darauf fixiert sind, die Menschen zu uns einzuladen. In unsere Gottesdienste, zu unseren Veranstaltungen in den Gemeindehäusern. Wir haben etwas zu bieten und wünschen uns, dass es angenommen wird. Oftmals zerbrechen wir uns den Kopf, was wohl „ankommen“ wird. Ursprünglich war das ja mal ganz anders. Der christliche Glaube hat sich dadurch ausgebreitet, dass Menschen losgezogen sind. Dorthin, wo Menschen leben, arbeiten, ihre freie Zeit miteinander verbringen. Um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Genauso stelle ich es mir auch heute vor. Im Gemeindehaus wird man mich eher selten erleben. Ich bin dort, wo Menschen sich treffen. Wo sie sich engagieren. Für ihren Stadtteil oder ein ganz besonderes Anliegen. Nicht, um ihnen zu sagen, dass wir das als Kirche sicher viel besser können. Sondern um zu fragen: Wie können wir unterstützen? Was können wir tun, damit wir gemeinsam etwas Gutes schaffen für unsere Nachbarschaft, für unsere Stadt? Es ist für mich sehr bewegend zu erleben, wie positiv überrascht viele Menschen reagieren, wenn ich ihnen das sage: Hier bin ich als Pfarrerin der Evangelischen Kirche! Und ich komme nicht, um zu missionieren, sondern um zuzuhören. Vielleicht mitzureden."
Die CLM-Gemeinde muss nach der Fusion im April nun eine neue Identität und – zum Teil – auch eine neue Heimat finden. Welche Ideen haben Sie für diesen Prozess, gibt es Parallelen zu Ihrer vorherigen Arbeit?
Z-P: "Ich bringe ja Erfahrungen aus dem Fusionsprozess der heutigen Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz mit. Der war in vielerlei Hinsicht leichter, denn es ging um die Fusion zweier Gemeinden innerhalb eines Stadtteils. Nun sind vier Stadtteile innerhalb einer Gemeinde vereint. Zwei von ihnen haben ihre kirchlichen Gebäude behalten, Bergheim und auch die Bahnstadt haben es, was das Heimatgefühl betrifft, da deutlich schwerer.
Die CLM-Gemeinde muss nach der Fusion im April nun eine neue Identität und – zum Teil – auch eine neue Heimat finden. Welche Ideen haben Sie für diesen Prozess, gibt es Parallelen zu Ihrer vorherigen Arbeit?
Z-P: "Ich bringe ja Erfahrungen aus dem Fusionsprozess der heutigen Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz mit. Der war in vielerlei Hinsicht leichter, denn es ging um die Fusion zweier Gemeinden innerhalb eines Stadtteils. Nun sind vier Stadtteile innerhalb einer Gemeinde vereint. Zwei von ihnen haben ihre kirchlichen Gebäude behalten, Bergheim und auch die Bahnstadt haben es, was das Heimatgefühl betrifft, da deutlich schwerer.
Ich werde darum immer wieder die Geduldkarte spielen. Es braucht Zeit. Zeit. Und noch mal Zeit. Es ist gut, wenn wichtige Entscheidungen, die die Zukunft betreffen, nicht mit der heutigen Emotionalität getroffen werden, die einem solchen Prozess innewohnt. Vieles werden wir in fünf Jahren ganz anders betrachten und beurteilen. Darum ist es gut, wenn die Identität der Stadtteile auch nach der Fusion eine Rolle spielen darf. Wir sind eine Gemeinde. Aber in verschiedenen Stadtteilen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das macht uns unsere kulturelle Vielfalt bewusst. Das hilft uns, wegzukommen von der Einstellung: Das haben wir schon immer so gemacht, das muss auch so bleiben."
Welche Erfahrungen bringen Sie mit aus Ihrer Arbeit mit Geflüchteten, wie wollen Sie diese in die Gemeindearbeit einbringen?
Z-P: "Eine wesentliche Wahrnehmung in den vergangen Jahren war diese: Als evangelische Gemeinden sind wir nicht wirklich vorbereitet auf die Anwesenheit von Menschen aus anderen Kulturkreisen. Es ist unglaublich schwer für Menschen anderer Herkunft und Sprache, an unseren Angeboten anzudocken. Wenn mich Christen aus Nigeria oder dem Iran nach einem Gottesdienst am Sonntagmorgen fragen, habe ich immer ein wenig Bauchschmerzen, sie in einen unserer „klassischen“ Gottesdienste zu schicken. Nicht nur die Sprache ist fremd. Auch die Liturgie. Und unsere meist zumindest äußerlich emotionslose Form des Gottesdienstfeierns bietet wenig Möglichkeiten, jenseits des Verstehens einen spirituellen Raum zu eröffnen. Wer übernimmt nun Ihre Aufgaben im PHV, nehmen Sie noch welche davon wahr und wenn ja, in welcher Form?
Z-P: "Im Moment mache ich sozusagen die Vakanzvertretung für meine vorhergehende Stelle, die ja eigentlich bis Februar 2020 befristet war. Ich bin immer noch stundenweise in der ehemaligen Kirche auf dem Gelände des PHVs. Das ist gut so. Wenn ich gerade nicht als Seelsorgerin gebraucht werde, erledige ich dort meine Büroarbeit, sodass dies auch zeitlich gut vertretbar ist.
Welche Erfahrungen bringen Sie mit aus Ihrer Arbeit mit Geflüchteten, wie wollen Sie diese in die Gemeindearbeit einbringen?
Z-P: "Eine wesentliche Wahrnehmung in den vergangen Jahren war diese: Als evangelische Gemeinden sind wir nicht wirklich vorbereitet auf die Anwesenheit von Menschen aus anderen Kulturkreisen. Es ist unglaublich schwer für Menschen anderer Herkunft und Sprache, an unseren Angeboten anzudocken. Wenn mich Christen aus Nigeria oder dem Iran nach einem Gottesdienst am Sonntagmorgen fragen, habe ich immer ein wenig Bauchschmerzen, sie in einen unserer „klassischen“ Gottesdienste zu schicken. Nicht nur die Sprache ist fremd. Auch die Liturgie. Und unsere meist zumindest äußerlich emotionslose Form des Gottesdienstfeierns bietet wenig Möglichkeiten, jenseits des Verstehens einen spirituellen Raum zu eröffnen.
Es wird mir ein großes Anliegen sein, darauf hin zu wirken, dass Christen, die für eine kurze Zeit oder länger hier bei uns in Heidelberg sind, auch in unserer Evangelischen Kirche einen Ort finden, an dem sie ihrem Glauben Ausdruck geben können und durch das gemeinsame Gottesdienstfeiern gestärkt werden. Dafür braucht es eine hohe Bereitschaft des interkulturellen Lernens. Hierzu möchte ich beitragen."
Z-P: "Im Moment mache ich sozusagen die Vakanzvertretung für meine vorhergehende Stelle, die ja eigentlich bis Februar 2020 befristet war. Ich bin immer noch stundenweise in der ehemaligen Kirche auf dem Gelände des PHVs. Das ist gut so. Wenn ich gerade nicht als Seelsorgerin gebraucht werde, erledige ich dort meine Büroarbeit, sodass dies auch zeitlich gut vertretbar ist.
In diesen Tagen begleite ich wieder einmal eine junge Mutter, die ihr Baby kurz vor der Geburt verloren hat. Es ist gut, dass ich ihr in meiner neuen Gemeinde auch einen Ort anbieten kann, an dem sie trauern kann. Und wo sie gleichzeitig im Café Talk auf Menschen trifft, die sie ein wenig auf andere Gedanken bringen. Das Café Talk findet ja auf dem Gebiet der CLM-Gemeinde im ehemaligen Lutherzentrum statt. So ergibt sich Vieles einfach ganz organische und selbstverständlich. Das macht mir den Wechsel leichter."
Haben Sie einen Namensfavoriten oder eigenen Vorschlag für die CLM-Gemeinde und wenn ja, wie begründen Sie diesen?
Z-P: "Oh, der Name! Das ist wirklich eine sehr heikle Angelegenheit. Da spielen verständlicherweise die Emotionen eine große Rolle. Nicht bei mir, das ist sicherlich ein Vorteil. Der Namensgebungsprozess war ja sehr gut durchdacht. Und trotzdem hat er aus meiner Sicht nicht zu einem Ergebnis geführt, mit dem wir zufrieden und glücklich sein können. Darum halte ich den Vorschlag, jetzt erst einmal bei dem umständlichen Namen „Christus-Luther-Markus-Gemeinde“ zu bleiben und im Alltag die schon eingeführte Abkürzung CLM zu gebrauchen, für sehr bedenkenswert."
Haben Sie einen Namensfavoriten oder eigenen Vorschlag für die CLM-Gemeinde und wenn ja, wie begründen Sie diesen?
Z-P: "Oh, der Name! Das ist wirklich eine sehr heikle Angelegenheit. Da spielen verständlicherweise die Emotionen eine große Rolle. Nicht bei mir, das ist sicherlich ein Vorteil. Der Namensgebungsprozess war ja sehr gut durchdacht. Und trotzdem hat er aus meiner Sicht nicht zu einem Ergebnis geführt, mit dem wir zufrieden und glücklich sein können. Darum halte ich den Vorschlag, jetzt erst einmal bei dem umständlichen Namen „Christus-Luther-Markus-Gemeinde“ zu bleiben und im Alltag die schon eingeführte Abkürzung CLM zu gebrauchen, für sehr bedenkenswert."


