Heidelberg, 14.11.2019. „Heute darf ich Ihnen eine wirkliche gute Nachricht überbringen“, verkündet Dekan Christof Ellsiepen den Anwesenden auf der letzten Synode des Stadtkirchenbezirks in diesem Jahr. „Der Evangelische Oberkirchenrat hat zum 30.11.2019 die Ersatzvornahme aufgehoben.“ Die Aufsicht durch die Kirchenleitung in Karlsruhe war erforderlich geworden, um den Stadtkirchenbezirk Heidelberg „in der Erfüllung zwingend notwendiger Aufgaben zu unterstützen“, liest der Dekan aus einem Brief des Oberkirchenrates vor. Dieses Ziel sei zwischenzeitlich „weitgehend erreicht“, so der Wortlaut des Schreibens, auch wenn noch immer „erhebliche Herausforderungen“ für die Evangelische Kirche in Heidelberg bevorstehen.
„Die mehr als dreijährige Ersatzvornahme des EOK war zeitweise ein schmerzhafter Prozess der Restrukturierung der Evangelischen Kirche in Heidelberg“, resümiert Dekanstellvertreter Gunnar Garleff. Aber durch harte Arbeit sei die Evangelische Kirche in Heidelberg aufgrund ihrer KiTa-Strategie, der neuen Geschäfts- und Budgetierungsordnung und des Gebäudemasterplans für die kommenden Jahre mittlerweile wieder gut aufgestellt. Zugleich sei es in den Haushaltsperioden 2017 und 2018 gelungen, die Ergebnishaushalte nachhaltig zu konsolidieren, was insbesondere auch an der vertrauensvollen und sehr konstruktiven Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung im Bereich der Kindertagesstätten liege. „Ein großer Dank gebührt den Mitgliedern der kirchlichen Gremien für ihre Geduld und den Mut, auch schmerzhafte Entscheidungen zu treffen“, fasst Garleff zusammen.
„Im Nachhinein bin ich sehr froh über die Ersatzvornahme, weil sie uns gezwungen hat, alles auf den Prüfstand zu stellen. Es war klar, dass es ein "Weiter so" nicht mehr geben kann“, räumt die Synodenvorsitzende Sandra Grande ein. Die Umstellung des Buchungssystems habe die Schwachstellen sehr schnell aufgezeigt. „Unser Ziel muss es sein, durch die Umsetzung unserer neuen Strategien finanzielle Freiräume für inhaltliches Arbeiten zu schaffen. Und wir müssen es schaffen, attraktiver Arbeitgeber, gerade auch im Kita-Bereich zu sein“, fordert die Synodenvorsitzende.
Auf dem Prüfstand stand auch die traditionsreiche Marienhütte der evangelischen Kirche, für deren Erhalt und Betrieb weiterhin dauerhaft hohe Aufwendungen nötig gewesen wären. „Im Mai 2019 hat der Stadtkirchenrat der Evangelischen Kirche in Heidelberg deshalb aus wirtschaftlichen Gründen entschieden, die Marienhütte und das Wirtschaftsgebäude zu verkaufen“, informiert Dekan Ellsiepen die Synodalen. Ein wichtiges Anliegen wurde jedoch erreicht, nämlich die Ferienfreizeit „Kinderwelt Marienhütte“ des Diakonischen Werks in Kooperation mit dem evangelischen Kinder- und Jugendwerk dort weiterführen zu können.
„Die in den letzten Jahren für den Erhalt der Marienhütte eingegangenen Spenden wurden investiert in die Sanierung und Instandhaltung der alten Marienhütte sowie die Pflege des Geländes. Damit ist sichergestellt, dass den Kindern bei der `Kinderwelt Marienhütte´ auch weiterhin ein intaktes und gut nutzbares Gebäude für ihre Unternehmungen zur Verfügung steht und wir danken den Spendern für ihr großes Engagement“, freut sich der Geschäftsführer des Diakonischen Werks Martin Heß. Mit dem Kaufvertrag sei zugleich eine verbindliche Vereinbarung geschlossen, dass die Kinderwelt Marienhütte für weitere 10 Jahre in gewohnter Form dort stattfinden könne, zudem sei eine Verlängerung dieser Vereinbarung möglich, erläutert Heß.
„Im Rahmen der Ersatzvornahme konnte durch die getroffenen Maßnahmen der laufende Haushalt ausgeglichen werden“, lobt auch Andreas Maier vom Evangelischen Oberkirchenrat das Engagement der Heidelberger. Zwar sei die Rücklagenbildung für Gebäude noch nicht im vollen Umfang möglich und daher müsse hier noch weiter gespart und optimiert werden, mahnt der Abteilungsleiter Gemeindefinanzen. Auch werde in Zukunft Fundraising eine hohe Relevanz haben, aber „die Ersatzvornahme kann zum 30.11.2019 abgeschlossen werden“, verkündet Maier dem Stadtkirchenbezirk Heidelberg.
„Das ist ein Beweis des Vertrauens in unsere Gremien und in unsere Kirchenverwaltung“, freut sich Dekan Ellsiepen: „Nun haben wir die Aufgabe, durch eine weitsichtige Planung, durch Sparen an der richtigen Stelle und eine nachhaltige, breit aufgestellte Finanzierung den Rahmen zu schaffen für eine auch in Zukunft lebendige und den Menschen zugewandte Evangelische Kirche in Heidelberg.“
Lesen Sie hier die Presseinformationen zum Verkauf der Marienhütte und zur Beendigung der Ersatzvornahme:






