„Sie waren doch damals bei mir!“ – Ehrung der „Gelben Damen“ der Ökumenischen Krankenhaushilfe an der Thoraxklinik

(von li): Rosemarie Methner, Edeltraud Pressel, Elke Hausensteiner, Wies Lang, Birthe Kuhn, Elisabeth Schmidt und Brigitte Wendling freuen sich über die Verleihung des Kronenkreuzes
Heidelberg, 04.12.2019. „Unter einem guten Stern“ stand die Ehrung von sieben „Gelben Damen“ am 4. Dezember in der Kapelle der Thoraxklinik. Den Gottesdienst liebevoll vorbereitet, dazu eingeladen und gepredigt haben die beiden Klinikseelsorger Pfarrerin Birgit Wasserbäch und Pfarrer Andreas Schlögel. Für ihr langjähriges Engagement bei der Ökumenischen Krankenhaushilfe, die in diesem Jahr ihr 35jähriges Bestehen feiert, bekamen die Ehrenamtlichen von Diakoniepfarrerin Sigrid Zweygart-Pérez das silberne und goldene Kronenkreuz der Diakonie überreicht. „Sie sind ein Segen für viele Patienten und sollen sich – nicht nur durch die Auszeichnung mit dem Kronenkreuz – immer wieder gesegnet fühlen“, wünscht die Pfarrerin den engagierten Damen.

„Oft weiß ich nicht, was mich erwartet, wenn ich bei meinen Patientenbesuchen das Krankenzimmer betrete. Meist gehe ich im Frieden wieder raus und habe das erfüllende Gefühl, einem anderen Menschen Zeit und ein offenes Ohr geschenkt zu haben, manchmal läuft es aber auch gar nicht“, erzählt Rosemarie Methner, die seit 34 Jahren als „Gelbe Dame“ ehrenamtlich Patienten in der Thoraxklinik besucht. Einmal in der Woche verbringt sie gut drei Stunden an Krankenbetten, wo sie zuhört, mitfühlt oder einfach nur mitschweigt. Auf die Frage, was sie all die Jahre immer wieder motiviert habe zu diesem zuweilen auch belastenden Dienst am Nächsten, antwortet sie spontan: „Wenn ich unterwegs bin und plötzlich von jemandem angesprochen werde: `Sie waren doch damals bei mir, als es mir so schlecht ging, dafür bin ich Ihnen heute noch dankbar!´. Dann bin ich glücklich, solche Erlebnisse geben mir die Kraft und Gewissheit, das Richtige zu tun.“

In der Kapelle der Thoraxklinik finden Patienten Ruhe für innere Einkehr
Insgesamt 24 ehrenamtliche „Gelbe Damen“ – von denen eine ein Herr ist – besuchen in der Thoraxklinik rund 900 Stunden im Jahr Menschen in Ausnahmesituationen. Besorgen Hygieneartikel für diejenigen, die in Not sind oder in der Kürze der Zeit nur das Nötigste zusammenraffen konnten, lotsen die oft überforderten Patienten durch das Klinikgebäude, halten gemeinsam mit ihnen erschütternde Diagnosen aus und sind da, wenn im hektischen Klinikalltag Zeit für persönliche Gespräche fehlt. „Sie sind neben der medizinischen Versorgung ein ganz wichtiger Bestandteil der Betreuung unserer Patienten“, wendet sich Roland Fank im Namen der Klinikleitung an die Geehrten. „Als Bindeglied zwischen Personal – das oft an enge zeitliche Abläufe gebunden ist und kaum Zeit für persönliche Gespräche hat – und Patienten sind Sie ein unentbehrlicher Partner in unserem Team“, lobt der kaufmännische Geschäftsführer die langjährigen Krankenhausbegleiterinnen.

Der gelb-weiß gestreifte Kittel - hier getragen von Brigitte Wendling - verleiht den "gelben Damen" an der Thoraxklinik ihren Namen

 

Dass neben der medizinischen Versorgung auch die persönliche Zuwendung eine ganz große Rolle spielt beim Heilungsprozess oder auch dem Friedenfinden am Ende des Lebens, erleben die Gelben Damen täglich. „Man erfährt Dinge aus dem Leben von fremden Menschen, die einen plötzlich ganz demütig machen und vor Augen führen: Was hast du eigentlich für Probleme gemessen an dem, was andere durchmachen?“, berichtet Brigitte Wendling, die seit 20 Jahren Patienten auf der Palliativstation und der Onkologie begleitet. Darunter sind Patienten aller Altersstufen, so hat sie vor vielen Jahren auch ein Kind mit einer Metastase auf der Lunge betreut.

„Weißt du, der liebe Gott will nicht nur die alten Leute“, habe dieser Junge sie zu trösten versucht. „Das hat mich so berührt und mir gleichzeitig die Kraft gegeben, diesen Dienst am Nächsten zu tun“, erzählt sie tief bewegt. Mögen die Kraft und der Einsatz dieser selbstlosen Helferinnen auch weiterhin unter einem guten Stern stehen, der mit seiner Leuchtkraft vielleicht auch andere Menschen zu ähnlichem Engagement ansteckt.