Heidelberg, 06.02.2020. Rund 90 der 117 neu gewählten Kirchenältesten aus 13 Heidelberger Gemeinden nahmen am Donnerstagabend die Einladung der Evangelischen Kirche in Heidelberg zum Empfang in der Friedenskirche wahr. „Lassen Sie uns auf den Reichtum unserer Kräfte, ein gutes Zusammenspiel dieser Kräfte und auf unsere Vielfalt in der Einheit anstoßen“, begrüßte Dekan Dr. Christof Ellsiepen die anwesenden Kirchenverbundenen. Diese erwartete ein buntes Programm zum gegenseitigen Kennenlernen, begleitet von musikalischen Einlagen ihres Dekans und des Bezirkskantors Michael Braatz-Tempel. In seinem Vortrag über die Strukturen der Evangelischen Kirche stelle Dekanstellvertreter Dr. Gunnar Garleff abschließend die Bereiche kirchlicher Arbeit mit ihren Vertretern vor.
Am 1. Dezember letzten Jahres haben die evangelischen Kirchengemeinden Baden weit ihre neuen Ältestenkreise gewählt, die das gemeindliche Leben wesentlich mitgestalten und bestimmen. Erstmals durften sich junge Menschen bereits ab 16 zur Wahl aufstellen lassen, und so ist Henry McKellar aus der Rohrbacher Melanchthongemeinde tatsächlich mit 16 Jahren der „jüngste Älteste“ in Heidelberg. „Wir haben in Rohrbach eine ganz aktive Gemeinde, da kann ich was bewegen, zum Beispiel in der Jugendarbeit“, erläutert der 11.Klässler seine Motivation, im Ältestenkreis mitzuwirken. Als Jugendleiter im Pfadfinderbund Nordbaden konnte er hierfür bereits Erfahrungen sammeln, auch seine regelmäßige Teilnahme an schulinternen Debattierwettbewerben kommt ihm bei seiner neuen Aufgabe sicherlich zugute. „Ich bin selbstkritisch und manchmal etwas schüchtern“, beschreibt sich Henry selbst, „aber ich bin auch gut im Planen, bringe Begeisterung und neue Ideen für mein Amt mit.“ „Ältester Ältester“ unter den Anwesenden war mit 76 Jahren Dr. Michael Hug, der bereits zum fünften Mal in den Ältestenkreis der Altstadtgemeinde Heiliggeist-Providenz gewählt wurde. „Ich habe mein fast 25jähriges Mitwirken im Ältestenkreis noch nie bereut“, beteuert der Rechtsanwalt, der sich auch in vielen kirchlichen Gremien in leitender Funktion engagiert. Besonders die Lesungen im Gottesdienst machen ihm noch immer Freude, ein großes Anliegen treibt ihn nach wie vor besonders an: „Ich möchte dabei mitwirken, dass der Mitgliederschwund gestoppt wird. Auch wenn´s manchmal schwerfällt, gehe ich offensiv auf Leute zu und lade sie zum Beispiel zum Sonntagsgottesdienst ein, damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärt Hug. Dass Kirche sich nicht verstecken muss, wurde spätestens in den `Murmelgruppen´ deutlich, in denen die neuen Ältestenkreise sich darüber verständigten, was sie begeistert und welche Themen für sie aktuell sind. „Gemeinschaft gestalten und auch miteinander leben“, so fand die überwältigende Mehrheit, ist die verbindende Kraft in den Gemeinden. Diese spiegelt sich in der guten Durchmischung von Menschen aller Altersgruppen, vieler Nationalitäten und mit unterschiedlichstem Bildungshintergrund wider. Im Fokus vieler Gemeinden steht ganz klar die Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen, die Begeisterung für Kirchenmusik und die gelebte Ökumene. Aber auch das Zusammenwachsen der zum Teil frisch fusionierten Gemeinden und die finanzielle Konsolidierung ist den Ältesten ein Anliegen. Knapp die Hälfe der neu gewählten Ältesten bekleiden dieses Amt zum ersten Mal, 56 Prozent der Gewählten im Stadtkirchenbezirk Heidelberg sind Frauen, 44 Prozent Männer, der Altersdurchschnitt liegt bei 53 Jahren.„Unsere große Herausforderung im Stadtkirchenbezirk ist es, ein Wir-Gefühl zu entwickeln und dieses auch in allen Abläufen zum Ausdruck zu bringen“, resümiert Dekan Ellsiepen am Ende des Abends. „Lassen Sie uns gemeinsam tragen, was wir uns gemeinsam vornehmen“, fordert der Pfarrer die Anwesenden auf. „Denn wenn wir uns von der Liebe Gottes bewegen lassen, können wir durch das, was uns bewegt, auch andere bewegen.“





