Heidelberg, 09.02.2020. Mit einem feierlichen Gottesdienst eröffnete die Evangelische Kirche in Heidelberg gemeinsam mit Bischofsstellvertreterin Cornelia Weber in der Heiliggeistkirche das Hermann-Maas-Jahr. „Es ist der Inbegriff unserer Kultur, einander zu achten“, so Dekan Christof Ellsiepen in seiner Begrüßung. „Hermann Maas hat viel mehr getan. Es ging ihm immer um ein `Mitleben´, und das setzt Verständnis und Begegnung voraus und kann in freundschaftliche Verbundenheit münden.“ Ein Jahr im Sinne von Hermann Maas, das sei Erinnern und zugleich gemeinsames Einüben dieser Haltung des Mitlebens und auch des Mitbetens, so der Dekan weiter. „Und ich wünsche mir, dass wir uns dabei zugleich von Hermann Maas anregen lassen zu einer Haltung der Versöhnung, zum Dialog und zur Liebe.“
Michael Schwarzmann bat als Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde in seiner Fürbitte „für das jüdisch-christliche Zusammenleben heute in unserer Stadt und in unserem Land.“ „Heute werden in unserem Land Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Faschismus wieder gesellschaftsfähig“, mahnt Klaus Müller, Beauftragter der Landeskirche für den christlich-jüdischen Dialog, in seiner Fürbitte. „Gib uns den Mut und die Kraft, Antisemitismus und aller Art von Menschenverachtung in Wort und Tat entgegenzutreten“, so Müller weiter.
Musikalisch wunderbar untermalt wurde der Gottesdienst, der ganz im Zeichen der Völkerversöhnung stand, mit „Fünf Liedern aus Jerusalem“ von Oscar Blarr, einfühlsam gesungen von der Sopranistin Cornelia Winter. Auf der Harfe begleitete sie Rachel Kelz, an der Orgel war Heiliggeistkantor Christoph Andreas Schäfer zu hören.
„Gott sei Dank für diesen „Gerechten unter den Völkern“, der uns gerade heute neu ermutigen kann, gegen Unrecht und Fremdenfeindlichkeit einzutreten und stattdessen die Begegnung zu suchen, zu handeln und nicht zu schweigen“, betont Bischofsstellvertreterin Cornelia Weber in ihrer Predigt. Und weiter: „Es ist Hermann Maas, von dem der israelische Botschafter bei der Überreichung der Yad Vashem-Medaille 1966 sagte: Sie haben diejenigen als Ebenbild Gottes angesehen, die damals nicht als Menschen galten, und Sie setzten dabei Ihr Leben aufs Spiel. Dieser antwortete auf die hohe Auszeichnung damals: Ich habe getan, was selbstverständlich ist für einen Christenmenschen.“
Der evangelische Pfarrer Hermann Maas (1877-1970) war von 1915 bis 43 Pfarrer in der Heiliggeistkirche. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er zum Helfer und Retter für zahllose Jüdinnen und Juden, 1944 wurde er dafür von der SA zur Zwangsarbeit ins Elsass deportiert. Am 27. September 2020 jährt sich sein Todesstag zum 50. Mal. In einem Gedenkjahr erinnert die Evangelische Kirche in Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Citykirche und der Altstadtgemeinde mit zahlreichen Veranstaltungen an den mutigen Pfarrer und Theologen, der sich lebenslang für Frieden und Verständigung zwischen den Konfessionen, Religionen und Völkern einsetzte.
Die Predigt von Bischofsstellvertreterin Cornelia Weber zu Psalm 137, 5f „Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde ich meine Rechte vergessen. […]“ finden Sie hier:







