Karlsruhe, 06.03.2020. Die Not der Menschen im Norden Syriens, in der Türkei und auf den griechischen Inseln erschüttert mich. Was können, was müssen wir als Kirchen, als Christinnen und Christen tun? Ich bitte Sie: Beten Sie für die Menschen, die von dieser humanitären Katastrophe betroffen sind! (I) Sprechen Sie mit Abgeordneten, Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern in Ihrer Region und überlegen Sie, wie wir gemeinsam helfen können! (II) Unterstützen Sie Projekte der Diakonie Katastrophenhilfe! (III)
I
Der kommende Sonntag steht unter dem Leitwort aus Psalm 25: „Gedenke, Gott, an deine Barmherzigkeit!“ Mit diesem Vers rufen wir zu Gott und erheben unsere Stimmen für diejenigen, die keine Stimme haben. Wir denken an diesem Sonntag besonders an die verfolgten Christenmenschen in aller Welt. Aber Gottes Barmherzigkeit gilt allen Menschen in Not. Deshalb beten wir zu Gott um Frieden in Syrien und um Schutz und Zuflucht für die Flüchtlinge in der Türkei und Griechenland.
Gedenke an deine Barmherzigkeit, Gott.
Sei bei den Menschen in Syrien und in den Flüchtlingslagern.
Bei denen, die an Leib und Seele verletzt sind,
die vor Angst vor Bomben und Schusswechseln nicht mehr schlafen können.
Bei denen, die mitansehen mussten, wie Menschen gequält und ermordet wurden.
Bei denen, die auf der Flucht alles verloren haben: Angehörige, ihr Zuhause, ihre Heimat, ihr Vertrauen in die Menschen.
Bei denen, die Zuflucht suchen und verzweifeln über die Hartherzigkeit, die ihnen begegnet.
Bei denen, die Zuflucht suchen und verzweifeln über die Hartherzigkeit, die ihnen begegnet.
Tröste und schütze sie und sende ihnen Menschen, die ihnen beistehen.
Gedenke an deine Barmherzigkeit, Gott.
Berühre die Herzen der Verantwortlichen auf allen Seiten.
Lass sie umkehren von Wegen des Hasses, der Gewalt und der Abgrenzung.
Öffne ihre Ohren und Herzen für die Stimmen der Opfer.
Lass sie entdecken, dass auch die Anderen, selbst die Feinde Gottes geliebte Kinder sind.
Gib ihnen den Mut, das Böse mit Gutem zu überwinden und aufeinander zuzugehen.
Lass sie politische Lösungen finden, die allen ein Leben in Frieden und Würde ermöglichen.
Lass sie politische Lösungen finden, die allen ein Leben in Frieden und Würde ermöglichen.
Gedenke an deine Barmherzigkeit, Gott.
Gib, dass die politisch Verantwortlichen in Europa und Deutschland nicht wegschauen, sondern ihre politische Verantwortung für den Frieden wahrnehmen.
Hilf, dass die Angehörigen der Religionen die friedensstiftende Kraft ihres Glaubens für das Zusammenleben fruchtbar machen.
Lass die Christinnen und Christen nicht müde werden, sich an die Seite der Opfer zu stellen, die Friedensbotschaft Jesu Christi zu verkündigen und Räume zu eröffnen, in denen sich Angehörige der verfeindeten Parteien begegnen können.
Lass die Christinnen und Christen nicht müde werden, sich an die Seite der Opfer zu stellen, die Friedensbotschaft Jesu Christi zu verkündigen und Räume zu eröffnen, in denen sich Angehörige der verfeindeten Parteien begegnen können.
Hilf uns, dass wir uns anrühren lassen vom Leiden unserer Geschwister,
dass wir unsere Ressourcen teilen und uns einsetzen für einen Frieden, der allen gerecht wird.
dass wir unsere Ressourcen teilen und uns einsetzen für einen Frieden, der allen gerecht wird.
Gedenke an deine Barmherzigkeit, Gott.
II
Neun Jahre nach Beginn des Syrienkrieges hat sich die Situation für die Menschen noch einmal massiv zugespitzt. Etwa eine Million Menschen fliehen vor den Kämpfen, die ohne Rücksicht auf humanitäre Prinzipien geführt werden; viele von ihnen sind schon vom Krieg in anderen Teilen Syriens traumatisiert und hatten gehofft, hier im Norden Sicherheit zu finden. Die Kriegsparteien halten sich nicht an das internationale Völkerrecht; sie treffen höchstens noch Verabredungen, bestimmte militärische Ziele wechselseitig nicht anzugreifen, nehmen jedoch keine Rücksicht auf Märkte, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen. Die Zivilbevölkerung, egal ob alt oder jung, krank oder gesund, wird zum Spielball der politischen Interessen; für ihren Schutz und für ihre Würde übernimmt niemand die Verantwortung.
Militärische Gewalt ist keine Lösung; sie stärkt nur die Strukturen der Ungerechtigkeit! Deshalb sind wir dankbar, wenn die Waffenruhe, die Putin und Erdogan angekündigt haben, auch tatsächlich umgesetzt wird. Nur so können weitere Tote und Verletzte verhindert werden; nur so können Hilfsorganisationen die notwendige Hilfe leisten. Der Waffenruhe müssen Friedensverhandlungen folgen, die nicht politische Machtinteressen, sondern Frieden und Gerechtigkeit für die Menschen in Syrien in den Mittelpunkt stellen.
Es ist bedrückend, dass es die europäischen Staaten nicht geschafft haben, im Konflikt in Syrien zu vermitteln. Sie haben auch keine Lösung gefunden, wie sie die mehr als 40.000 Menschen gerecht in Europa verteilen können, die in den Lagern auf den ägäischen Inseln unter menschenunwürdigen Zuständen ausharren.
Im Blick auf die dramatische Situation der Flüchtlinge muss die europäische Union auch in Krisenzeiten zu ihrer Selbstverpflichtung stehen, Menschen, die Zuflucht suchen, eine menschenwürdige Unterbringung und ein faires Asylverfahren zu ermöglichen. Erste Schritte wären:
• eine schnelle Familienzusammenführung von Flüchtlingen, die im Moment in Griechenland in den überfüllten Lagern ausharren müssen, mit ihren Verwandten in Deutschland;
• eine kurzfristige Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Menschen in den europäischen Ländern, die bereit sind humanitär voranzugehen;
• die politischen Regelungen zu schaffen, die es den vielen Kommunen und Landkreisen, Kirchen und anderen Hilfsorganisationen in Deutschland und Europa, die bereit sind, in dieser humanitären Katastrophe Verantwortung zu übernehmen, ermöglichen zu helfen.
III
Die Diakonie Katastrophenhilfe hat seit 2012 mehr als 70 Millionen Euro bereitgestellt, um Vertriebenen innerhalb Syriens und Flüchtlingen, die in den Nachbarstaaten Jordanien, Libanon, Türkei sowie im Irak Schutz suchen, zu helfen. Aktuell unterstützt das evangelische Hilfswerk gemeinsam mit seiner türkischen Partnerorganisation ein Projekt, das die Menschen an der griechisch-türkischen Grenze bei Edirne kurzfristig mit Hilfsgütern – etwa Baby-Decken, Hygienesets und einfachen Regenmänteln - versorgt; der Aufbau von Zelten ist derzeit untersagt.
In der griechischen Hafenstadt Thessaloniki hat die Diakonie Katastrophenhilfe ein Tageszentrum für Geflüchtete errichtet, das als soziale Anlaufstelle für Flüchtlinge dient. Dort werden täglich zwei Mahlzeiten ausgegeben, Menschen beraten und mit Hygieneartikeln und dringend benötigter Kleidung versorgt. Innerhalb Syriens gibt es wie in den Vorjahren ein Projekt zur Winterhilfe; besonders bedürftige Familien erhalten Heizöfen und werden unterstützt, damit sie ihre Wohnungen instand setzen können. Außerdem wird psychosoziale Hilfe zur Bewältigung der Kriegstraumata sowie Unterstützung im Bereich Aus- und Weiterbildung angeboten.
Für all das bittet die Diakonie Katastrophenhilfe um Spenden:
Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin,
Evangelische Bank,
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02,
BIC: GENODEF1EK1,
Stichwort: Flüchtlingshilfe Syrien
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Evangelische Bank,
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Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh


