Ohren auf – Kirchenglocken rufen in ganz Heidelberg zum gemeinsamen Gebet

Ab sofort läuten in Heidelberg mittags um 12 Uhr und abends – je nach örtlicher Tradition – um 18 oder 19 Uhr die Kirchenglocken

Heidelberg, 19.03.2020. Ab sofort läuten in Heidelberg mittags um 12 Uhr und abends – je nach örtlicher Tradition – um 18 oder 19 Uhr die Kirchenglocken.

Die aktuelle Situation fordert unsere Gesellschaft aufs Äußerste heraus. Die christliche Kirche ist in dieser Zeit der Auflösung gewohnter Strukturen ganz besonders gefragt, einen Beitrag zur geistlichen Verbundenheit, Solidarität und auch Kontinuität zu leisten. Darum stehen die Kirchentüren weiterhin offen und laden ein, die Kirchen als Orte des Innehaltens und der Begegnung mit Gott zu erleben. Im Interesse der Gesundheit eines jeden Einzelnen dürfen dort jedoch keine gemeinsamen Gottesdienste mehr gefeiert werden. „Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten daher, miteinander im Gebet und in Gott verbunden zu sein“, betont Pfarrer Johannes Brandt, Leiter der Katholischen Stadtkirche Heidelberg.

„Das Glockengeläut gehört zum akustischen Inventar unserer Stadt. Als ökumenisch verbundene Kirche wollen wir die Glocken neu ins Bewusstsein bringen und dazu einladen, die Kirchenglocken an vielen Orten zugleich als Ruf zum persönlichen und doch gemeinsamen Gebet zu hören“, erklärt der Dekan der Evangelischen Kirche in Heidelberg Christof Ellsiepen. Ab sofort läuten daher in Heidelberg mittags um 12 Uhr und abends – je nach örtlicher Tradition – um 18 oder 19 Uhr die Kirchenglocken. „Wo immer Sie sich aufhalten, sind Sie eingeladen, mitzubeten – so sind wir miteinander im Gebet und in Gott verbunden“, laden die Vertreter beider Kirchen zum gemeinsamen Gebet ein.

Das Läuten der Glocke am Morgen, am Mittag und am Abend gebe dem Tagesablauf eine Struktur und erinnere in der christlichen Tradition dreimal täglich daran, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, um den Menschen darin das Heil zu schenken, erläutert Pfarrer Johannes Brandt. „So besteht der Sinn des Glockengeläutes auch darin, in allzu hektischen Zeiten kurz innezuhalten und zur Ruhe zu kommen. Auf diese Weise möchten wir uns mit allen Menschen verbinden, die Unsicherheit verspüren oder sich allein gelassen fühlen, die in heilenden Berufen oder für den Erhalt der öffentlichen Ordnung tätig sind sowie für die, die mit dem Virus infiziert oder aus Vorsorge unter häusliche Quarantäne gestellt sind“, unterstreicht Pfarrer Brandt.

„In einer Zeit, in der wir Zusammenkünfte vermeiden, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, verlagert sich die Kommunikation in vielen Bereichen auf das Virtuelle, Digitale oder Telefonische“, ergänzt Dekan Ellsiepen. Das sei gut und richtig, aber ebenso wichtig sei es, zusätzlich zur virtuellen Kommunikation in der realen Welt die Glocken-Impulse zu hören: „Mir hilft es immer wieder, wenn ich die Kirchenglocken läuten höre. Sie erinnern mich daran, dass ich nicht allein bin, dass viele andere Menschen neben mir sich auch an Gott wenden. Das Läuten der Glocken kann als Aufruf zum Gebet verstanden werden und erklingt zum Trost für die, die jetzt leiden müssen“, zitiert der Dekan aus dem Schreiben einer Christin an ihn.

Den Vorschlag für ein gemeinsames Gebet finden Sie hier: