Interview mit Klinikseelsorgerin Sonja Knobloch anlässlich ihrer Verabschiedung am 27. Mai

Heidelberg, 19.05.2020. Pfarrerin Sonja Knobloch, die 27 Jahre als Seelsorgerin in Heidelberger Kliniken tätig war, geht zum 1. Juni in den Ruhestand. Am 27. Mai wird die Klinikseelsorgerin in einem Gottesdienst um 16 Uhr in der Neuenheimer Jakobuskirche aus ihrem Dienst verabschiedet. Pressesprecherin Karin Wilke hat aus diesem Anlass ein Interview mit Pfarrerin Knobloch geführt.

KW: Wie lange sind Sie schon als Klinikseelsorgerin tätig und in welchen Kliniken?
Ich bin seit 27 Jahren als Klinikseelsorgerin tätig; zuerst war ich an der Universitätsfrauenklinik, dann an der Orthopädischen Klinik, dazu kam das Krankenhaus Salem. Zuletzt war ich an der Kopfklinik und die letzten drei Jahre daneben mit einem Viertel Deputat  am Krankenhaus Sankt Vincentius mit Schwerpunkt Palliativstation.
 
KW: Was sind besonders wertvolle Erfahrungen aus dieser Zeit?
Ein wesentlicher Teil der Arbeit in der Klinikseelsorge ist es, Menschen in Krisensituationen zu begleiten. Ich habe dabei sehr das Vertrauen empfunden und geschätzt, das mir als Pfarrerin und als geistliche Person  von vielen Menschen entgegen gebracht wurde. Es hat Türen geöffnet für manch gutes, oft sehr tiefes Gespräch. Wertvoll war für mich zu sehen, wie großartig manche Patient*innen mit dem, was sie tragen müssen, umgehen und wie sehr ihnen dabei ihr Glaube hilft. Von ihnen habe ich viel gelernt. Mir ist bewusst, dass ich diese Arbeit über so einen langen Zeitraum nicht hätte ausfüllen können, wenn mich nicht auch mein Glaube getragen hätte.
 
KW: Hat sich in der Klinikseelsorge etwas verändert in den letzten Jahren und besonders den Corona-Monaten?
Vor allem in den ersten Wochen des Corona-Shutdowns, als die Patient*innen keinen Besuch haben durften, wurden wir Klinikseelsorger sehr gebraucht. Wir hatten, zumindest in der Kopfklinik, natürlich unter den entsprechenden Hygienemaßnahmen überall Zutritt. Nach meinem Eindruck waren sowohl viele Pflegende als auch Ärzte sehr dankbar für unseren Dienst, den sie noch mehr als sonst als wirksame Unterstützung der therapeutischen Maßnahmen zum Wohl der Patient*innen angesehen haben.
 
KW: Wie blicken Sie Ihrem Ruhestand entgegen?
Ich will erst mal ankommen in diesem neuen Lebensabschnitt und spüren, wie es ist, auf einmal so viel Zeit für mich zu haben. Ich möchte möglichst viel Zeit mit meinen Kindern und Enkelinnen verbringen, Freundschaften pflegen, lesen, Klavier spielen, Sport treiben, reisen, und last but not least, auf dem Erfahrungshintergrund einer Seelsorgerin und ausgebildeten Gestaltberaterin seelsorglich-therapeutische Gespräche anbieten. Ich freue mich auf all das sehr.