Von Maria Stumpf
RNZ, 22.06.2020. Draußen leuchtet der Turm, drinnen ist der Kirchenraum neu ins Licht gesetzt. Eine zurückhaltende Schönheit prägt das Ambiente, ein fast nüchterner Glanz: Halleluja! Die Providenzkirche an der Hauptstraße feierte gestern einen ganzen Tag lang Wiedereröffnung. Gut ein Jahr war die Kirche der Altstadtgemeinde wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. „So schön war sie noch nie“, seufzt eine Frau, als sie „ihre Kirche“ nun wieder betreten darf. Über zwei Jahre dauerten die Instandhaltungsarbeiten insgesamt. Die Providenzkirche ist nach der Schlosskapelle die älteste Barockkirche Heidelbergs.
Und nun Neuzeit in alter Pracht, ein Raum der Stille und Begegnung, für Gebete und Musik, ein Ort des Lichts, des Schattens und des Klangs: Gewaltig und festlich laden Trompeten und Orgel am Sonntag um 12 Uhr zum ersten Gottesdienst des Tages, Dekan Christof Ellsiepen begrüßt die Besucher. Pfarrer Mirko Diepen bringt das Osterlicht aus der Heiliggeistkirche mit und entzündet feierlich die Kerzen des Altars.
In Zeiten von Corona hat man sich etwas einfallen lassen, um möglichst vielen Kirchenbesuchern die Türen zu öffnen. Denn zeitgleich finden immer nur maximal 80 Menschen Platz in den Bänken. Also werden bis 18 Uhr jeweils 30-minütige Kurzandachten angeboten, mal traditioneller gestaltet, mal mit Pop-Musik, aber immer orientiert an den sieben „Ich bin“-Worten Jesu. „Abwechslungsreich, so wie unsere Kirche ist“, erklärt Pfarrer Vincenzo Petracca den Anspruch. In den Pausen gibt es geistliche und musikalische Impulse und genügend Zeit zum Bestaunen des Kirchenraumes. Im Providenzgarten laden derweil im Schatten der alten Bäume Bänke zum Plaudern über Gott und die Welt ein und an einer Stellwand wird aufgefordert, für eine Zukunftswerkstatt der Gemeinde Wünsche zu formulieren. „Dieses Gebäude mit Leben erfüllen“, steht da schon mal. „Was für ein schöner Tag“, freuen sich also Dekan und Pfarrer – und mit ihnen auch Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer und Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck. Beide würdigen das besondere Engagement der Evangelischen Kirche Heidelberg. Mut, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen für Planung und Umsetzung brauche es für so ein Vorhaben, weiß die Ministerin in Kenntnis der Überraschungen, die bei den Renovierungsarbeiten jeweils auftauchten. „Zutrauen haben, Dinge nicht ignorieren, hinschauen und Lösungen finden für das Unwägbare“, das mache Kirche aus. „Eine Haltung, die wir auch als Gesellschaft brauchen.“ Auch Bürgermeister Jürgen Odszuck dankte für das „sehr, sehr gelungene Sanierungsvorhaben“ und unterstrich besonders die Bedeutung der Providenzkirche für die Altstadt.Im März 2018 begann alles mit den Sanierungsarbeiten am Turm, eine Bauzeit von sieben Monaten war geplant. Da die Schäden an der Fassade größer waren als angenommen, begannen die eigentlichen Natursteinarbeiten später als geplant und auch die Lärmschutzmaßnahmen mit Schallläden am Glockenturm brauchten ihre Zeit. Dann kamen die Dachdecker, Klempner und Zimmermänner. Das Holztragwerk war von Schädlingen und Pilzen befallen, die Deckenbalken, Sparrenfüße, Aufschieblinge und Wechsel mussten repariert oder ersetzt werden. Durch die Erschütterungen der Holzbauarbeiten im Dachstuhl fielen plötzlich Nägel und Schrauben von der Stuckdecke, was deren Notsicherung erforderte. Es folgte also noch ein ungeplanter Bauabschnitt mit restauratorischen Arbeiten.
Ziel sei es aber immer gewesen, nichts in seiner Farbigkeit und Materialbeschaffenheit zu verändern, sondern nur zu reinigen und aufzuhellen, betont Dekan Christof Ellsiepen. Der Aufwand hat sich wohl gelohnt: „Sehr schön und super Akustik“, loben viele Gäste. Eine ältere Frau aus der Altstadt fasst den Eindruck vieler Kirchenbesucher treffend zusammen: „Ein Stück Heidelberg ist wieder da. In der neuen, alten Kirche.“







