Die Evangelische Kirche in Heidelberg reagiert auf den Rückgang der Mitgliederzahlen

Die Evangelische Kirche in Deutschland veröffentlicht Kirchenmitgliederzahlen 2019.

EKD Hannover/Evangelische Kirche in Heidelberg, 03.07.2020. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat am 26. Juni in Hannover ihre Mitgliederzahlen für das Jahr 2019 bekannt gegeben. Demnach gehörten zum Stichtag 31.12.2019 insgesamt 20.713.213 Menschen einer der 20 Gliedkirchen der EKD an. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von rund 25 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Mitglieder um rund zwei Prozent gesunken. Im Jahr 2018 war die Zahl der Mitglieder um 1,8 Prozent zurückgegangen. Langfristig ist davon auszugehen, dass sich die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen halbieren werden. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie zur langfristigen Entwicklung der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens bis 2060 des Forschungszentrums Generationenverträge (FZG) der Albert-Ludwig-Universität Freiburg.

Ursächlich für den Rückgang war auch im Jahr 2019 nicht zuletzt die hohe Zahl an Austritten. Nach den aktuellen Berechnungen aus den Gliedkirchen auf Basis der gemeldeten vorläufigen Zahlen sind im Jahr 2019 mit etwa 270.000 Menschen rund 22 Prozent mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten als noch im Vorjahr. Die Zahl der evangelisch Verstorbenen lag 2019 mit rund 340.000 in vergleichbarer Größenordnung wie im Vorjahr. Auch die Zahl der Taufen und Aufnahmen lag im Jahr 2019 mit rund 160.000 Taufen und 25.000 Aufnahmen etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Auch die Evangelische Kirche in Heidelberg reagiert auf diese Zahlen. „Jeder Mensch ist uns wichtig – und wer austritt, fehlt in der Kirche“, kommentiert Dekan Christof Ellsiepen den Rückgang der Kirchenmitglieder. Der Kirchenbezirk Heidelberg zählte zum 31.12.2019 rund 39.800 Mitglieder, rund 800 weniger als im Vorjahr. In dieser Zahl mitberücksichtigt sind auch die Sterbefälle und Wegzüge, rund 700 Kirchenaustritte stehen 2019 gut 30 Kircheneintritten gegenüber. „Am höchsten ist die Zahl an Austritten im Alter zwischen 18 und 30 Jahren“, stellt der Dekan fest, „das ist bedauerlich, weil diese Altersgruppe besonders innovativ ist. Wir brauchen gerade unsere jungen Mitglieder und ihre Ideen, ihre Spiritualität und Kraft für die Kirche der Zukunft.“ Deshalb habe die Evangelische Kirche in Heidelberg ab September eine Pfarrstelle eingerichtet, die neue Formen von Kirche finden und fördern und insbesondere mit jungen Erwachsenen kirchliches Leben entwickeln soll. „Darüber hinaus müssen wir als Kirchenleitung besser hinhören und wahrnehmen, was Menschen aller Altersgruppen von uns heute brauchen“, räumt Dekan Ellsiepen ein.

„Die Gründe für die zuletzt erhöhten Austrittszahlen will die evangelische Kirche in einer eigenen Studie erforschen“, kündigte EKD Ratsvorsitzende Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm an. Diese solle vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD (SI) durchgeführt werden und den Zeitraum der vergangenen zwei Jahre in den Blick nehmen. Im laufenden Jahr erwartet die EKD aufgrund der Corona-Pandemie einen deutlichen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen von – je nach wirtschaftlicher Entwicklung – zehn bis 25 Prozent. „Das ist eine große Gestaltungsaufgabe – auch in Heidelberg“, nimmt Dekan Ellsiepen diese Herausforderung an.

 

Text: EKD Hannover, Carsten Splitt / Evangelische Kirche in Heidelberg, Karin Wilke