Bonhoeffer-Gemeinde zieht aus der Arche aus – im September starten Umbaumaßnahmen

Auf dem grünen Außengelände finden die Gottesdienstbesucher mit gebührendem Abstand Platz
Heidelberg, 31.07.2020. Passend zum Gottesdienst, der ganz im Zeichen des Endes der Sintflut und Noahs Auszug aus der Arche stand, hatte der Himmel ein Einsehen und ließ die Sonne hervorblitzen über dem Garten der Kirchheimer Arche. Dort hatten sich am vergangenen Sonntag rund 50 Gemeindeglieder versammelt, um sich von ihrer Arche zu verabschieden und den symbolischen Auszug zu feiern. Denn die Arche soll in den kommenden zwei Jahren grundlegend saniert werden, die Bonhoeffer-Gemeinde weicht so lange in die Petruskirche und das Hermann-Maas-Haus aus, der ARCHE-Kindergarten wird in der Pfarrwohnung und Containern auf dem Gelände untergebracht.

Pfarrer Fabian Kliesch als Noah und Pfarrerin Christiane Bindseil als seine Frau erinnern sich an gute alte Zeiten
„Was für ein Gefühl das ist, hier aus der Arche rauszutreten. Die Arche hat uns so lange beherbergt und beschützt, so viele verschiedene Wesen haben da zusammengewohnt“, resümiert der als Noah verkleidete Pfarrer Fabian Kliesch in seiner Predigt. „Natürlich gab es auch mal Streit und sind die Fetzen geflogen. Aber es gab auch Versöhnung, es gab eine Verbundenheit von Herzen, es gab großartige Feste“, blickt Pfarrer Kliesch auf die insgesamt wunderbar vielfältige Zeit zurück. „Zuerst gab es den Kindergarten, wir haben die Gottesdienste unten im Keller gefeiert, in der Kellerkirche, die ist irgendwann aus allen Nähten geplatzt“, erinnert sich Noahs Frau Pfarrerin Christiane Bindseil. „Die Leute wollten ein richtig schönes Gemeindezentrum. Alle haben zugepackt, im März 1981 wurde die Arche dann eingeweiht.“

Junge Akrobaten des Zirkus Konfetti unter Leitung von Peter Böhme bilden die Arche nach
Seither hat sich Vieles ereignet im modern gestalteten, hellen Kirchenraum, der bis zur Fusion beider Kirchheimer Gemeinden zur Bonhoeffer-Gemeinde im Juli 2017 Heimat der Wichern-Gemeinde war. Da gab es den runden Tisch im Arche Treff, aus dem unter anderem die mittlerweile im Welt Haus am Hauptbahnhof beheimatete „Werkstatt Ökumene“ hervorging. Bastelkreise trafen sich dort, die mit ihren Einnahmen Gemeinden in der Ökumene in Indien und Rwanda geholfen haben. Im Senioren- und Frauenkreis wurde bei Kaffee und Kuchen gemeinsam gesungen, gelacht und erzählt. Nach der Wende fanden viele Russlanddeutsche in der Arche eine neue Heimat, auch eine nahöstliche Gemeinde mit Menschen aus dem Iran und Afghanistan kam später mit an Bord. Über das Projekt „Dazugehören“ bot die Gemeinde ihren neuen Mitgliedern Deutschkurse an.

Doch der vielseitig genutzte Kirchenraum ist in die Jahre gekommen und soll nun neuen energetischen Standards und Nutzungsanforderungen entsprechend saniert werden. Hierfür müssen Gemeinde und auch der ARCHE-Kindergarten vorübergehend ausziehen, damit der für Mitte September geplante Start der Umbauarbeiten reibungslos beginnen kann. Der Kindergarten wird zum neuen Kindergartenjahr Anfang September mit der Kleinkindgruppe in die Pfarrwohnung in der Oppelner Straße einziehen, für die anderen beiden Gruppen werden im August auf dem großen Außengelände Container aufgestellt.

Die leergeräumte Arche soll in zwei Jahren in neuer Pracht erstrahlen
Geplant ist ein grundlegender Umbau des Gemeindezentrums mit neuem Eingang an der Glatzer Straße, zukünftig sollen hier im Unter- und Erdgeschoss drei Nutzungseinheiten entstehen: Ein Gemeindezentrum mit Sakralraum, ein viergruppiger Kindergarten sowie Räumlichkeiten für den Kinderclub Kirchheim im Untergeschoss mit separatem Zugang über die Oppelner Straße, die an die Stadt Heidelberg vermietet werden. Um aktuellen energetischen Umweltstandards zu entsprechen, wird auf dem Kitagebäudedach eine Photovoltaikanlage installiert, die alte Ölheizung wird ausgebaut und durch eine Heizungsanlage mit erneuerbaren Energien über Erdsonden mit Wärmepumpe ersetzt. Wenn alles nach Plan läuft, kann die Bonhoeffer-Gemeinde im Spätsommer 2022 ihre für die Zukunft gerüstete neue Arche wieder beziehen und feierlich einweihen.